Sie wirken vielleicht etwas aus der Zeit gefallen und nicht jeder weiß, was eigentlich genau dahintersteckt. Aber die heutigen Ritterorden sind in erster Linie hochaktive, sozialarbeitende Organisationen, die sich für verschiedenste karitative Aktionen einsetzen und auf Mission gehen. Kreuzzüge moderner Ritter werden für sozial Schwache geführt. Mit etwas Romantik, aber ohne Geheimnisse.
Sie wirken immer noch ein wenig geheimnisvoll, die Nachfahren der Kreuzritter, der militärischen Eliteeinheit des Mittelalters. Aber der Kampf der heutigen Ritterorden gilt Menschen in Not und wird ganz offen geführt.
Der Schlag zum Ritter
„Wir machen öffentliche Infoveranstaltungen und bei unseren Festakten kann jeder zusehen“, erklärt Marc Germeshausen vom Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Auch wenn sie keine Brauchtumsgruppe sind, versprühen manche Rituale eine gewisse Ritterromantik - vor allem, wenn der Ritterschlag erfolgt und der Schwur, für Schwache einzustehen, geleistet und der Umhang verliehen wird. Lange filmreif mit dem Schwert, neuerdings hat der Vatikan solchen „Spielen“ aber ein Ende gesetzt, lässt das nun mit dem Bischofsstab durchführen.
In Kärnten sind übrigens die Grabersritter und die Malteser, die sich speziell Alten, Kranken und Flüchtlingen widmen, die einzigen päpstlich anerkannten Orden. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die christliche Minderheit im Heiligen Land auch mit der Errichtung von Infrastruktur zu unterstützen. Bei Rittern des Papstes wird Tugend verlangt, es braucht zudem auch die Bestätigung einer Pfarre.
„Arbeit im Dienst der guten Sache ist heilig“
Ganz so streng ist es bei den nur kirchlich anerkannten Orden nicht. Der Teutonicus Orden hat etwa überwiegend weltliche Mitglieder. „Da ist vom Anwalt bis zum Opernsänger alles dabei“, so Kärnten-Chef Giuseppe Mion. „Arbeit im Dienst der guten Sache ist heilig, wer das Abzeichen nur für eigene Interessen nutzt, fliegt auch schon mal raus.“
Frauen sind mit 3900 Mitgliedern in 105 Orden im Ritterstand in der Mehrheit. Demgegenüber gibt es in Österreich 85 Männerorden mit 1950 Rittern.
Auch der vielfältig karitativ tätige Ferdinandos Orden und der Hubertus Orden, der sich auch dem Tierschutz widmet, sind in Kärnten unter dem Schutz der Kirche. Ebenso wie die Weinritter, die sich dem Fördern der Weinkultur verschrieben haben. Denn: „Nur wo Friede herrscht, wird Wein angebaut“, so die kirchliche Begründung.
„Krone“: Herr Mion, wie sind Sie beim deutschen Teutonicus Ritterorden gelandet?
Guiseppe Mion: Es war beim Eishockey im VIP-Raum durch einen Freund, der beim Teutonicus Orden ist. Sie haben gewusst, dass ich sozial tätig bin und gemeint, ich könnte ein Bindeglied zwischen den Italienischen Rittern und denen in Österreich sein.
Wie ging es dann weiter?
In einer Probezeit wird einem klargemacht, um was es geht und was dahinter steckt - kein Spaß, sondern harte Arbeit, bei der auch halten muss, was ausgemacht wird. Bei der Investitur wird man dann zum Ritter geschlagen, erhält Umhang, Kette, Nadeln.
Kein Schwert?
Nein, es gibt überhaupt nur eines für den ganzen Orden.
Was ist Ihre Aufgabe?
Der Orden beliefert von Deutschland aus, mehrere Länder mit Hilfsmitteln. Wenn etwa eine Lkw-Lieferung nach Villach kommt, nehm ich sie entgegen, schaue, dass alles an die jeweiligen Einrichtungen weitergeleitet wird.
Wird auch Ritterkult gelebt? Wann werden etwa die Umhänge getragen?
Nur bei Messen oder Zusammenkünften. Aber als wir kürzlich Fußball-Dressen in das Antonius Kinderheim gebracht haben, da hatten wir sie an, die Kinder haben gestaunt und geglaubt, der Nikolaus kommt.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.