Es fehlt der Respekt vor Kunst und Kultur: Der Anschlag auf eine Kunstinstallation von Pussy-Riot-Mitbegründerin Nadya Tolokonnikova in einer ehemaligen Kapelle vor dem Linzer Offenen Kulturhaus ist kein Einzelfall. Auch eine Installation im Linzer Mariendom wurde mutwillig beschädigt.
„Vielleicht wollte irgendwer nur ,lustig‘ sein“, mutmaßt Dommeister Clemens Pichler: Bei einer Klanginstallation zur e-Moll-Messe von Anton Bruckner in der Krypta des neuen Doms wurde die feinen Drähte, die schwebende Goldkugeln miteinander verbinden, verwirrt. Seither ist das Kunstwerk irreparabel beschädigt.
Freilich glaubt auch der Dommeister nicht, dass der Schaden aus böser Absicht angerichtet worden sei: „Es reicht eine einzelne Kugel zu nehmen und gach los zu lassen. Die Drähte sind derart zart, dass sie sich nicht mehr entwirren ließen.“
Madonna wurde geköpft
Viel schlimmer erwischte es die Skulptur einer gebärenden Madonna, die am 1. Juni im Mariendom geköpft wurde. Gegen zwei Verdächtige, einen Linzer (73) und einen Wiener (31), wird immer noch ermittelt, so die Staatsanwaltschaft Linz auf Anfrage. Der Linzer hatte sich verdächtig benommen, der Wiener eifrig einschlägig gepostet. Doch das Duo hatte keinen Kontakt zueinander. Wer sich dann tatsächlich vor Gericht verantworten muss, wird sich zeigen.
Splitter rieselten über die Dekolletés
Es war ein Stein, mit der die Glastür der ehemaligen Marienkapelle am Linzer OK-Platz eingeschlagen worden ist. Splitter rieselten über die Dekolletés von Sexpuppen, die Pussy-Riot-Mitbegründerin Nadya Tolokonnikova im Rahmen ihrer großen Werkschau im OK ausstellte. Auch der Glasboden des Schauraums wurde zertrümmert. Es wurde Anzeige gegen Unbekannt erstattet, heißt es von der Landes-Kultur GmbH (OÖ LKG).
Kein zufälliger Zeitpunkt
Die Künstlerin glaubt, dass der Zeitpunkt des Vandalenakts nicht zufällig gewählt worden ist, es sei am Vorabend von Marias Empfängnis geschehen, „ein symbolisches Datum“. Die Skulpturengruppe wurde nicht ernsthaft beschädigt, sie ist vorübergehend im OK zu sehen und wird so bald wie möglich an ihren ursprünglichen Standort zurückkehren. Die Kapelle wurde vor mehr als zehn Jahren profaniert und ist seither ein Raum für Kunst.
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