Legende im Interview

Matthäus: Rapid? „Es war eine Schlangengrube“

Am Samstag blickt die ganze Fußball-Welt zum großen deutschen Bundesliga-Klassiker der Bayern in Dortmund (siehe Video oben). Sky überträgt ab 17.30 Uhr live - natürlich mit Lothar Matthäus als TV-Experten. Der Weltfußballer von 1991 und Ex-Trainer von Rapid und Salzburg kennt auch den österreichischen Fußball auswendig, sprach mit der „Krone“über ...

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... Dortmunds Chancen im Titelkampf:
Sie haben mehr Potenzial, als bislang gezeigt. Aber sie haben gelernt, knappe Spiele zu gewinnen. Dortmund ist unsere einzige Hoffnung, dass wer die Bayern ärgern kann. Das Spiel wird in 205 Ländern übertragen, die ganze Welt schaut zu, das wird ein Kracher am Samstag.

… das Duell Haaland gegen Lewandowski:
Für mich ist Lewandowski die Nummer eins auf der Position, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Er ist ein Leader. Haaland kann man noch die Lust am Spiel nehmen, da ist Lewandowski reifer, erfahrener, mehr Teamplayer. Haaland lässt sich zum Beispiel oft allein vor der gelben Wand feiern, anstatt seine Mitspieler mitzunehmen. Aber er ist eine Urgewalt.

… die Lücke, die David Alaba bei den Bayern hinterlassen hat:
Er fehlt nicht nur auf dem Platz, auch in der Kabine. Er war eine Ikone, hatte Führungsqualität. Letztlich hat es wohl zwischenmenschlich mit seinem Management nicht geklappt. Ich verstehe David, er war ablösefrei, wollte seinen Wert honoriert haben. Die Bayern haben ihn aber leichtfertig ziehen lassen, mussten jetzt viel Geld ausgeben, um auf seiner Position Ersatz zu bekommen.

... Marcel Sabitzers Fehlstart bei den Münchnern:
In Leipzig war alles um ihn herum aufgebaut, er war Kapitän, geschätzt. Bei den Bayern ist er einer von vielen, ein Ergänzungsspieler. Aber wenn du auf der Sechser-Position hinter Kimmich und Goretzka antrittst, muss man sich hintenanstellen. Die Zeit muss man ihm geben. Vieles hängt mit dem Selbstvertrauen, dem Kopf zusammen. Jetzt ist er leider verletzt. Er darf nur nicht zweifeln, er ist gut, hat bei den Bayern nichts mehr zu verlieren.

… Österreichs aktuelle Aushängeschilder in der deutschen Bundesliga:
Für mich Lainer und Laimer, sie können mit ihrer Aggressivität und Einstellung auch im Nationalteam den Unterschied ausmachen.

… die Teamchef-Diskussion rund um Franco Foda:
Eine WM-Quali ist kein Selbstläufer, die Leistungsspitze ist eng, sieh dir Italien und Portugal an. Ihr hattet viele Verletzte, da ist nicht nur der Trainer schuld. Es gehört analysiert, auch das Klima zwischen Mannschaft und Teamchef. Gegen Italien hat man gesehen, was möglich ist, aber so eine Leistung kann man nicht immer erwarten. Aber Österreich gehört zu den Top 15 in Europa. Viele Legionäre wecken immer Hoffnungen.

… Salzburgs Chancen im Aufstiegsfinale gegen Sevilla in der Champions League:
Man hat es selbst in der Hand. Mehr kann man von so einer jungen Mannschaft nicht erwarten. Es ist die ausgeglichenste Gruppe, Sevilla und Wolfsburg müssen weiterkommen, sie sollten sich eher Gedanken machen. Salzburg hat keinen Druck.

… das Wiener-Derby unter dem Strich (Flop-6):
Da müssen sich alle an die Nase packen, wurde in den letzten Jahren viele Fehler gemacht. Das stimmt mich traurig, wie es den Traditionsvereinen geht. Die Verbundenheit zu Rapid ist da.

… Austrias Insolvenz-Angst als grün-weißes Deja-vu:
Das war vor 20 Jahren bei Rapid nicht anders. Da hat auch die Bank Austria alles gezahlt, wurde mir sogar in die Aufstellung dreingeredet, durfte ichwegen der Prämien nur die Jungen spielen lassen. Mich wundern Austrias Probleme nicht, die Erwartungen in Wien sind hoch. Dennoch freut es mich, dass ich damals aus der Not die Jungen in eine gute Richtung gebracht habe: Ivanschitz, Payer, Hiden, auch Feldhofer. Drei Jahre später war Rapid dann Meister.

… Rapids Neo-Trainer Ferdinand Feldhofer als Spieler:
Extrem ehrgeizig, ohne Angst in den Zweikämpfen, er hat Verletzungen weggeschüttelt. Er hat sich alles erarbeitet, war ein Spieler, den sich jeder Trainer wünscht. Daher habe ich ihn damals auch als junger Spieler aus Graz geholt.

… zwölf verbrauchte Rapid-Trainer seit 2000:
Ich kann nur von meiner Zeit sprechen. Bei Rapid haben sich viele wichtiger als den Verein oder die Mannschaft genommen. Jeder gegen jeden. Es gab kein Miteinander, war eine Schlangengrube.

Rainer Bortenschlager
Rainer Bortenschlager
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