50 Jahre Münchener Olympia-Attentat: Ein Gast-Kommentar von Ex-„Krone“-Reporter Olaf Brockann, der den Anschlag 1972 live miterlebte.
Ich ging am Morgen des 5. September 1972 im Pressedorf vom Haus Nr. 4 ins Pressezentrum - nichts ahnend vom Terroranschlag, der sich ca. 400 Meter entfernt im olympischen Dorf ereignete. Im Laufe des Morgens sickerten spärliche, widersprüchliche Meldungen durch.
Zunächst war ich bei der Pressekonferenz von Mark Spitz, der tags zuvor seine siebente Goldmedaille gewonnen hatte. Spitz, ein Jude, wurde danach von FBI-Beamten abgeschirmt und zurück in die USA geflogen. Dort bestätigte Olympia-Pressechef Johnny Klein zwar den Terroranschlag, Details gab es nicht. Medienvertreter durften nicht mehr ins olympische Dorf. Ein Kollege kletterte aber einfach über den Zaun. Mit seiner Frau, die um sein Leben zitterte, wartete ich. Man sah, wie der Fahnenplatz geräumt wurde, wo später die Hubschrauber landen sollten. Vom obersten Stock des Pressedorfes konnte man sogar zur Connollystraße 31 schauen, dem Schauplatz des Attentats.
Nachmittags war ich beim Fußballspiel Deutschland - Ungarn. Rund 15 Minuten vor dem Anpfiff wurde das Match verschoben. Die Spiele waren unterbrochen worden. Die Fans verließen schweigend das Stadion.
Zurück im Pressezentrum, erlebte ich im Büro des „Sport-Informations-Dienstes“, für den ich meine ersten Spiele absolvierte, meinen Chef in Panik. „Alle raus! Wir sind als Nächste dran!“ Er warf alle Mitarbeiter, bis auf den engsten Stab, aus Sorge vor einem Attentat auf die Presse, aus dem Büro. Beim Essen erfuhren wir aus dem Radio: „Alle Geiseln befreit!“ Eine fatale Falschmeldung. Erst nach Mitternacht wurden die Ereignisse von Fürstenfeldbruck Gewissheit. Tags darauf wohnte ich der Trauerfeier für die ermordeten Israeli bei. Die Münchner Philharmoniker spielten den Trauermarsch aus Beethovens 3. Sinfonie, dann verkündete Avery Brundage die Fortsetzung der Spiele.
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