02.05.2021 06:00 |

Nach Covid-Erkrankung

Doris Bures: „Es war extrem bedrohlich“

Sie sieht wieder frisch und fröhlich aus. Zudem einige Kilos und eine große Sorge leichter. Kurz vor Ostern war Doris Bures schwer an Covid erkrankt und musste mit beidseitiger Lungenentzündung sogar ins Spital eingeliefert werden. Unglaubliche drei Wochen war sie positiv (Quarantänebescheide gelten normalerweise nur für zwei Wochen). Seit Kurzem arbeitet die Zweite Nationalratspräsidentin wieder.

„Es geht mir bedeutend besser, aber es ist schon so, dass ich immer noch ein wenig erschöpft bin und dass alles etwas länger braucht“, erzählt sie während einer kleinen Runde durch den Burggarten, die sie zu Trainingszwecken drehen muss. Sonst joggt die sportliche Politikerin die Strecke locker im Laufschritt, bewältigt im Urlaub Weitwanderwege und Bergtouren. Jetzt kommen ihr die paar Stufen zum Büro schon vor wie der Großglockner.

Es war ein Samstag im März, als sie informiert wurde, dass sie Kontakt zu einer infizierten Person hatte. „Ich war aber sicher, dass ich mich gar nicht angesteckt haben kann. Es war ja nur ein kurzes Gespräch von vielleicht zehn Minuten in privatem Rahmen unter Einhaltung aller Maßnahmen“, schildert sie immer noch rätselnd. Sie begibt sich in Quarantäne, macht einen PCR-Test und bekommt gleichzeitig mit dem Ergebnis auch schon erste Symptome. Es ist ein Dienstag. Dann geht es Schlag auf Schlag. Binnen kürzester Zeit steigt das Fieber, das sich hartnäckig allen Medikamenten widersetzt, auf 39° C. Dazu rasende Kopfschmerzen. „Ich war richtig benommen und bin nur zwischen Bett und Bad gependelt. Man hat weder Bedürfnis nach Kontakt noch nach Essen“, erzählt die alleine lebende Mutter einer erwachsenen Tochter, die sie kürzlich zum ersten Mal zur Großmutter machte.

Nach zehn Tagen weist sie ihr Internist in die Klinik Favoriten ein, das frühere Kaiser Franz Joseph Spital, wo Christoph Wenisch Vorstand der Infektiologie ist. Sie bekommt Sauerstoff, Infusionen und tagelang nur Menschen in voller Schutzkleidung, mit Masken, Brillen und Handschuhen zu Gesicht. So, wie man es aus Fernseh-Beiträgen kennt. „Es war extrem heimtückisch, beängstigend und bedrohlich. Der Kontrollverlust über den eigenen Körper ist psychisch enorm belastend. Man kann die Art des Verlaufs ja nicht abschätzen“, erzählt die 58-Jährige immer noch bewegt: „Ich hatte die britische Variante und kann nur alle warnen, die meinen, sie seien eh jung und fit. Diese Variante ist hoch aggressiv. Sie schlägt viel heftiger und schneller zu und trifft, wie man ja weiß, auch Jüngere.“

Der erste Spaziergang: von Bankerl zu Bankerl
Am 30. März postet sie dann einen Tulpenstrauß auf Facebook und schreibt: „Wie einigen Medien zu entnehmen war, hat auch mich das Corona-Virus erwischt.“ Sie darf heim und bedankt sich bei ihren Ärzten und Pflegern: „Sie alle leisten großartige Arbeit. Man kann das gar nicht mit Worten ausdrücken.“ Zu Ostern postet sie einen kleinen lila Schokohasen vor ihrer Wohnungstüre: „Der Osterhase hat heuer nur bis zu meiner Türschwelle hoppeln dürfen.“ Man merkt, es geht ihr wieder besser: „Der Ostersonntag war der erste Tag, an dem ich die Wohnung wieder verlassen durfte. Ich habe alles aufgerissen, gelüftet und eine kleine Runde durch die Innenstadt gedreht. Von einem Bankerl zum nächsten“, lacht sie: „Man merkt die Schwäche.“

Der Weg zurück verlangt viel Geduld. Sie absolviert regelmäßige Physiotherapie: Atemtraining zur Kräftigung der Lungen. Das blaue Maskentheater kann sie daher noch weniger verstehen. Sie schüttelt den Kopf: „Es ist schon eigenartig, dass wir nach über einem Jahr überhaupt noch so eine Debatte führen müssen. Ich glaube, wir haben wirklich größere Probleme.“

Diskussionen und unterschiedliche Haltungen prägen aber auch die eigene Partei (siehe auch Video oben): da Parteichefin Rendi-Wagner, die als Infektiologin vor zu raschen Öffnungen warnt. Im Burgenland Rebell Doskozil (vor Weihnachten auch an Covid erkrankt), der den Lockdown lang vor seinem Wiener Kollegen Michael Ludwig für beendet erklärt hat.

Rot gegen Rot bei Corona
Ob diese Zerrissenheit nicht zu Verunsicherung führt und ein schlechtes Bild bei den Menschen abgibt? „Das alles wäre gar nicht möglich, wenn die Regierung selbst verbindliche und einheitliche Grenzwerte und Richtlinien für ganz Österreich erlassen hätte. Der Föderalismus steht einheitlichen Maßnahmen jedenfalls nicht entgegen“, kontert die Rote und schaltet gleich in den Angriffsmodus gegen Türkis-Grün: „Im Übrigen finde ich, dass Michael Ludwig die Krise in Wien ganz hervorragend managt, mit viel Verantwortungsbewusstsein. Genauso wie die Parteichefin, die als Ärztin und Mutter eine wichtige Stimme der Vernunft ist.“ Womit klar ist, auf welcher Seite Doris Bures steht.

Der traditionelle Maiaufmarsch der SPÖ musste auch heuer wieder coronabedingt ins Internet verlegt werden. Eine andere Frage hätten wir aber noch: Hat sie schon eine Entscheidung getroffen, ob sie sich nächstes Jahr zur Wahl als erste Bundespräsidentin stellt? Sie wird resolut: „Ich halte Spekulationen derzeit für absolut unangebracht, solange sich der amtierende Bundespräsident nicht geäußert hat, ob er wieder antritt. Es ist jetzt wirklich nicht die Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.“ Ihren langen Atem hat ihr auch Corona nicht genommen.

Edda Graf
Edda Graf
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