Mi, 15. August 2018

Besuch bei krone.at

19.05.2011 13:15

Steffen Hofmann im Interview über sein Seuchenjahr

Eine quälende Schambeinentzündung, eine völlig verpfuschte Meisterschaft und jetzt auch noch das vorzeitige Saisonende wegen eines Faserrisses in der Wade - so dicht wie sonst nur die "Wuchtel" klebte Rapid-Kapitän Steffen Hofmann in der Saison 2010/2011 das Pech am Fuß. In der vielleicht schwierigsten Phase seiner Karriere stattete der grün-weiße Fußballgott höchstpersönlich krone.at einen exklusiven Besuch ab, um über sein ganz persönliches Seuchenjahr, den neuen Rapid-Coach Peter Schöttel und das anstehende Wiener Derby zu parlieren.

Im Stile eines ausgefuchsten Strafraum-Stürmers steuert die Dame von der Kantine zielstrebig auf den Rapid-Hero zu, um auf die Schnelle ein Autogramm zu erhaschen. "Kein Problem", sagt Steffen Hofmann. Ein Redakteur bittet, eine Freundin via Handy-Video grüßen zu lassen. "Klar mach' ma das", meint Steffen. Die Augen einer Mitarbeiterin funkeln wie Swarovski-Kristall, als sie ihrem Idol die Hand schütteln darf - Hofmann klinkt sich geschickt in den Smalltalk ein und lässt das Herz des weiblichen Fans noch höherschlagen. Und auch dass die Hausfotografen kaum genug von ihm kriegen, erträgt Steffen Hofmann beim krone.at-Besuch mit der Leichtigkeit eines Kicker-Champions, der niemandem mehr etwas beweisen muss. Dazwischen findet der Rapid-Kapitän auch noch Zeit für ein ausführliches Interview.

krone.at: Verzeihen Sie die uncharmante Einstiegsfrage, aber man ist in der Vorbereitung auf das Interview mit Ihnen immer wieder über den Begriff "Seuchenjahr" gestolpert. Wie zutreffend ist denn diese Beschreibung für Ihre persönliche Saison?
Steffen Hofmann: Ich denke, das trifft's ziemlich genau. Die Saison war sowohl für den Verein als auch für mich selbst sehr schwierig. Ich habe im Herbst mit der Schambeinentzündung zu kämpfen gehabt, und jetzt quält mich auch noch diese Wadenverletzung. Aber wir müssen einfach schauen, dass wir den Rest der Saison gut zu Ende bringen und nächstes Jahr hoffentlich wieder ein gutes Jahr haben.

krone.at: Wie viele Tage, vielleicht sogar nur Stunden, waren Sie denn in dieser Saison überhaupt schmerzfrei?
Hofmann: Der Herbst war eine Katastrophe. Das mit dem Schambein hat schon im Sommer angefangen und ist nie weggegangen. Und im Frühjahr habe ich schon in der Vorbereitung Probleme gehabt, es ist aber immer besser geworden, sodass es gegen Ende der Saison ganz okay war. Dafür hab ich mit den Adduktoren ein bisschen Probleme gehabt. Aber wenn ich so nachdenke – viele schmerzfreie Tage waren es wahrscheinlich nicht.

krone.at: Im Herbst ist sogar über ein Karriereende spekuliert worden. War das tatsächlich ein mögliches Szenario?
Hofmann: Für mich persönlich nicht. Ich habe mich nie mit so negativen Gedanken gequält. Aber bei so einer Schambeinentzündung weiß man halt nie, woher sie kommt, und wann sie wieder weg ist. Jetzt hab ich die Verletzung aber Gott sei Dank überwunden und hoffe, dass sie nicht mehr zurückkommt.

krone.at: Dafür zwickt jetzt schon wieder die Wade. Wie sieht denn im Moment ein typischer Tagesablauf bei Ihnen aus?
Hofmann: Ich habe ja trotzdem Training, auch Reha steht auf dem Programm. Langweilig wird mir also nicht.

