So, 24. Juni 2018

"Weiche" Schnauze

28.09.2005 14:30

So sollen Autos jetzt Fußgänger schützen

Es geht ungerecht zu auf den Straßen: Während Autofahrer geschützt von Airbags und einer Vielzahl elektronischer Helfer in ihren Karossen sitzen, können Fußgänger bei einem Unfall nur auf ihr Glück vertrauen. Doch künftig sollen sich die Chancen für Fußgänger bei einem Autounfall verbessern.

Als Folge einer neue EU-Richtlinie müssen neu eingeführte Auto-Modelle ab dem 1. Oktober zusätzliche Anforderungen an den Fußgängerschutz erfüllen, im Jahr 2010 will man diese Vorgaben weiter verschärfen. Zudem werden Systeme zum Einsatz kommen, die von vorneherein helfen sollen, einen Zusammenprall von Auto und Fußgänger zu verhindern. Allerdings zeigen Crashtests, dass auch die verbesserten Modelle bisher nur bedingten Schutz bieten. 

Bei einer Crashtest-Serie nach der so genannten EuroNCAP-Norm hat sich gezeigt, dass viele aktuelle Autos keinen wirklich umfassenden Unfallschutz bieten. So kamen nach Angaben des ÖAMTC bei den herkömmlichen Crashversuchen in Hinblick auf die Insassensicherheit gleich mehrere Fahrzeuge auf die Bestwertung von fünf Sternen. Bei den Versuchen in Zusammenhang mit dem Fußgängerschutz sah es dagegen anders aus: So erreichte der neue 3er von BMW gerade einmal einen von vier in dieser Kategorie möglichen Sternen.

Hohe Anforderungen
Dies bedeutet aber nicht, dass die neuen Fahrzeuge die aktuellen Anforderungen nicht erfüllen, sondern dass diese neuen Regeln nur ein erster Schritt sind. „Die momentanen Tests nach EuroNCAP haben jetzt schon sehr hohe Anforderungen“, erklärt Hubert Paulus vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg in Bayern. „Die gesetzlichen Vorschriften sind derzeit deutlich schwächer.“ Die Anforderungen in Crahstests entsprechen demnach schon annähernd den offiziell im Jahr 2010 kommenden Vorgaben - und zeigen, dass mehr Schutz machbar wäre.

Blech muss sich verformen können
Grundsätzlich sind die Möglichkeiten zum Schutz der Fußgänger vielfältig. «Dabei geht es zum Beispiel um den Aufprall des Kopfes auf der Motorhaube oder auch um besseren Schutz der Beine», so Paulus. Wichtig ist unter anderem, dass der harte Motorblock sich nicht direkt unter der Haube befindet, so dass das weiche Blech sich besser verformen kann.

„Der Touran von Volkswagen ist ein gutes Beispiel dafür, was man schon machen kann. Hier gibt es viel Platz zwischen der Haube und den Aggregaten.“ Die Kotflügelkanten sind außerdem so gestaltet, dass sie sich zusammenstauchen lassen.

Zafiras Stoßfänger gibt nach
“Auch Fahrzeuge wie der Opel Zafira oder der VW Passat werden explizit nach dem Regelwerk gebaut“, sagt Mathias Kühn vom Verkehrstechnischen Institut der deutschen Versicherer in Berlin. So hat der Zafira laut Opel in Rüsselsheim einen nachgiebigen Stoßfänger, mit dem die Beine bei einem Zusammenprall besser geschützt werden. Außerdem sollen nachgiebige Strukturen im Bereich der Scheinwerfer, der Motorhaube und der Kotflügel das Verletzungs-Risiko mindern. 
 

Ähnlich sieht es beim Passat aus. Laut Volkswagen in Wolfsburg gibt es hier unter anderem verformbaren Schaum in den Stoßfängern, wie beim Touran wurde auch die Befestigung der Kotflügel den Anforderungen angepasst. Im EuroNCAP-Test reicht das den Angaben zufolge für zwei Sterne. 

Sollbruchstellen im Scharnier
Auch spezielle Verbindungssysteme schützen den Fußgänger. So gibt es Hauben-Scharniere, die Sollbruchstellen aufweisen. Bei einem Aufprall bricht ein Bolzen, die Konstruktion gibt nach. Dieses System wird bereits im VW Touran und dem Ford C-Max eingesetzt. 

Für kommende Anforderungen sind aber aufwendigere Konstruktionen gefragt. Verfügbar ist bereits eine Motorhaube, die beim Unfall mit Pyrotechnik oder Federn angehoben wird, so dass zusätzlicher Platz zwischen Motorhaube und Motorteilen entsteht.  

Sensoren erkennen Fußgänger
Um zu funktionieren, müssen solche Systeme einen drohenden Aufprall aber rechtzeitig erkennen. Bei Bosch in Stuttgart arbeitet man an entsprechenden Sensoren und Steuerungssystemen. „Dabei handelt es sich um Beschleunigungs-Sensoren an der Fahrzeugfront, die den Aufprall eines Fußgängers erkennen und binnen zehn bis zwölf Millisekunden die entsprechenden Systeme aktivieren", so Bosch-Sprecher Richard Backhaus. Die Sensoren sind so ausgelegt, dass sie einen Fußgänger von Gegenständen unterscheiden können. Im Jahr 2007 wird das System laut Bosch in Serienfahrzeuge eingebaut. 

In Zukunft werden aber auch aktive Systeme zur Verhinderung eines Unfalls Einzug halten. So weist der Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom Prognose-Institut B&D Forecast in Bochum auf die Infrarot-Nachtsichttechnologie in der neuen S-Klasse von Mercedes hin. Sie hilft, Fußgänger oder auch Radfahrer in der Dunkelheit rechtzeitig zu erkennen. "Diese Technologie wird wahrscheinlich schon in zwei oder drei Jahren auch in der Mittelklasse zu finden sein, in fünf Jahren dann in der Golfklasse." 

Hinzu kommen demnach verbesserte Einparkhilfen, die nicht nur den Abstand zu einem parkenden Fahrzeuge anzeigen, sondern auch vor spielenden Kindern hinter dem Auto warnen können.

 

 

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