Impfgegner-Attacke

Demonstranten schütteten Kaffee auf Pflegerin (48)

Oberösterreich
15.12.2021 07:00

Impfgegner attackierten nach einer Demonstration im oberösterreichischen Braunau eine mobile Pflegerin der Volkshilfe. Die 48-Jährige wurde beschimpft und mit Kaffee begossen.

Andrea H. (48) ist Mitarbeiterin der Mobilen Dienste der Volkshilfe in Braunau. Am Sonntagabend war sie gegen 18 Uhr gerade mit einer Klientin am Braunauer Stadtplatz fertig geworden und in Dienstkleidung zu Fuß am Weg zur nächsten.

Mitschuld an Impfpflicht
„Plötzlich ist eine Gruppe von Impfgegnern die Fischergasse heruntergekommen und auf mich zu“, erzählt die 48-Jährige. Einer der jungen Männer begann sofort, die Pflegerin massiv zu beschimpfen, die anderen lachten sie aus. Der Rädelsführer warf H. vor, dass sie, so wie auch Bill Gates, eine Mitschuld an der Einführung der Impfpflicht tragen würde. „Er hat einen Thermobecher voll Kaffee genommen und mir über die Brust geleert“, sagt H., die darüber derart perplex war, dass sie kein Wort herausbrachte. „Ich war überrascht und schockiert – bin dann weitergegangen.“

Der Kaffee hatte ihre Jacke, Hose und das Gesicht beschmutzt. Der Vorfall erschütterte die Pflegefachkraft so sehr, dass Angehörige der darauffolgenden Klientin sie später auf dem Heimweg begleiteten. „Ich hatte vorher keine Angst, im Dunkeln unterwegs zu sein. Das hat sich seit Sonntag geändert“, so die 48-Jährige.

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Ich hoffe sehr, dass diese Attacke ein Einzelfall bleibt. Klar ist aber auch: Bei solchen Vorfällen schalten wir die Polizei ein.

Bernhard Gruber (57), Geschäftsführer der Volkshilfe Oberösterreich

Volkshilfe-Geschäftsführer meldete Attacke der Polizei
„Das ist eine neue Dimension einer Aggression gegenüber einer Mitarbeiterin und stimmt mich ziemlich traurig“, zeigt sich OÖ-Volkshilfe-Geschäftsführer Bernhard Gruber, der den Vorfall auch der Polizei gemeldet hat, betroffen. „Dass jemand attackiert wird, der aufgrund seiner Dienstkleidung als Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich erkennbar und nur unterwegs ist, um zu helfen, ist erschütternd.“

Die aktuelle Situation in den Pflege- und Betreuungsberufen sei fordernd wie selten zuvor. „Die Rahmenbedingungen sind schon schwierig genug. Da darf es nicht sein, dass Mitarbeitern bei der Ausübung ihres Dienstes auch noch Angst eingejagt wird.“

Medizinisches Personal als Zielscheibe
Auch wenn Gruber „hofft, dass das ein Einzelfall bleibt“ - es ist nicht das erste Mal, dass medizinisches Personal Ziel von Impfgegner-Attacken wird. Die Rieder MFG-Gemeinderätin Petra Saleh-Agha bezeichnete etwa Spitalspersonal, das für die Impfung warb, als „Verbrecher“ - sie hat das, wie berichtet, inzwischen öffentlich zurückgezogen. Auch Ärzte, die in Corona-Impfstraßen tätig sind, werden zunehmend Opfer von Verbalattacken. Zudem gibt es derzeit in sozialen Medien den Aufruf zu Stör- und Provokations-Aktionen in oberösterreichischen Impfstraßen.

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