Prozess in Hamburg
Mann soll Jugendliche zum Suizid überredet haben
In Deutschland soll ein heute 21-Jähriger zahlreiche Kinder und Jugendliche zu selbstverletzendem Verhalten und Suizid überredet haben. Der Deutsch-Iraner wird ab kommendem Freitag in Hamburg vor Gericht stehen. Es geht um mehr als 200 angeklagte Straftaten, darunter einen vollendeten Mord und fünf Mordversuche (siehe Video oben).
Die Taten beging er laut Anklage zwischen Jänner 2021 und September 2023, er war damit zum Teil noch minderjährig. Bekannt wurde der Mann unter seinem Forennamen „White Tiger“, als Kopf einer Gruppe von Cyberkriminellen, die Kinder und Jugendliche zwischen elf und 15 Jahren online zu Gewalt gegen sich selbst gezwungen haben. Dabei soll er besonders verletzliche Kinder emotional von sich abhängig gemacht haben, um die Verbindung für Aufnahmen mit Missbrauchsinhalten auszunutzen. Die Kriminellen sollen sexuell motiviert gehandelt haben.
Die Opfer kommen laut den Ermittlerinnen und Ermittlern aus Deutschland, England, Kanada und den USA. Sie verletzten sich laut der Anklage in Livechats unter den Augen von anderen selbst erheblich oder übten sexuelle Handlungen an sich aus. „White Tiger“ soll das aufgenommen und den Kindern und Jugendlichen mit der Veröffentlichung gedroht haben. Auf diese Weise wurden sie erpresst, sich noch gravierendere Selbstverletzungen vor laufender Kamera zuzufügen.
Ein 13-jähriger Bub aus den USA beging Suizid, eine damals 14-jährige Kanadierin versuchte, sich das Leben zu nehmen. Eine junge Finnin wurde laut Gericht als Nebenklägerin geladen.
Erste Ermittlungen wieder eingestellt
Die Hamburger Polizei hatte bereits im Jahr 2021 gegen den Deutsch-Iraner ermittelt, weil der Verdacht bestand, dass er Missbrauchsbilder besaß. Die Ermittlungen wurden jedoch wegen angeblicher Geringfügigkeit wieder eingestellt. Zwei Jahre später teilte die US-Bundespolizei FBI ihre Ergebnisse zu „White Tiger“ mit den deutschen Behörden. Das Landeskriminalamt sei über die Identität des Beschuldigten informiert worden, hieß es. Ein ehemaliger FBI-Ermittler warf der deutschen Polizei vor, den Verdächtigen nicht zeitnah aus dem Verkehr gezogen zu haben.
Die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte die FBI-Hinweise. Ein Tatverdacht des Mordes oder versuchten Mordes habe sich aus den Unterlagen aber zunächst nicht ergeben, hieß es. Wegen des Umgangs mit Missbrauchsbildern sei direkt danach ein Verfahren eingeleitet worden. Der Deutsch-Iraner wurde im Sommer in der elterlichen Wohnung in Hamburg festgenommen und sitzt seit Mitte Juni in Untersuchungshaft.
Ihm werden insgesamt 204 Straftaten an mehr als 30 Kindern und Jugendlichen vorgeworfen. Ab kommenden Freitag startet der Prozess, bis Dezember sind 82 Verhandlungstermine anberaumt.









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