21.06.2021 19:54 |

Gegen Nordmazedonien

Niederlande fixieren Platz 1 mit lockerem 3:0-Sieg

Kein Spiel für die Geschichtsbücher und kein Spiel für Feinschmecker - doch Nordmazedonien gegen die Niederlande hat sich zum Ausklang von Gruppe C zumindest in die Reihe der spektakuläreren Partien der 16. Fußball-Europameisterschaften eingefügt! Die „Oranje Elftal“ entledigte sich ihrer Pflichtaufgabe gegen den EM-Debütanten in Amsterdam trefferreich mit einem 3:0-Sieg. Freilich: Kein wie auch immer geartetes Ergebnis auf dieser Welt hätte am Weiterkommen der Niederlande und am Aus für Nordmazedonien mehr etwas ändern können. Die EM-Arithmetik hatte vor dem Schlusstag in Gruppe C für beide alles klargemacht …

Wie vorab angekündigt schickte Frank de Boer trotz der nicht mehr sonderlich ausgeprägten Brisanz der Partie keine B-Elf aufs Grün der Johan-Cruyff-Arena - lediglich zwei Wechsel nahm der in den Niederlanden ob seines Vorsichtsdenkens nicht übermäßig beliebte Bondscoach gegenüber dem Duell mit Österreich vor. Donyell Malen und Ryan Gravenberch kamen für Wout Weghorst und Marten de Roon in die Startelf - eine Startelf, die wie bei De Boer üblich, in einem 5-3-2 auflief. Eher einem 6-4-0 glich dagegen ab dem Anpfiff durch den rumänischen Schiri Istvan Kovacs die Formation der Nordmazedonier, zumindest bei Ballbesitz der formell als Auswärtsmannschaft auflaufenden Niederländer.

Generell war früh zu sehen, wie beide Mannschaften die Partie anzulegen gedachten: Die „Elftal“ hatte zumeist den Ball in den eigenen Reihen und drückte die Elf von Trainer Igor Angelovski bisweilen extrem tief in deren Hälfte. Und die Nordmazedonier versuchten bei Ballgewinnen so schnell wie möglich in Richtung Niederlande-Gehäuse zu gelangen. Während sich die ballsicheren und in Sachen Tempo klar im Vorteil agierenden „Oranje“ allerdings ein ums andere Mal am Balkan-Abwehrwall festliefen und lediglich zwei Halbchancen kreieren konnten - durch Gravenberch (2./rechts über das Kreuzeck) und Malen (8./Abseits) - ließen es die Nordmazedonier gleich bei ihrem ersten „Besuch“ vor Gegner-Goalie Marten Stekelenburg klingeln.

1:0 für Nordmazedonien? Weit gefehlt! Denn der Treffer von Ivan Trickovski nach genialer Vorarbeit von Goran Pandev zählte nicht - Abseits! Ein klares Lebenszeichen des Außenseiters, der aber weiterhin vor allem in der Defensive eine Herkulesaufgabe zu verrichten hatte. Immer wieder rissen die „Oranje“-Kicker über die Flanken kleine Lücken auf, in der Mitte gab es aber in der Regel vorerst kein Durchkommen. Und nachdem Memphis Depay (12./Flachschuss aus spitzem Winkel) und Denzel Dumfries (18./Kopfball nach Eckball daneben) nicht wirklich knapp an das 1:0 herangekommen waren, sorgten die Nordmazedonier für das nächste Ausrufezeichen: Nach Pandev-Vorarbeit traf Aleks Trajkovski den rechten Pfosten (22.)!

Die wohl langsam aufkeimende Euphorie bei den Balkan-Kickern und ihren Fans wussten die Niederlande aber schnell zu ersticken: Dank eines blitzsauberen Konters ausgehend von einer Balleroberung Daley Blinds gegen Pandev (Foul?) am eigenen Strafraum! Nach einem Sprint über das halbe Spielfeld bekam Depay nach einem Doppelpass mit Malen das Leder im gegnerischen Strafraum zurück und schob locker zum 1:0 ein (24.). Sieben Minuten später folgte dann beinahe das 2:0 für „Oranje“ - doch nach Querpass von Malen auf Dumfries reagierte der nordmazedonische Keeper Stole Dimitrievski blendend. Danach plätscherte die Partie relativ ereignisarm dem Pausenpfiff entgegen, einmal abgesehen von einem Musliu-Kopfball (41./nach Eckball per Kopf über das „Oranje“-Gehäuse) und zwei Niederlande-Halbchancen durch Depay (43., 45.).

