Interview mit KTM-Boss

„Jobabbau ist Notwendigkeit, um zu überleben“

Oberösterreich
14.01.2026 18:30

CEO Gottfried Neumeister rechtfertigt im „Krone“-Interview den aktuell verkündeten Stellenabbau bei KTM. Dieser sei nicht auf Geheiß des neuen indischen Eigentümers, sondern vom heimischen Management entschieden. Es gehe darum, Führungsebenen zu vereinfachen und zu verschlanken.

„Krone“: Ist der Abbau der 500 Stellen eine Order der neuen indischen Eigentümer?
Neumeister: 
Nein, ganz klar nicht. Das ist eine Notwendigkeit, um zu überleben. Es geht darum, Kosten zu senken, Strukturen zu vereinfachen und das Unternehmen stabil für die Zukunft aufzustellen. Also nein, es ist keine Order, sondern das österreichische Management musste diese Entscheidung treffen.

Weshalb streichen Sie die Arbeitsplätze?
Die wesentlichen Gründe sind erstens, dass wir uns im vergangenen Geschäftsjahr von einigen Unternehmensbereichen getrennt haben, zum Beispiel dem Fahrrad- oder Automobilgeschäft. Und somit gibt es auch in der Verwaltung nicht mehr denselben Bedarf. Der zweite Grund ist, dass wir die Strukturen verschlanken wollen. Wir haben derzeit sechs Führungsebenen im Konzern. Wir haben uns vorgenommen, mindestens eine Führungsebene, in manchen Bereichen sogar zwei, herauszunehmen – mit dem Ziel, dass wir in Zukunft schneller Entscheidungen treffen können.

Gottfried Neumeister
Gottfried Neumeister(Bild: KTM AG/Emanuel Tschann)

Welche Standorte sind vom erneuten Abbau betroffen?
Das ist in Ausarbeitung. Der Abbau wird weltweit, auch im Ausland passieren.

Wie geht es weiter: War das der letzte Stellenabbau?
Mit den aktuellen Maßnahmen sind wir zuversichtlich, dass wir nun als Unternehmen eine Struktur schaffen, die uns wieder wettbewerbsfähig macht.

2025 ist der Umsatz des KTM-Konzerns um 46 Prozent auf rund eine Milliarde Euro gesunken.
Wir hatten acht Monate unsere Produktion geschlossen und haben uns in einem Insolvenzverfahren befunden, das viel Unsicherheit erzeugt hat. Dass wir es 2025 geschafft haben, diese eine Milliarde Umsatz zu durchbrechen, kann durchaus als Erfolg gewertet werden – und vor allem das Faktum, dass wir im zweiten Halbjahr um 60 Prozent mehr Motorräder verkauft haben als im ersten. Es ist klar ein positiver Trend zu verzeichnen. 

„Krone“-Kommentar
Ausbaden müssen’s die Mitarbeiter

Managementfehler aus der Vergangenheit wie die Ausweitung auf zu viele Geschäftsfelder oder ein zu hoher Lagerbestand, gepaart mit hohen Standortkosten sind ein Mix, der für KTM den Personalabbau wohl tatsächlich zu einer Überlebensfrage macht.

(Bild: Krone KREATIV, Harald Dostal)

Doch ausbaden müssen das alles die Beschäftigten. Seit der Insolvenz leben sie quasi in permanenter Unsicherheit, zwischen Rätselraten über die Folgen der indischen Mehrheitsübernahme und Produktionsstopps. Dazu passt: KTM will die nun betroffenen 500 Mitarbeiter erst ab Mitte Februar informieren. Bis dahin geht das Bangen weiter – wieder einmal.

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