Hormonstörung

Wenn Männer einen Busen bekommen

Weibliches Brustwachstum bei „ihm“ sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Es stellt nämlich nicht nur ein psychisches Problem dar, im schlimmsten Fall kann auch eine Tumorerkrankung dahinterstecken.

Beginnt beim Mann die Brust zu wachsen (Gynäkomastie), ist das keine Krankheit an sich, sondern ein Symptom, das auf viele Ursachen, leider auch ernsthafte wie etwa Brustkrebs, zurückgehen kann. Der harmloseste Grund ist eine Fettansammlung infolge von jahrelangem Übergewicht (unechte Gynäkomastie), die sich trotz Gewichtsreduktion an der Männerbrust zumeist recht hartnäckig hält.

Ungleichgewicht der Hormone
Bei der echten Gynäkomastie liegt hingegen eine krankhafte Vermehrung von Brustdrüsengewebe vor. „Deren Ursache kann auf einer Störung des Hormonhaushalts, also etwa auf einem Ungleichgewicht zwischen Östrogenen und Testosteron, beruhen“, erläutert der Wiener Gynäkologe und Hormonspezialist OA Dr. Anton Niedermayr. Für viele Betroffene ist diese Brustvergrößerung auch ein psychisches Problem. „In jedem Fall sollte eine Schwellung an einer oder beiden Brüsten auch beim Mann medizinisch per genauem Bluttest inklusive Hormonstatus-Bestimmung sowie mittels Mammographie und Ultraschall untersucht werden“, rät Radiologe Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwaighofer vom Diagnosehaus 18 in Wien. „Um Brustkrebs ausschließen zu können, empfehlen wir bei unterschiedlicher Größenzunahme oder bei einseitigen Schwellungen vorsichtshalber auch zu einer Gewebeprobe unter örtlicher Betäubung“, erklärt Dr. Niedermayr.

Anabolika können das Wachstum anregen
Auch die Langzeiteinnahme bestimmter Blutdrucksenker oder Magenschutz-Präparate ist als möglicher Auslöser bekannt. Außerdem gibt es häufig auch „hausgemachte“ Ursachen wie etwa langjähriger Alkohol- oder Drogenkonsum oder die Einnahme von Anabolika zur Förderung des Muskelwachstums. Michael G., Manager im Gesundheitswesen, hatte schon in der Pubertät manchmal Schmerzen in der Brust, die er aber nicht weiter beachtete. Jahre später wurde es dann so schlimm, dass er nicht nur beim Sport, sondern auch bei jeder Berührung Schmerzen hatte. Als der Leidensdruck zu groß war, wandte er sich an seinen praktischen Arzt, der ihn an Dr. Albert Feichter, FA für plastisch, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie und Oberarzt am Evangelischen Krankenhaus Wien, weiterempfahl: „Herr G. hatte eine echte Gynäkomastie mit vier Knoten. Die Optik der weiblich aussehenden Brust störte ihn nicht so sehr wie die Schmerzen, die schon bei leichter Berührung auftraten. Nachdem abgeklärt worden war, dass er an keiner Grunderkrankung litt, blieb nur die Operation, um die Veränderung nachhaltig zu beheben.“

Bei dem Eingriff wurde - an einer diskreten Stelle unter dem Brustwarzen-Vorhof - ein kleiner Schnitt gesetzt und das Drüsengewebe samt einer Reihe von Knötchen entfernt. Danach sollte für die Dauer von etwa sechs Wochen Tag und Nacht ein Kompressionsleibchen getragen werden, um den postoperativen Zustand und auch das Aussehen zu optimieren. 14 Tage ist Ruhigstellung erforderlich. Nach Abheilung der inneren und äußeren Narben kann nach etwa drei bis vier Wochen wieder mit anfangs nicht zu anstrengender sportlicher Aktivität begonnen werden.

Nach der Operation kaum Beschwerden
Außer einem leichten „Zwicken“ hin und wieder hatte Michael G. in der ersten Zeit nach den Eingriffen keine Beschwerden. Das Training im Fitnesscenter nahm er anfangs vorsichtig auf und steigerte sich dann Schritt für Schritt. Seitdem fühlt sich Herr G. „wie erlöst“ und hat keine Schmerzen sowie natürliche Brustschwellung mehr.

Interview auf krone.tv

1. 11. „Brustwachstum bei Männern“ - 17.00 und 19.25 Uhr sowie am 2. 11. um 7.15 Uhr und 12.15 Uhr. OA Dr. Anton Niedermayr, Facharzt für Gynäkologie Geburtshilfe und Brustspezialist, beantwortet im Interview mit Moderatorin Raphaela Scharf Fragen zum Thema.

Karin Rohrer-Schausberger
Karin Rohrer-Schausberger
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Montag, 29. November 2021
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