Mi, 15. August 2018

Online-Abzocke

19.04.2011 12:12

Über 10.000 Beschwerden in Österreich in 2010

Mehr als 10.000 Beschwerden österreichischer Online-Konsumenten sind im vergangenen Jahr beim "Internet Ombudsmann" eingegangen. Für die immer noch sehr hohe Zahl der Beschwerden zeichnen überwiegend Internetanbieter aus dem Ausland verantwortlich, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht der heimischen Onlineberatungs- und Streitschlichtungsstelle hervorgeht. Rund drei Viertel aller Beschwerden betrafen vermeintliche "Gratis"-Angebote im Internet.

Insgesamt 10.046 Beschwerdefälle wurden 2010 beim Internet Ombudsmann mit der Bitte um Unterstützung und außergerichtliche Streitschlichtung gemeldet. In 89 Prozent aller Fälle ist dies den Experten des Internet Ombudsmann auch gelungen. Insgesamt löste das Ombudsmann-Team um Projektleiter Bernhard Jungwirth im vergangenen Jahr so Streitfälle im Wert von 828.000 Euro. Mit 131 Euro war die durchschnittliche Schadenshöhe pro Beschwerde im Jahr 2010 etwas höher als im Jahr davor (2009: 107 Euro pro Fall).

Fast 90 Prozent aller gemeldeten Beschwerdefälle sind ausländischen - vor allem deutschen - Anbietern zuzurechnen. Einkäufe bei österreichischen Online-Shops führten zu vergleichsweise wenigen Beschwerden.

"Gratis"-Angebote, Vertragsstreitigkeiten und Lieferprobleme
Auf Rang eins der häufigsten Beschwerdegründe lagen auch 2010 vermeintliche "Gratis"-Angebote, darunter beispielsweise Routenplaner oder Hausaufgaben, die sich jedoch als kostenpflichtig entpuppten. Sie waren für mehr als zwei Drittel (71,6 Prozent) aller Beschwerden verantwortlich. "Gerade bei 'Gratis'-Angeboten, die eine Registrierung mit Name und Adresse erfordern, sollte man misstrauisch sein, denn auch im Internet hat niemand etwas zu verschenken", mahnt Projektleiter Jungwirth.

Probleme rund um Verträge und Vertragsrücktritte (12,3 Prozent), also Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Ausübung des Rücktrittsrechts oder bei der Beendigung von Dienstleistungs-Abos (zum Beispiel bei Partnerbörsen oder E-Mail-Anbietern), waren der zweithäufigste Beschwerdegrund. Dahinter folgen Lieferprobleme (verspätete Lieferung, Lieferverweigerung) mit 6,9 Prozent sowie Probleme rund um Garantie und Gewährleistung mit 2,6 Prozent.

Soziale Netzwerke als neues Problemkind
Auch die Beliebtheit der sozialen Netzwerke geht am Internet Ombudsmann nicht spurlos vorüber. "Neben Verstößen gegen das Markenrecht konnten wir im vergangenen Jahr auch einen Anstieg bei Beschwerden rund um die unberechtigte Veröffentlichung oder Verwendung persönlicher Daten im Internet verzeichnen", so Jungwirth.

GMX hinter Abzock-Seiten auf Platz vier
Die meisten Beschwerden verursachten im vergangenen Jahr die Websites top-of-software.de, outlets.de sowie my-downloads.de. An vierter Stelle - direkt hinter den sogenannten Abzock-Seiten - folgt bereits der Webmail-Anbieter GMX.

Unbeabsichtigte kostenpflichtige Vertragsabschlüsse beim Upgrade des kostenlosen E-Mail-Postfachs von GMX hatten 286 Beschwerden zur Folge. Die Verbraucherschützer des VKI führten Ende 2010 im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz eine Verbandsklage gegen die gesetzwidrigen Klauseln und Praktiken des Webmail-Anbieters, die mit einem Unterlassungsvergleich durch GMX endete.

Eine regelmäßig aktualisierte Watchlist der "schwarzen Schafe" führt der Internet Ombudsmann auf seiner offiziellen Website.

Handy-Apps im Visier der Betrüger
Für heuer rechnet das Ombudsmann-Team mit einem Anstieg bei Beschwerden rund um kostenlose Anwendungen für das Handy, den sogenannten Apps. Eine häufige Masche: Links zu vermeintlich kostenlosen Services werden in Apps integriert. Die als gratis getarnten Angeboten entpuppen sich jedoch im Nachhinein als versteckte Abo-Fallen.

Zahlreiche Beschwerden werden auch rund um sogenannte "In-App-Käufe" erwartet. Bei diesen Apps - meist betrifft es Spiele - können direkt aus dem Programm heraus Käufe getätigt werden, zum Beispiel für virtuelle Währungen oder Spiel-Gegenstände. Bezahlt wird üblicherweise mit Kreditkarte, wobei die Kartendaten bereits beim App-Shop gespeichert sind. Da eine Passwort-Eingabe nicht immer notwendig ist, können In-App-Käufe vor allem dann zum Problem werden, wenn Kinder mit dem Handy der Eltern spielen und den Kauf fälschlicherweise für einen Teil des Spiels halten.

"Ein erster Vorbote für den Trend, dass sich unseriöse Anbieter künftig verstärkt auf Handys konzentrieren, war etwa die Briefkastenfirma 'Apps World Ltd.'. Sie verschickte Anfang des Jahres massenweise ungerechtfertigte Rechnungen und Mahnungen für den Download von Smartphone-Apps. Dutzende Österreicher haben solche Rechnungen erhalten und sich verunsichert an uns gewandt", erklärt Jungwirth.

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