Mit mehr als Halbchancen ging es dann gleich nach Wiederanpfiff weiter - doch während Matthijs de Ligt nach einer Ecke des eingewechselten Steven Berghuis per Kopf noch scheiterte (50./Trickovski rettete für den bereits geschlagenen Dimitrievski) hatte Georginio Wijnaldum eine Minute später mehr Glück: Nach einem Ballverlust Pandevs schaltete die „Elftal“ schnell, viel zu schnell für die Nordmazedonier, um und über Berghuis und Depay kam der Ball zum freistehenden Neo-PSG-Kicker. Und keine fünf Minuten später war der Gouda dann endgültig gegessen: Wiederum war es der Mittelfeld-Mann Wijnaldum, der diesmal nach einem Schussversuch Depays das Glück hatte, den von Dimitrievski nach vorne abgewehrten Ball abstauben zu dürfen (56.).

Und noch einmal knapp fünf Minuten später hätte Wijnaldum das 4:0 nachlegen können (müssen?), doch sein Schuss nach Depay-Zuspiel ging knapp daneben (61.). Kurz darauf hatte der überragende Depay sein Tagwerk zur Zufriedenheit aller „Oranje“-Fans und wohl auch von De Boer erledigt - für ihn kam Wout Weghorst. Der Wolfsburg-Stürmer machte denn auch gleich dort weiter, wo Depay aufgehört hatte: Mit einer gefährlichen Aktion, in seinem Fall einem Kopfball an die Querlatte nach Vorarbeit von Frenkie de Jong (68.). Ebenfalls sein Tagwerk und darüber hinaus seine Länderspiel-Karriere „erledigt“ hatte kurz darauf Nordmazedonien-Star Goran Pandev: Der 37-Jährige wurde für Tihomir Kostadinov ausgewechselt - und durfte durch ein Spalier seiner Teamkameraden und unter großem Applaus von den Rängen zum letzten Mal nach einem Auftritt für Nordmazedonien das Grün verlassen (69.).

Doch wer angesichts des 0:3-Rückstands und des Abgangs von Altstar und Anführer Pandev den endgültigen Zusammenbruch Nordmazedoniens heraufdräuen sah, wurde bald eines Besseren belehrt. Man blieb weiterhin mutig und versuchte weiterhin, die im Vergleich zu den Niederlanden geringere individuelle Qualität mit Mut und Laufbereitschaft auszugleichen - auch wenn das eigene Spiel längst nicht mehr kompakt war wie in Spielhälfte 1. Allerdings: Wie in Spielhälfte 1 kam man noch einmal zu einem Abseitstreffer - Darko Churlinov vom VfB Stuttgart wäre der Torschütze gewesen (72.). Einmal noch hätten die Männer vom Balkan dann ihren Ehrentreffer erzielen können - doch Abwehr-Mann Darko Velkovski köpfelte nach einem Eckball daneben (82.).

Damit hatten beide Teams ihr Pulver verschossen, man ergab sich auf beiden Seiten in das 3:0 für die Niederlande - für die das Turnier weitergeht, während das Abenteuer EURO 2020 für Nordmazedonien nunmehr zu Ende ist ...

Das Ergebnis:
Nordmazedonien - Niederlande 0:3 (0:1)
Amsterdam, Johan Cruyff Arena, 15.227 Zuschauer, SR Kovacs/ROU

Tore: 0:1 (24.) Depay, 0:2 (51.) Wijnaldum, 0:3 (58.) Wijnaldum

Gelbe Karten: S. Ristovski, Musliu, Alioski, Kostadinov bzw. keine

Nordmazedonien: Dimitrievski - S. Ristovski, D. Velkovski, Musliu, Alioski - Bardi (78. Stojanovski), Ademi (78. Nikolov) - Trickovski (56. Churlinov), Elmas, Trajkovski (68. Hasani) - Pandev (69. Kostadinov)
Niederlande: Stekelenburg - Dumfries (46. Berghuis), De Vrij (46. Timber), De Ligt, Blind, Van Aanholt - F. de Jong (79. Gakpo), Wijnaldum, Gravenberch - Depay (66. Weghorst), Malen (66. Promes)

Hannes Maierhofer
Hannes Maierhofer
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