Gewalt stieg massiv an

Sittenwächter an Schulen: Wien verschärft Tonart

Wien
17.11.2023 14:18

Mit Beginn des Hamas-Terrors in Israel haben die Gewaltexzesse in Wiens Schulen noch einmal an Intensität gewonnen. Doch das Problem geht tiefer. Die Stadt verschärft jetzt die Maßnahmen. 

Österreich ist ein tolerantes Land. Doch das wird mitunter schamlos ausgenutzt. Religiöse und gewaltverherrlichende Ideologien finden immer öfter den Weg in die Klassenzimmer. Besonders angespannt ist die Lage seit dem Hamas-Überfall auf Israel Anfang Oktober. Doch schon vorher drehte sich die Gewaltspirale in den Schulen. 

Zahlen bei Suspendierungen und Anzeigen steigen
Das belegen auch die aktuellen Zahlen (siehe Grafik). Wurden im Schuljahr 2018/2019 noch 334 Suspendierungen ausgesprochen, so waren es im vergangenen Jahr schon 814. Ein Rückgang war natürlich während der Pandemie mit ihren Schulschließungen zu beobachten. Ähnlich bei den Anzeigen in Wiens Schulen: Im Jahr 2021/2022 waren es 139 - trotz Pandemie und Schulschließungen. Im vergangenen Jahr hagelte es bereits 528 Anzeigen in Wiener Schulen.  

(Bild: Krone KREATIV)

Sittenwächter an den Schulen
Seit Monaten weisen Lehrer und Lehrervertreter auf die Missstände hin und appellieren an die Politik. Gewerkschafter Thomas Krebs: „Wir haben vermehrt Schüler, die politisch bzw. religiös extremistische Haltungen in die Schule hineintragen und unsere Wertehaltung sowie den Rechtsstaat ablehnen und verhöhnen.“

Der Extremismus sei laut Krebs vor allem islamisch oder orthodox geprägt. So werden Lehrerinnen und Direktorinnen aufgrund ihres Geschlechts nicht ernst genommen und regelmäßig beleidigt. Selbst ernannte Sittenwächter versuchen, in Schulen eine Parallelautorität zu etablieren, indem sie beispielsweise vehement Gebetsräume einfordern oder das Verhalten sowie die Kleidung vor allem von Mädchen kontrollieren und die Schülerinnen unterschwellig unter Druck setzen.

Zitat Icon

Wir haben vermehrt Schüler, die politisch bzw. religiös extremistische Haltungen in die Schule hineintragen und unsere Wertehaltung sowie den Rechtsstaat ablehnen und verhöhnen.

Thomas Krebs, Vorsitzender des Zentralausschusses der Wiener Landeslehrer und Fraktionsführer der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (fcg)

Stadt verschärft Tonart
Das sehen auch Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) und Bildungsdirektor Heinrich Himmer so. Zusammen haben sie jetzt ein neues Anti-Gewalt-Paket vorgestellt. Wiederkehr: „Es gibt Konflikte an Wiener Schulen. Die Schule muss ein Ort der Sicherheit sein – für Schüler wie auch für die Lehrer.“ Daher werden die Maßnahmen der Stadt jetzt nachgeschärft: Ausgebaut werden etwa Eingreifteams, die in besonders brenzligen Fällen an die Schulen kommen.

Vizebürgermeister Wiederkehr (re.) und Bildungsdirektor Himmer  (Bild: Reinhard Holl)
Vizebürgermeister Wiederkehr (re.) und Bildungsdirektor Himmer 

Weiters soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass auffällig gewordene Jugendliche eigene kleinere Förderklassen besuchen, in denen sie intensiver betreut werden. Auch die Eltern werden in die Pflicht genommen. Diese müssen bei einer Suspendierung zu einem Gespräch kommen. Wird das abgelehnt, wandert der Fall an die Kinder- und Jugendhilfe. Himmer: „Hier endet die Kompetenz der Schule. Und dieser Stelle stehen dadurch auch ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung.“ 

Schutz jüngerer Kinder

Die Einrichtung altershomogener Klassen ist ebenfalls eine Option. Denn mitunter, so erläuterte Bildungsdirektor Heinrich Himmer, würden deutlich ältere, vielleicht mehrfach zurückgestellte Kinder mit jüngeren in einer Klasse sitzen. Das schaffe manchmal Probleme. Verstärkt will man auch gesundheitliche Themen ins Auge fassen. Mitunter seien etwa Erkrankungen wie Diabetes Anlass für auffälliges Verhalten, gab man zu bedenken.

Forderungen an Bundespolitik für Strafmöglichkeiten
Generell sind den Schulen und den Lehrern im Umgang mit gewaltbereiten Schülern oft die Hände gebunden. Daher fordern Stadt Wien und Bildungsdirektion auch mehr Anstrengungen vom Bund. So soll zum Beispiel das Fach Demokratie und Ethik an Volksschulen verpflichtend eingeführt werden. Zudem fordert Wiederkehr auch die Einführung von Verwaltungsstrafen, wenn Eltern ihrer Verantwortung nicht nachkommen. Wiederkehr: „Der Bund muss hier eine entsprechende Rechtsgrundlage schaffen.“ 

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