2300 Jobs in Gefahr

MAN-Übernahme abgelehnt: Schließung in Steyr droht

Knalleffekt im MAN-Werk in Steyr! Mehr als 63 Prozent der abgegebenen Stimmen bei der Urabstimmung richteten sich gegen die Übernahme durch Investor Sigi Wolf. Damit droht die Schließung des Werks mit mehr als 2300 Mitarbeitern.

63,9 Prozent der Belegschaft von MAN in Steyr haben gegen eine Übernahme des Werkes zu den bereits bekannten Bedingungen durch Sigi Wolf gestimmt. Die möglicherweise letzte rettende Übernahmechance dürfte damit vom Tisch sein, erste Konsequenz: Die MAN-Zentrale in München hat noch am Donnerstag angekündigt, Schließungspläne des Standortes Steyr „wieder aufzunehmen“. Bereits zuvor war die Standortgarantie bis 2030 aufgekündigt worden und die Schließung des Werks bis 2023 als „einzige Alternative“ beschrieben worden.

„Sehr enttäuscht“
MAN-Personalvorstand und Arbeitsdirektor Martin Rabe erklärte in einer ersten Reaktion: „Wir sind vom Ergebnis wirklich sehr enttäuscht, da wir die angebotene Alternative zur Schließung als einen für alle Beteiligten sehr guten Weg angesehen haben.“ Aus dem Betriebsrat hieß es, das Konzept von Wolf sei zwar schlüssig, die Einschnitte wären aber zu gravierend gewesen. Auch seien in den vergangenen Wochen viele Fragen offen geblieben, die auch Wolf nicht habe beantworten können.

Einsparungen abgelehnt
Wolfs Zukunftskonzept hatte zwar deutliche Einsparungen für den Standort vorgesehen - aber eben auch eine Zukunft. Die groben Eckpunkte hatte der Steirer den Mitarbeitern unter dem Motto „Unser Schritt in die neue Zukunft“ am 26. März im Zuge einer Betriebsversammlung präsentiert. Mehr als 2300 Beschäftigte waren stimmberechtigt, Leasingarbeiter ebenso wie das Stammpersonal.

Deutliche Personalreduktion
Der Personalstand hätte unter Wolf deutlich reduziert werden sollen. Von den derzeit 2289 Beschäftigten sollten in zwei Jahren nur noch 1250 übrig sein, dazu kommen die 166 Lehrlinge. Diese Pläne sind am Mittwochabend von den Mitarbeitern abgelehnt worden. Derzeit zählt die Stammbelegschaft 1845 Mitarbeiter, dazu kommen aktuell 278 Leiharbeiter und die 166 Auszubildenden.

Seit einem Jahr Schließungs-Gerüchte
Im MAN-Werk Steyr werden seit mehr als 100 Jahren Lkw gefertigt. Vor einem Jahr wurden die Schließungspläne der VW-Tochter MAN für den Standort Steyr erstmals medial publik gemacht. Die Maßnahme ist Teil eines konzernweiten Umstrukturierungs- und Sparprogramms, dem Tausende Jobs zum Opfer fallen sollen. War die Belegschaftsvertretung in Steyr anfangs noch optimistisch, dass es „nur“ zu einem Personalabbau kommen werde, war bald klar, dass die Mutter das Werk „zur Disposition“ stellen will.

Barbara Kneidinger
Barbara Kneidinger
Paul Tikal
Paul Tikal
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