01.08.2022 19:25 |

Uni-Job aufgegeben

Kiesenhofer: „Nach Gold in ein Loch gefallen!“

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„Krone“: Anna, wie präsent sind deine Erinnerungen an deinen großen Tag im Sommer 2021?
Anna Kiesenhofer: Sehr - vor allem die Vorbereitungen. Als ich all die Profis, die schon so viel gewonnen haben, im Hotel gesehen habe, war ich sehr schüchtern. Vor dem Rennen habe ich mich noch unter einen Baum gelegt, damit ich nicht sehe, was die anderen machen und ich mich auf mich selbst konzentrieren kann. An das Rennen selbst natürlich auch: Ich hatte wirklich gute Beine, war in Topform, und mir ist alles aufgegangen.

Was hat sich rückblickend durch den sensationellen Erfolg bei dir verändert?
Ich habe meine Stelle als Mathematikerin an der Universität aufgegeben, bin jetzt Profi-Sportlerin. Das wäre sich nicht mehr anders ausgegangen. Ich habe aber auch mehr Mut zur Veränderung gewonnen. Wenn man einmal so aus dem Gleichgewicht gebracht wird, traut man sich in weiterer Folge auch mehr zu.

Was ist gleichgeblieben?
Vieles in meinem Training. Da gab es Zweifel von außen, und der Erfolg in Tokio hat mich somit zusätzlich bestärkt. Ich bin immer noch die gleiche Person - außer dass ich selbstbewusster geworden bin und nicht mehr so viele Probleme mit Interviews habe.

Du wirkst nach außen hin immer sehr gefasst. Wie bringt man dich aus der Ruhe?
Mich stressen viele Dinge mehr, als ich eigentlich will. Ich bin ein Mensch, der gerne Ordnung und einen Plan hat. Wenn das dann nicht aufgeht, muss ich stark dagegen arbeiten, dass ich nicht in Panik gerate.

Du lebst seit vielen Jahren in der Schweiz, deine Verwandten aber in Österreich. Was ist „Heimat“ für dich?
Einen Ort auszuwählen ist schwierig. In der Schweiz ist mein Lebensmittelpunkt. Wenn ich zu meiner Mutter nach Niederösterreich komme, ist es wieder eine andere Art Heimat. Wenn ich sage: ,Ich fahre nach Hause‘, sind sich meine Freunde und Verwandten nicht ganz sicher, wo es für mich hingeht.

Nur ganz wenigen Sportlern wird die Ehre zuteil, einen Olympia-Sieg zu feiern. Welche Ziele setzt man sich, wenn man schon ganz „oben“ ist?
Das habe ich mich auch gefragt. Kurz nach Tokio bin ich schon in ein Loch gefallen. Ich konnte mich nicht für das Training motivieren. Aber Zeit heilt Wunden - und Zeit bringt anscheinend auch die Motivation zurück. Ich war nach Tokio körperlich irrsinnig müde, das war alles extrem stressig für mich. Mit der Ruhe kam dann aber auch die Freude am Radfahren wieder. Mich würde es schon reizen, bei anderen Rennen gute Ergebnisse einzufahren. Wenn ich etwa bei einer Etappe der Vuelta a Espana (Start Anfang September Anm.) am Podium stehen kann. Auch wenn das als nicht so toll gilt wie ein Olympia-Sieg.

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