Mo, 20. August 2018

Dampf statt Rauch

29.01.2014 13:32

E-Zigaretten: Wirklich die gesunde Alternative?

Seit einiger Zeit erlebt die E-Zigarette auch in Europa einen Boom. Verdampfen statt verbrennen, lautet das Versprechen der Hersteller an Raucher, die ihrem Laster mithilfe von E-Zigaretten ein Ende setzen wollen. Doch ob die E-Zigaretten, die nicht selten weder Tabak noch Nikotin enthalten, tatsächlich eine gesündere Alternative zu klassischen Glimmstängeln sind, ist höchst umstritten.

Das Prinzip der E-Zigarette ist relativ schnell erklärt: In einem als Depot bezeichneten Flüssigkeitsbehälter wird via Akku die enthaltene Flüssigkeit erhitzt. Aus der erhitzten Flüssigkeit resultiert ein Dampf bzw. Nebel, welcher vom Raucher wie Zigarettenrauch inhaliert wird. Das Glimmen der Zigarette wird über eine Leuchtdiode simuliert. Die Flüssigkeit im Depot wird als Liquid bezeichnet. Solche Liquids bestehen zumeist aus Propylenglykol (E1510), Glycerin, diversen Lebensmittelaromen und aus Wasser.

In einigen Liquids ist zudem flüssiges Nikotin in unterschiedlicher Stärke beigemengt – es sind aber mittlerweile auch nikotinfreie Liquids erhältlich. Und genau in diesen Liquids sehen Mediziner das Problem. Denn über die Aromaessenzen, die für das Geschmacks- und Geruchserlebnis sorgen, ist wenig bekannt. Zumeist geben die Hersteller noch nicht einmal die genaue Zusammensetzung an. Man weiß also nicht, was man da eigentlich inhaliert.

"Nebel kann Atemwege reizen"
Die Initiative "Rauchertelefon" warnt auf ihrer Website davor, die E-Zigarette als gesündere Alternative oder gar zur Raucherentwöhnung einzusetzen: "Der Nebel kann Atemwegsreizungen hervorrufen, das enthaltene Nikotin macht auch in verdampfter Form körperlich und psychisch stark abhängig." Zudem sei die wissenschaftliche Datenlage über die gesundheitlichen Auswirkungen bei wiederholtem, langfristigem Gebrauch zurzeit nicht ausreichend.

In Österreich sind E-Zigaretten als Arzneimittel beziehungsweise Medizinprodukt eingestuft und nicht zum freien Verkauf zugelassen. Sie sind nur in Apotheken oder über das Internet erhältlich. Dennoch gibt es auch einige Aspekte, bei denen die E-Zigarette im Vergleich zur klassischen "Tschick" besser abschneidet.

Studien: Besser fürs Herz, schlecht für die Lunge
Eine Studie des in Griechenland beheimateten Onassis Cardiac Surgery Center aus dem Jahr 2012 zeigt, dass das "Dampfen" einer E-Zigarette im Gegensatz zum Original-Glimmstängeln keine schädlichen Auswirkungen auf das Herz hat. Die Forscher verglichen die Herzfunktion von 22 E-Zigaretten-Benutzern mit der von 20 Rauchern, die täglich mehr als eine Zigarette konsumierten. Nach dem Rauchen einer Tabakzigarette verschlechterte sich die Herzfunktion der Raucher, der Blutdruck stieg an und die Herzfrequenz erhöhte sich. Bei den Benutzern der E-Zigaretten stellte sich nach einem siebenminütigem Genuss lediglich ein leicht erhöhter Blutdruck ein.

2013 fanden Forscher der Universität Athen allerdings heraus, dass E-Zigaretten das Risiko, Lungenschäden zu erleiden, keineswegs senken. Die Forscher beobachteten 32 Studienteilnehmer und maßen ihren Atemwiderstand. Sie stellten fest, dass nach dem Genuss einer E-Zigarette der Atemwiderstand der Versuchspersonen schlagartig anstieg und für etwa zehn Minuten auf diesem Niveau blieb. Bei Personen, die in ihrem Leben noch nie geraucht hatten, stieg der Atemwiderstand von 182 Prozent auf durchschnittlich 206 Prozent, bei Rauchern mit normaler Lungenfunktion von 176 Prozent auf im Durchschnitt 220 Prozent.

Forschung legt sich noch nicht fest
"Wir wissen noch nicht, ob neue Nikotinprodukte wie E-Zigaretten sicherer als normale Zigaretten sind, obwohl das Marketing behauptet, sie seien weniger schädlich", sagt Christina Gratziou, eine Autorin der Studie, "diese Studie hilft uns, zu verstehen, inwieweit diese Produkte potentiell schädlich sein könnten." Man müsse noch weiterforschen, um zu erfahren, ob die Auswirkungen auf die Lunge langfristig sind.

Dass man E-Zigaretten als gesunde Alternative vermarktet, ist demnach sicher zu weit gegriffen. Inwieweit sie die klassischen Zigaretten verdrängen werden, dürfte auch von den künftigen Raucherbestimmungen, etwa in Lokalen, abhängen. Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun und sich auf Dauer vom Qualmen verabschieden will, sollte vielleicht doch auf andere Mittel setzen - und sich am Besten Rat vom Arzt holen.

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