So mancher Schwammerljäger hat heuer schon reiche Beute gemacht. Kein Wunder: Der häufige Regen sorgt für beste Bedingungen im Wald. Auch langfristig gesehen sprießen die Pilze immer früher. Forscher Martin Kirchmair erklärt die Veränderungen und warnt vor kulinarischen Experimenten.
Beim Jenbacher Museum fand am Sonntag die erste Pilzberatung des Tiroler Vereins für Pilzkunde in dieser Saison statt. Zu begutachten gibt es viel, wie Obmann Martin Kirchmair bestätigt. Der Mikrobiologe erforscht an der Uni Innsbruck das Reich der Fungi.
Er beobachtet, dass mittlerweile viele Sorten im Schnitt einen Monat früher als noch vor Jahren zu finden sind: „Schon Anfang März habe ich Morcheln gesammelt. Früher waren die vor Mai kaum zu sehen.“
Rund ein Viertel der bei uns vertretenen Pilzarten ist essbar, aber nicht alle sind ein Genuss.

Martin Kirchmair, Mikrobiologe
Bild: Christian Forcher/Fotoworxx
Vermehrt südliche Arten
Rund 2000 nennenswerte Pilzarten gibt es in unseren Breiten. „Davon ist ein Viertel essbar, aber nicht alle sind ein Genuss“, meint Kirchmair mit einem Augenzwinkern. „Neuerdings breiten sich auch vermehrt südliche Arten aus“, spricht er die Folgen der zunehmenden Erwärmung an.
Heimische Arten weichen in die Höhe aus. „Das Pilzaufkommen verändert sich. Eng wird es wie bei den Tieren für alpine Arten wie zum Beispiel den Hochgebirgs-Speitäubling. Einige dieser Arten werden wohl verschwinden“, lautet die Prognose des Fachmanns.
Rasch reagieren bei Verdacht auf Vergiftung
Hobby-Pilzjäger beschäftigt eine andere Frage: Essbar, oder nicht? Eine entscheidende Frage! „Giftpilze können zu Organversagen und zum Tod führen“, warnt Kirchmair vor Experimenten. Der Fachmann wird von Krankenhäusern bei Vergiftungsfällen um Rat gefragt.
Bei Verdacht auf eine Vergiftung rät er, sofort Notruf oder Vergiftungsinformationszentrale zu wählen sowie Pilzreste oder Erbrochenes ins Spital mitzunehmen: „Damit rasch die adäquate Behandlung erfolgen kann.“
Bei Unsicherheit den Fund begutachten lassen, lautet der Appell des Tiroler Pilzvereins. Bis Oktober beraten die Mitglieder jeden Sonntag im Haus des Jenbacher Museums (18.30 Uhr bis 20 Uhr). Ein Service, das auch die Abteilung Marktwesen in Innsbruck anbietet.
Wer das feucht-warme Wetter dieser Tage nutzen möchte, sollte auch die Tiroler Pilzschutzverordnung beachten: Zwei Kilogramm pro Person und Tag dürfen gesammelt werden.
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