krone.at: Die aktuelle sportliche Situation bei Rapid wird den Heilungsprozess vermutlich nicht beschleunigen. Rapid steht in der Tabelle nur auf Platz fünf – spiegelt das das tatsächliche Leistungsvermögen der Mannschaft wider?
Hofmann: Ich denke nicht. Sicher hat es seine Gründe, dass wir auf Platz fünf stehen. Aber ich glaube trotzdem, dass wir Qualität in der Mannschaft haben, diese aber heuer nicht in Ergebnisse umwandeln haben können.

krone.at: Außer Hamdi Salihi hat in der laufenden Saison kein Rapid-Spieler mehr als fünf Tore erzielt. Ist das nicht Indiz für mangelnde Qualität im Offensiv-Spiel?
Hofmann: Das ist sicher ein Ansatzpunkt für die nächste Saison. In der vergangenen Saison gab es drei Spieler, die 17 Tore geschossen haben. Davon sind wir heuer sehr weit entfernt.

krone.at: Wie zufrieden sind Sie – abgesehen von Verletzungen – mit Ihren persönlichen Leistungen in der Saison?
Hofmann: Sicher habe ich schon bessere Jahre gehabt. Im Herbst habe ich mich lange gequält, habe zwar ordentlich gespielt, aber sicher nicht so gut, wie ich es von mir selbst erwartet habe. Und im Frühjahr konnte ich leider die Vorbereitung nicht mitmachen. Und so fehlt leider doch noch einiges, dass ich auf das Niveau komme, auf das ich möchte bzw. wo ich hingehöre.

krone.at: Neo-Trainer Peter Schöttel meinte, es fehlt an einigen Positionen an Schnelligkeit und Dynamik. Stimmen Sie zu? Und welche Positionen könnte er konkret gemeint haben?
Hofmann (lacht): Wenn das der Chef-Trainer sagt, dann ist das einfach so. Ich denke aber auch, dass es augenscheinlich ist, dass wir auf der einen oder anderen Situation einen schnellen Spieler brauchen könnten. Wenn wir so einen bekommen, sind wir auch wieder flexibler in unserem Spiel. Unsere Stürmer sind zwar sehr gut, aber diese Rakete vorne fehlt uns einfach.

krone.at: Apropos Peter Schöttel: Sie kennen Ihn noch als Sportdirektor. Was ist er für ein Typ und was erwarten Sie sich von ihm?
Hofmann: Er ist ein ruhiger, besonnener Typ, der sicher auf die Spieler zugehen wird. Hoffentlich wird er auch ein erfolgreicher Trainer.

krone.at: Wie glücklich sind Sie mit Raimund Hedl als neuem Tormann-Trainer?
Hofmann (lacht): Ich muss mir halt bei Auswärtsspielen einen neuen Zimmerpartner suchen. Aber ansonsten ist das sicher eine Lösung, mit der alle zufrieden sind. Ich bin diesbezüglich guter Dinge, weil der "Mundi" sich viele Gedanken macht bzw. schon gemacht hat.

krone.at: Bei den Trainern ist es bei Rapid in dieser Saison ja mitunter recht turbulent zugegangen. Zoran Barisic hat kurzfristig eine Euphorie ausgelöst, die aber dann genauso schnell, wie sie gekommen ist, wieder verflogen ist. Warum?
Hofmann: Weil die Ergebnisse nicht mehr gepasst haben. Der Knackpunkt war sicher das Salzburg-Spiel. Da haben wir kein schlechtes Spiel gemacht, aber halt keine Tore geschossen. Das ist uns überhaupt zu oft in dieser Saison passiert. Speziell gegen Salzburg haben wir klar dominiert und der erste Schuss der Salzburger war leider gleich drin – auch das ist uns heuer zu oft passiert.

