Die Drehleier, die alten Lieder und das Klackern des Spinnrads – damit ist Julia Lacherstorfer im Traunviertel aufgewachsen. Und damit bricht sie auch in ihrer Musik. Die vielseitige Virtuosin, die heute in Wien lebt, widmet ihre neue Lieder-CD ihren Nachbarinnen, die aus vielen Ländern kommen. Zudem komponiert sie für das Bruckner-Projekt der Musikschule Linz.
„Die Lieder, die mir einst mein Großvater beigebracht hat, und die ich über alles liebe – sie kommen mir immer weniger leicht über die Lippen“, stellt Julia Lacherstorfer (38) fest.
Die Musikerin, die in Wien lebt, stammt aus dem Traunviertel. Sie wuchs mit dem Schnarren der Drehleier des Vaters, dem Akkordeon des Großvaters auf. Und mit dem Klackern des Spinnrades der Mutter.
Neuer Klang, neuer Blick
Aber: „Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass ein Großteil der traditionellen Lieder, die ich seit Kindheitstagen singe, eine männliche Geschichte erzählen. Diese Erkenntnis traf mich mit voller Wucht und weckte in mir den Wunsch, die weibliche Perspektive in unserem Liedgut mehr ins Bewusstsein zu rücken – und somit auch ins Zentrum meines Schaffens“, erzählt die Musikerin.
Lacherstorfer ist nicht nur solo unterwegs, sondern spielt in Volksmusik-Bands und ist Intendantin des Festivals „wellenklænge“. Und sie ist eine der Komponistinnen und Komponisten, die am Donnerstag, 27. Juni beim Musikschul-Konzert „Anton Bruckner. Traum und Albtraum“ im Brucknerhaus Linz eine Uraufführung haben werden.
Migration und Volksmusik
Bereits vor zwei Jahren erschien ihr Album „Spinnerin“ (Lotus Records, 20 €), das neue Album heißt „Nachbarin“ (Lotus Records, 20 €). Damit beschreitet sie einen multikulturellen Weg. „Rund ein Viertel meiner Nachbarinnen und Nachbarn haben eine Migrationsbiografie“. Darum hat sie das Genre Volksmusik erweitert und in die Musik Interviews eingebettet, die sie mit Frauen zu Flucht und Rassismus geführt hat – zeitgenössische Volksmusik mit diversen Weltsichten.
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