16.10.2021 16:37 |

Datenschützer besorgt

FacePay: Moskauer Metro startet Gesichtserkennung

In mehr als 240 Moskauer U-Bahn-Stationen können Fahrgäste ab sofort mit einem Blick in eine Kamera bezahlen. Die Moskauer Metro hat den Behörden zufolge den ersten groß angelegten Einsatz eines Bezahlsystems mit Gesichtserkennung gestartet. Datenschützer sind besorgt.

Einem Bericht des britischen „Guardian“ zufolge können Fahrgäste die FacePay genannte Zahlungsoption nutzen, indem sie ihr Foto, ihre Bankkarte und ihre Metrokarte über die offizielle App der Metro mit dem System verknüpfen. „Jetzt können alle Fahrgäste für ihre Fahrten bezahlen, ohne ihr Telefon, ihre Troika (Metro-Karte, Anm.) oder ihre Bankkarte herauszunehmen“, twitterte der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin.

Das Verkehrsministerium erklärte, dass alle FacePay-Informationen verschlüsselt werden. Die Kameras an den ausgewiesenen Drehkreuzen würden nur den biometrischen Schlüssel eines Fahrgastes lesen, auf die in Datenzentren gespeicherten Informationen könnten nur Mitarbeiter des Innenministeriums zugreifen. Das Moskauer Ministerium für Informationstechnologie versicherte außerdem, dass die an das System übermittelten Fotos nicht an die Polizei weitergegeben würden.

Datenschützer besorgt
Datenschützer zeigten sich dennoch besorgt über den zunehmenden Einsatz der Gesichtserkennung in der russischen Metropole. Bereits 2017 hatten die Behörden die rund 170.000 Sicherheitskameras der Stadt mit Gesichtserkennungstechnologie ausgestattet, um Kriminelle auf der Straße zu identifizieren. Aktivisten reichten einige Jahre später eine Klage gegen das Moskauer Technologieministerium ein - in der Hoffnung, die Gerichte davon zu überzeugen, den Einsatz der Technologie zu verbieten.

Ein Moskauer Gericht stellte sich laut „Guardian“ jedoch auf die Seite der Stadt und entschied, dass der Einsatz der Gesichtserkennung nicht gegen die Privatsphäre der Bürger verstößt. Reuters berichtete jedoch Anfang des Jahres, dass diese Kameras auch zur Identifizierung von Demonstranten eingesetzt wurden, die an Kundgebungen teilnahmen.

Autoritäre Tendenzen
Stanislav Shakirov, der Gründer von Roskomsvoboda, einer Gruppe, die sich für den Schutz der digitalen Rechte der Russen einsetzt, sagte in einer Erklärung: „Wir nähern uns autoritären Ländern wie China an, die die Gesichtserkennungstechnologie beherrschen. Die Moskauer Metro ist eine staatliche Einrichtung und alle Daten können in den Händen der Sicherheitsdienste landen.“

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