28.09.2021 15:57 |

Ging gleich Eis essen

„Hallo Welt!“ - Twitter-Häftling entlassen

Anfang August hat ein Twitter-Account mit tiefen Einblicken in den Alltag der Wiener Justizanstalt Josefstadt für Aufsehen gesorgt. In letzter Zeit wurde es still um den angeblichen Häftling, bis er sich Anfang der Woche wieder meldete: „Hallo Welt!“, schrieb der unbekannte Mann. Er gab an, entlassen worden zu sein. Der erste Weg werde ihn in den berühmten Wiener Eissalon Tichy führen. „Wie schön so ein dreckiger, nasser Asphalt sein kann“, kommentierte er ein Straßenfoto, das offenkundig nicht innerhalb von Gefängnismauern aufgenommen wurde.

In seiner Zeit in der Justizanstalt hatte der angebliche Häftling den Tagesablauf beschrieben und dabei nicht an Kritik am Justizsystem gespart. So prangerte der Mann an, dass Zellen teilweise 23 Stunden am Tag geschlossen blieben. Auch bei mehr als 30 Grad in einer Zehn-Mann-Zelle habe er sich nur zweimal in der Woche duschen können. Kritik von ihm gab es auch an der psychologischen Betreuung der Häftlinge. So würden sogar Häftlinge, die „eingewiesen“ wurden, oft jahrelang keine Therapie bekommen.

Die Identität des Mannes gibt weiter Rätsel auf: Im Justizministerium äußerte man den Verdacht, dass es sich um einen ehemaligen Insassen handelt, der von draußen seine Erlebnisse schildert. Im Internet wurde auch spekuliert, dass er ein Justizwachebeamter sein könnte.

Unklarheit herrscht auch darüber, wie er überhaupt twittern konnte. Denn Handys - und Smartphones sowieso - sind hinter Gittern streng verboten. Der Twitter-Häftling schrieb dazu, dass sich viele Insassen illegal ein Handy besorgen würden - auch weil Festnetzgespräche in der Justizanstalt aufgezeichnet würden und sehr teuer seien. Den Behörden war der Account „Inside JA Josefstadt“ jedenfalls bekannt. Bei anschließenden Durchsuchungen der Hafträume wurde kein Mobiltelefon gefunden.

Zahlreiche Twitter-Fans gratulierten dem Mann am Dienstag zur Entlassung. Gleichzeitig regten sie an, dass der nunmehrige Ex-Häftling seine Identität preisgeben könnte. 

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