Burgenlands Militärkommandant erklärt, warum eine Reform der Armeen in ganz Europa und ein zeitgemäßes Milizsystem dringend nötig sind.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hatte – wie berichtet – den Startschuss zum „entscheidenden Diskussionsprozess“ über die künftige Ausgestaltung von Wehrdienst, Wehrersatzdienst und Miliz bereits gegeben. Auf die Modellvorschläge im Bericht der Wehrdienstkommission, die in den Überlegungen als Wegweiser dienen, reagiert Burgenlands Militärkommandant Gernot Gasser. „In erster Linie geht es um die Verteidigungskraft unseres Landes. Das war immer die Hauptaufgabe des Bundesheeres, allerdings bei geringer Bedrohung von außen. Die Lage hat sich geändert“, sagt der Brigadier.
Konfrontation statt Kooperation
Der Ukraine-Krieg habe Europa am falschen Fuß erwischt. „Wir haben in die Stabilität vertraut. Dieses Sicherheitsgefühl, das vor dem Konflikt mit Russland grundlegende Bedeutung hatte, bricht laut ,Global Risks Report’ weg“, führt Gasser aus. In Europa habe man sich auf die NATO beziehungsweise die USA verlassen können. Seit einem Jahr unter Präsident Trump sei der Kurs von Kooperation auf Konfrontation umgeschlagen. „Statt das Recht zu stärken, haben wir jetzt mehr das Recht des Stärkeren“, verweist der Brigadier auf die Problematik.
Im Westen schiele Trump auf Grönland, im Osten sei Putin auf Kollisionskurs – noch mehr Krisenherde nicht ausgeschlossen. „Sobald im Suezkanal Schiffe gekapert werden, hat das bittere Folgen. Für die Transporte nach Europa sind schon weite Umwege eingeplant, die Mehrkosten für unsere Produkte des täglichen Lebens steigen“, warnt Gasser vor zusätzlichen Unsicherheitsfaktoren.
Wehrpflicht verlängern, Übungspflicht wieder einführen – ich hoffe, dass unsere Sicherheit weitaus wichtiger ist als parteipolitisches Kalkül.

Brigadier Gernot Gasser
Bild: Karl Grammer
„Wasser steigt und steigt“
Aus seiner Sicht stehe Europa das Wasser bis zum Hals. Österreich sei mit einem Schnorchel ausgerüstet, die Armeen anderer EU-Mitgliedsstaaten hätten hingegen schon den Tauchanzug angelegt. „Der Schnorchel ist nur sechs Monate lang, doch das Wasser steigt und steigt. Wenn wir jetzt anfangen, über die Farbe des Schnorchels zu reden, dann gehen wir an der Sache, an unserem Auftrag, vorbei“, bedient sich Gasser einer symbolhaften Sprache. Er tritt für eine Verlängerung der Wehrpflicht ein, so wie es international der Fall ist. 12 Monate seien besser als sechs.
„Ohne die Anpassung der Wehrdienstdauer und ohne verpflichtende Milizübungen lässt sich das Milizsystem nicht nachhaltig aufrechterhalten, so kann Österreichs Verteidigungsbereitschaft nicht ausreichend gestärkt werden. Intensivere Ausbildungen an modernen Einsatzgeräten und Technologien sowie häufigere Praxis verkürzt die Reaktionsfähigkeit eines Heeres deutlich“, betont der Militärkommandant. Gleichzeitig müsse der Zivildienst verlängert werden, um die Balance zu halten.
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