15.11.2021 11:18 |

Held von Liverpool

Taxi-Explosion: Fahrer schloss Attentäter ein

Ein Taxifahrer hat offenbar einen verheerenden Selbstmordanschlag in England verhindert: Am Sonntag gegen 11 Uhr (Ortszeit) hielt ein Taxi vor einer Frauenklinik in Liverpool - und explodierte. Der Passagier war ein Selbstmordattentäter und hatte offenbar einen Sprengsatz gezündet. Er starb, nachdem der Fahrer selbst aus dem Wagen gestiegen war und hinter sich die Türen verriegelt hatte. Der Taxifahrer wurde verletzt ins Spital gebracht. Er ist laut Polizeiangaben nicht in Lebensgefahr. Der Vorfall wurde offiziell als Terrorakt eingestuft.

Der Zeitpunkt des mutmaßlich verhinderten Terrorakts ist besonders brisant: Das Taxi explodierte genau zu dem Zeitpunkt, als gerade eine Gedenkminute zum „Remembrance Sunday“, an dem alljährlich der britischen Gefallenen in den beiden Weltkriegen gedacht wird, starten sollte.

Spekulationen, Ziel eines Anschlagsversuchs sei womöglich eine Gedenkveranstaltung gewesen, wollte die Polizei nicht bestätigen. Man sei sich der räumlichen und zeitlichen Nähe zu den Gedenkzeremonien bewusst, aber man könne hier noch keine Verbindung herstellen, so der Polizeisprecher. In diese Richtung werde aber unter anderem auch ermittelt.

Polizei stuft Explosion als terroristischen Vorfall ein
Die Polizei in Liverpool stufte die Explosion als terroristischen Vorfall ein. Das sagte ein Polizeisprecher am Montag. Er bestätigte auch, dass die Detonation von einem Sprengsatz ausgelöst wurde. Es gebe Hinweise, dass der Getötete diesen bei sich getragen habe, so der Sprecher weiter. Zur Identität des Getöteten wollte die Polizei noch keine Angaben machen. Man gehe aber davon aus, zu wissen, um wen es sich gehandelt habe, so der Sprecher.

Es werde davon ausgegangen, dass der Fahrgast den improvisierten Sprengsatz selbst hergestellt habe, so der Sprecher weiter. Unklar sei aber noch, warum er diesen zu der Klinik gebracht habe und warum die Bombe so unvermittelt explodiert sei.

In Zusammenhang mit dem Vorfall wurden drei Männer im Alter von 21 bis 29 Jahren wegen Terrorverdachts festgenommen. In mehreren Teilen der Stadt wurden Wohnungen durchsucht. Auch am Montag waren noch Straßen teilweise abgesperrt, wie britische Medien berichteten. Die Polizei betonte, sie schließe hinsichtlich des Hintergrunds der Explosion nichts aus.

„Katastrophe abgewendet“
Der Fahrer, David Perry, wurde von Liverpools Bürgermeisterin für seine „Heldentat“ geehrt. Er habe es geschafft, „eine Katastrophe abzuwenden, die absolut schrecklich hätte sein können. Der Taxifahrer stieg aus und verriegelte die Türen. Ihm gilt unser Dank“, so Joanne Anderson.

Premierminister Boris Johnson sprach den Betroffenen des „fürchterlichen Vorfalls“ sein Mitgefühl aus. „Ich möchte mich bei den Rettungskräften für ihre schnelle Reaktion und ihre Professionalität sowie bei der Polizei für ihre andauernden Ermittlungen bedanken“, schrieb Johnson auf Twitter. Er berief noch für Montag eine Sitzung des nationalen Sicherheitsrats ein. Die Ermittlungen werden von der Anti-Terror-Einheit geleitet. Berichten zufolge wurde auch der Inlandsgeheimdienst MI5 eingeschaltet.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).