krone.at: Sie haben gerade vor diesem Salzburg-Match, das die Negativ-Serie einleitete, vor übertriebener Euphorie gewarnt – fast, als ob Sie eine Vorahnung gehabt hätten. Hat Rapid in den ersten drei Spielen unter Barisic über die Verhältnisse gespielt?
Hofmann: Nein. Nur haben wir in diesen ersten drei Spielen in der einen oder anderen Situation vielleicht auch mehr Spielglück gehabt. Diese Euphorie, die dann da war, war natürlich auch gefährlich. Man muss schon versuchen, in der Mannschaft eine gewisse Ruhe zu bewahren.

krone.at: Ist Barisic vielleicht auch daran gescheitert, dass er zu gut zu den Spielern war. Es hieß ja, dass er – im Unterschied zu Pacult – eher der Kumpel-Typ war…
Hofmann: Ich denke, dass das ziemlicher Blödsinn ist. Es ist schon so, dass ihn viele Spieler noch als Co-Trainer gekannt haben, und er von einigen Spielern tatsächlich auch ein Freund ist. Aber als Chef-Trainer hat er sich schon sehr geändert (lacht). Seine Art war sicher nicht der Grund, dass wir nicht so erfolgreich waren.

krone.at: Trotzdem: Wie groß war die Umstellung für die Spieler vom "System Pacult" auf das "System Barisic". Man hörte, dass es unter Pacult etwa nie Trainingspläne gab, bei Barisic soll alles koordinierter gewesen sein. War das so?
Hofmann: Ja, das war so. Aber jeder Trainer ist eben anders. Wir waren ja mit Peter Pacult sehr erfolgreich. Also kann nicht alles schlecht gewesen sein.

krone.at: Haben Sie noch Kontakt zu Pacult?
Hofmann: Ja, durchaus.

krone.at: Was erzählt er Ihnen so aus Leipzig?
Hofmann: Wir haben nicht telefoniert, sondern SMS geschrieben. Nach dem ersten Spiel unter Barisic in Innsbruck hat er mir gratuliert. Und jetzt ist er eben in Leipzig.

krone.at: Er will sie doch nicht etwa nach Leipzig lotsen, oder Frage.

krone.at: Am Sonntag steht das Wiener Derby an – mit eigentlich recht schlechten Vorzeichen für Rapid. Sportlich läuft's nicht rund, dazu kommen viele Verletze, auch Sie sind nicht dabei. Was spricht eigentlich für Rapid?
Hofmann: Für uns spricht, dass wir zuhause spielen. Dass wir uns von den Fans positiv verabschieden wollen und müssen. Wir haben heuer die Austria ja schon zweimal geschlagen. Ich hoffe, dass uns das ein drittes Mal gelingt. Wir haben zwar von der Tabelle her nichts mehr zu erreichen. Aber ein Derby ist ein Derby – und es gab noch kein Derby, bei dem ich im Vorfeld auf die Tabelle geschaut habe. Da geht's um mehr.

krone.at: Ist es vielleicht auch eine zusätzliche Motivation, dass man mit einem Sieg die Austria aus dem Titelrennen kicken kann?
Hofmann: Das kommt vielleicht noch ein klein wenig hinzu. Aber: Es ist Derby. Und das muss Motivation genug sein.

krone.at: Wer wird Meister?
Hofmann: Ich denke, dass es Sturm machen wird. Und wenn Sturm umfällt, dann Salzburg.

krone.at: Inwiefern können Sie den Rapid-Fans im Hinblick auf nächste Saison Wiedergutmachung versprechen?
Hofmann: Man sollte den Mund nie zu voll nehmen. Aber ich bin schon fest davon überzeugt, dass wir nächstes Jahr ein gutes bis sehr gutes Jahr haben werden.

krone.at: Mit welcher Platzierung in der End-Tabelle?
Hofmann: Schwer zu sagen. Um Meister zu werden, braucht man auch Glück. Aber unser Ziel ist es schon, ganz vorne zu landen.

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