Aufregung nach positiven Asbest-Proben im Burgenland: Unter anderem sind die Klinik Oberwart, ein Skatepark und Einfamilienhäuser betroffen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert daher Sofortmaßnahmen der Behörden zum Schutz der Bevölkerung. Beim Land versucht man zu beruhigen: Entscheidend sei nur die Belastung in der Luft. Diese wird nun untersucht
Die Umweltschutzorganisation hat an neun Stellen in Oberwart, Rechnitz und Neumarkt im Tauchental Materialproben entnommen und im Labor analysieren lassen. Das Ergebnis: Die Proben enthalten teils über 50 Prozent Asbest. Dazu zählen der Skatepark in Rechnitz, die laufende Krankenhausbaustelle in Oberwart und die Schotterstraße in der Einfamilienhaussiedlung in Neumarkt im Tauchental.
„Gefahr in Verzug“
Asbest ist in Österreich seit 1990 verboten und muss unter strengen Sicherheitsauflagen geborgen und in Asbestdeponien entsorgt werden. „Selbst minimale Asbestmengen können in unseren Lungen immensen Schaden anrichten. In Oberwart liegt asbestbelasteter Schotter direkt bei der Klinik, in Rechnitz fahren Kinder mit Fahrrädern, Scootern und Skateboard über asbestverseuchten Asphalt. Das ist Gefahr im Verzug“, sagt Stefan Stadler, Sprecher des Investigativ-Teams bei Greenpeace Österreich.
Material aus gesperrten Steinbrüchen
Das asbestbelastete Material stammt laut Greenpeace aus Serpentinit-Steinbrüchen, von denen vier im Jänner – wie berichtet – wegen hoher Asbestbelastung gesperrt wurden. Bereits 2008 habe einer dieser Steinbrüche asbestbelasteten Streusplitt zurückrufen müssen. Das Asbestvorkommen der Region sei lange belegt, so Greenpeace. „Es ist schockierend, wie die Behörden hier über Jahrzehnte versagt haben“, so Stadler.
Luftbelastung entscheidend
Das Land Burgenland versucht unterdessen zu beruhigen. Auf Basis der bisherigen fachlichen und medizinischen Einschätzungen bestehe keine akute Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung. „Maßgeblich sind daher Messungen der Luftbelastung, nicht der Asbestanteil im Material“, stellt Umweltmediziner Assoz. Prof. DI Dr. Hans-Peter Hutter, MedUni Wien, fest.
Bisher keine Auffälligkeiten
Der burgenländische Amtsarzt und Vertreter der burgenländischen Landessanitätsdirektion, Dr. Markus Schreier, verweist darauf, dass die vorliegenden medizinischen Daten keine Auffälligkeiten erkennen lassen: „Den Gesundheitsämtern im Burgenland sind aktuell keine Hinweise auf erhöhte regionale Erkrankungsraten bezüglich asbestassoziierten Erkrankungen bekannt.“
Taskforce eingerichtet
Das Land hat nun die Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“ eingesetzt. Unter anderem sollen jene Standorte, die von Greenpeace untersucht wurden, nach behördlichen Standards auf eine mögliche Asbestbelastung der Luft überprüft werden. „Wir nehmen jede Information, die eine potenzielle Gesundheitsgefährdung betreffen könnte, sehr ernst. Gleichzeitig ist es wichtig, sachlich zu bleiben“, betont Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.
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