03.05.2021 06:00 |

Suche nach Lösungen

9 Morde: Wie hätte man diese Frauen retten können?

Neun Frauen sind allein in diesem Jahr in Österreich bereits ermordet worden - aus Wut, Hass oder Eifersucht. Nun sucht man nahezu verzweifelt nach Lösungen. Ein ganzes Land fragt sich: Wie hätte man diese Frauen retten können? Denn in den meisten Fällen hatten Behörden davor keine Ahnung, nur ein Verdächtiger war amtsbekannt. Lösungsansätze der Politik.

Krankenschwester Marija hatte sich getrennt - was ihr „Ex“, der verdächtige „Bierwirt“, nicht akzeptieren wollte: Er greift zur Waffe und reißt die Mutter seiner beiden Kinder in der Gemeindebauwohnung in Wien mit einem Kopfschuss aus dem Leben. Der heuer bereits 9. Frauenmord in Österreich. Hochgerechnet wäre demnach zu Jahresende mit 27 weiblichen Opfern zu rechnen. Zum Vergleich: 2020 wurden 31 Frauenmorde gezählt, im traurigen Negativ-Rekord-Jahr 2018 waren es gar 41 Opfer.

Zahlen bislang ohne medienwirksame Polit-Entrüstung
Erschütternde Zahlen, die damals (trotz Aufschreien der Opferstellen) keine medienwirksame „Entrüstung“ innerhalb der Polit-Riege ausgelöst hatten. Anders als heute. Frauenministerin Susanne Raab: „Ich möchte, dass jede betroffene Frau und jedes Mädchen, aber auch ihr Umfeld weiß, dass es einen Weg aus der Gewaltspirale gibt. Sie müssen nicht allein mit der Situation zurechtkommen. Es gibt Hilfe und Unterstützung.“

Dennoch fühlen sich viele betroffene Frauen in Österreich verloren - oder trauen sich nicht, um Hilfe zu bitten. Wie auch die erschütternden Frauenmorde in diesem Jahr belegen: Laut Exekutive sei in „lediglich“ einem der neun Fälle die Polizei im Vorfeld bezüglich etwaiger Bedrohungs-Szenarien alarmiert worden.

Für Nehammer sind gesamtgesellschaftliche Ansätze nötig
„Dies zeigt, dass es gesamtgesellschaftliche Ansätze braucht, um betroffene Frauen zu ermutigen, die Polizei zu verständigen. Aber auch eine Sensibilisierung der gesamten Gesellschaft, um bei Gewalt nicht wegzusehen“, so Innenminister Karl Nehmammer (ÖVP).

„Traurig und wütend“ gaben sich Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein und Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer auf einer extra Sonntagvormittag einberufenen Pressekonferenz (siehe Video oben). Auf der sie eine Kampagne gegen Männergewalt ankündigten …

Chronologie

  • 17. Jänner, Aschbach an der Steyr (OÖ): „Ich hab nichts gemacht, nur meine Frau erstochen“ - so die Aussage eines 73-Jährigen, nachdem er seine im Bett liegende Ehefrau (71) nach jahrelangen Streitereien mit einem Hammer und einem Messer getötet hatte.
  • Selber Tag, Anger bei Weiz (Stmk.): Die 61-jährige Erbin einer großen Möbelfirma wird von ihrem Ehemann per Kopfschuss getötet. Der Täter richtet sich in der Folge selbst.
  • 3. Februar, Wien-Favoriten: Vor einer Asyl-Unterkunft ersticht ein Syrer seine 45-jährige Ehefrau. Sie hatte sich trennen wollen.
  • 23. Februar, Wien-Favoriten: Nach wochenlangen Beziehungsstreitereien sticht ein 29-Jähriger zu und tötet seine Freundin (28).
  • 5. März, Wien-Alsergrund:Rasend vor Eifersucht übergießt ein 47-Jähriger seine „Ex“ in einer Trafik mit Benzin und zündet sie an. Das Opfer (35) stirbt Wochen später im Spital an den massiven Verletzungen.
  • 21. März, Salzburg-Stadt: Im Zuge der Trennung ersticht ein Serbe seine bereits getrennt lebende Noch-Ehefrau (22). Die beiden gemeinsamen Kinder schliefen im Nebenzimmer.
  • 7. April, Graz: Ein Afghane ersticht mit einem Küchenmesser die Gattin und Mutter seiner vier Kinder.
  • 21. April, Neulengbach (NÖ): Mit einem Maurerfäustel reißt ein psychisch kranker Mann seine 64-jährige Partnerin aus dem Leben. Sie hatte keine Chance.
  • 29. April, Wien-Brigittenau: Per Kopfschuss ermordet der berüchtigte „Bierwirt“ Alfred L. in der Gemeindebauwohnung seine trennungswillige „Ex“.

Daten & Fakten

Frauen, die Gewalt erleben, finden Hilfe und jegliche Unterstützung bei:

  • der Frauenhelpline unter der Telefonnummer 0800/222 555 (kostenlos und rund um die Uhr), frauenhelpline.at
  • dem Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter aoef.at
  • der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie auf der Internetseite: interventionsstelle-wien.at
  • Betroffene von Gewalttaten und Verbrechen können sich auch an die Opferschutzorganisation Weißer Ring wenden unter der Telefonnummer 0800/112-112 oder im Internet www.opfernotruf.at
  • Droht akute Gewalt (in welcher Form auch immer) wählen Sie ohne zu zögern den Polizeinotruf unter 133 oder 112.
  • Gehörlose und Hörbehinderte können per SMS an S 0800/133 133 Hilfe rufen.
Klaus Loibnegger
Klaus Loibnegger
Sandra Ramsauer
Sandra Ramsauer
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