18.02.2021 15:03 |

Kinder über Martyrium

Ruinerwold-Familie: Wohl kein Prozess gegen Vater

Im Fall einer über Jahre isolierten Familie auf einem Bauernhof in den Niederlanden soll der hauptverdächtige Vater strafrechtlich nicht verfolgt werden. Gerrit Jan van D. sei nach einem schweren Schlaganfall nicht prozessfähig. Er soll sechs Kinder auf einem Hof in der Provinz Drenthe nahe des Dorfes Ruinerwold jahrelang gefangen gehalten, eine Tochter und einen Sohn mehrfach vergewaltigt haben. Der Niederländer sowie der Österreicher Josef B. waren 2019 festgenommen worden. Nun äußerten sich erstmals vier der Kinder öffentlich über ihr Martyrium.

Die Familie war auf dem abgelegenen Hof beim Dorf Ruinerwold entdeckt worden. Neun Jahren sollen van Ds. Kinder - der Jüngste ist mittlerweile 18 Jahre, der älteste „Ausbrecher“ 26 - ihr Verlies nie verlassen haben (siehe Video oben).

Schwere Vorwürfe gegen Vater
Die Hintergründe des Falles sind noch weitgehend unklar. Nun haben sich jedoch erstmals vier der heute erwachsenen Kinder öffentlich zu Details geäußert und ihren Vater schwer beschuldigt. Er habe Psychoterror ausgeübt, geht aus einer Erklärung der vier hervor, die am Donnerstag vor Gericht in Assen verlesen wurde. Es ist das erste Mal seit Entdeckung der Familie, dass die Kinder selbst zu Wort kamen.

Sohn musste in Hundehütte hausen
Die Kinder des Verdächtigen beschreiben darin, dass sie über Jahre unter schwerem psychischen Druck standen und sich völlig von der Außenwelt fernhalten mussten. Ihr Vater habe den insgesamt neun Kindern „unbeschreibliches Leid“ angetan. Sie hätten tagelang beten müssen, mussten als Strafe stundenlang draußen bleiben - bei jedem Wetter. Ein Sohn musste in einer Hundehütte leben.

Nachbarn sollen nichts gewusst haben. Van D. habe eine Art Natursekte gegründet, soll eine Tochter und einen Sohn mehrfach vergewaltigt haben. Die Mutter war 2004 in Zwolle gestorben.

Dem 68-Jährigen werden auch Geldwäsche und Freiheitsentzug vorgeworfen. Er und Josef B. werden zudem verdächtigt, vor zehn Jahren einen 69-jährigen Mann aus Österreich in dem Ort Meppel für mehrere Monate festgehalten zu haben.

Österreicher weist alle Vorwürfe zurück
Der Österreicher Josef B. hatte den Hof gemietet und die Familie ernährt. Der Mann war als Sonderling bekannt, weist alle Vorwürfe zurück. Er war im Oktober vorläufig freigelassen worden und muss sich zu einem späteren Zeitpunkt verantworten.

Quelle: APA

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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