Skeptiker überzeugen

10 Motivationen für das Impfen

Der Weg aus der Corona-Krise führt über die Steigerung der Impfquote, darüber sind sich Experten einig. Doch braucht es dafür Zwang? Psychologin Dr. Monika Wogrolly: Wie man einer Impfpflicht vielleicht doch entkommen könnte.

„Es geht nur noch über Druck!“ - in dieses Horn stößt Sozialmediziner Prof. Dr. Michael Kunze, wenn es um das leidige Corona-Impfproblem geht: „Diskussionen sind vorbei, es gibt zu viele Unbelehrbare. Darauf hat die Regierung nun mit der Impfpflicht ab Februar reagiert. Wenngleich diese Situation hauptsächlich durch ihr Zaudern entstanden ist. Aber jetzt hilft halt leider nur mehr Konsequenz!“ Prof. Kunze hat jahrzehntelang Erfahrung mit Rauchern, Übergewichtigen usw. gesammelt. Er sieht hier einen klaren Unterschied in der Motivation im Vergleich mit Impfgegnern: „Beim Rauchen oder bei Übergewicht muss man persönlich werden. Krebs zieht nicht mehr“ Unser Experte liefert Beispiele: „Mir hat ein Mann erklärt, er will sich das Rauchen deshalb abgewöhnen, weil sich seine Frau täglich bei ihm über stinkende Vorhänge beschwert. In Bezug auf Übergewicht zählt hauptsächlich die Ästhetik - eine neue Partnerschaft etwa schlägt jedes gesundheitliche Risiko um Längen.“

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Argumente für die Impfung müssen daher zeigen, dass damit die Lebensqualität gesteigert wird.

Prof. Dr. Monika Wogrolly, Psychologin

Bezüglich Corona setzt die Grazer Psychologin Prof. Dr. Monika Wogrolly in erster Linie auf Motivation: „Das menschliche Verhalten wird vom Lustprinzip gesteuert. Argumente für die Impfung müssen daher zeigen, dass damit die Lebensqualität gesteigert wird. Früher dachte man an wirtschaftliche Anreize, heute ist es mehr die Freiheit, nach der man sich sehnt.“ Dr. Wogrolly liefert 10 gute Beweggründe für ein „Ja“ zum Impfschutz:

  • Frei durch Impfung!
    Nach dem (hoffentlich letzten) Lockdown werden Geimpfte wieder relativ frei sein. Im Gegensatz zu all jenen, die eine Impfung sogar jetzt noch verweigern.
  • Sekundärer Gewinn
    Wer höhere Lebensqualität (Lustgewinn!) durch die Impfung erwarten darf, wird den Pikser auch bei ursprünglichen Unlustgefühlen in Kauf nehmen.
  • Plus-Minus-Liste
    Niemand will mittels Panikmache und Zwang für unmündig oder dumm verkauft werden. Daher sollten die Vor- und Nachteile intensiver auf sachliche Art öffentlich transparent gemacht werden. Das Pendel wird bei intelligenten Menschen automatisch klar in Richtung der Vorteile ausschlagen
  • Einheitliche Information
    Statt kollektiver Verunsicherung, wie sie derzeit verbreitet wird, könnte es wahre Wunder wirken, wenn alle Experten an einem Strang ziehen und die Notwendigkeit der Impfung für den Laien verständlich darstellen. Kontraproduktiv wirkt auf jeden Fall, wenn gefühlt alle Augenblicke eine andere Forschermeinung verbreitet wird. Dazu gehört, dass nicht jede mögliche Nebenwirkung in schillernden Farben geschildert wird, obwohl das Risiko letztlich erwiesenermaßen verschwindend gering ist.
  • Angstfreie Kommunikation
    Fachleute sollten anstelle von Panikmache besser auf ein „Wir-Gefühl“ setzen. Konkret: Nicht Wutbürger erzeugen, sondern den sozialen Zusammenhalt in den Vordergrund rücken: Wir sitzen alle in einem Boot!
  • Vielleicht doch keine Impfpflicht, wenn…
    Eine allgemeine Impfpflicht stößt in Österreich vielen sauer auf. Nun kommt es doch zu diesem schlimmsten Szenario. Leider notwendig, um eine noch größere gesundheitliche Katastrophe zu verhindern. Sehr motivierend wäre für Impf-Zauderer jedoch das Versprechen, auf die Impfpflicht zu verzichten. Falls sich genügend Bürger noch rechtzeitig piksen lassen
  • Bessere Aufklärung statt strenge Regeln
    Bei notorischen Impfverweigerern provozieren strengere Regeln eine Rebellion gegen „von oben verordnete Zwänge“. Ablehnung und Trotz helfen der Sache aus Erfahrung nicht. Bessere Aufklärung würde Lockdowns künftig eher verhindern.
  • Wertschätzung ist wichtig!
    Wer für ein positives Verhalten gelobt bzw. belohnt wird, behält dieses sehr gerne bei. In diesem Sinne könnte man die Impfbereitschaft - wie bereits erfolgreich getestet - durch öffentliche Anerkennung, Wertschätzung oder vielleicht sinnvolle Geschenke („Impflotterie“) fördern.
  • Für besseres Image sorgen
    Der Staat sollte sich durchaus mehr bemühen, der Impfung ein besseres Image zu verschaffen, anstatt sie als Bedrohung und Zwangsmaßnahme dastehen zu lassen. Psychologisch erwiesen ist, dass nur Vertrauen zu positiver Haltung führt. Impflust statt Impffrust müsste die Devise sein.
  • Auch an andere denken
    Nicht von ungefähr kommt der letzte Punkt. Bedauerlicherweise sind Menschen gleichsam darauf programmiert, sich selbst als Mittelpunkt zu sehen. Aber vielleicht ist doch Platz für den Gedanken, dass wir mit der Impfung nicht nur uns nützen, sondern auch anderen. Unabhängig davon, ob wir uns gerne impfen lassen oder nicht.
Wolfgang Exel
Wolfgang Exel
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Mittwoch, 01. Dezember 2021
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