17.10.2019 06:00 |

„Krone“ hat Einblicke

Familie isoliert: Irre Sekten-Welt von Ruinerwold

Das Haus im niederländischen Ruinerwold: Hier lebte der Österreicher Josef B. zusammen mit einem Vater und dessen sechs mittlerweile erwachsenen Kindern, die offenbar neun Jahre völlig isoliert in einem kleinen Raum hausten. Die „Krone“ ist vor Ort und berichtet über die neuesten Erkenntnisse rund um das Drama.

Gänsehaut. Das löst die unglaubliche Geschichte eines Österreichers und sechs Kindern (ein Mädchen und fünf Buben), die wie Geister in einem kleinen Raum hausten, aus. Er, der 58-Jährige, selbst zweifacher Familienvater, der einst von Oberösterreich in die Niederlande ausgewandert war, lebte offiziell alleine auf dem Anwesen. Die Geschwister abgeschottet und vor der Menschheit versteckt im Untergeschoß des Hauses.

Jan (25) flüchtete aus Verlies
Seit neun Jahren sollen sie - der Jüngste ist mittlerweile 18 Jahre, der älteste „Ausbrecher“ 25 - ihr Verlies nie verlassen haben. Das Drama hat die kleine Ortschaft Ruinerwold ins weltweite Rampenlicht gerückt. Die „Krone“ begab sich auf Spurensuche zu dem beschaulichen Bauernhof ganz am Ende des Dorfes. Ein kleiner Gemüsegarten, Schafe, Hühner, Gänse, eine Ziege und eine Kuh. Ein Ort, wo niemand ein düsteres Geheimnis vermuten würde ...

Josef B. kaufte haufenweise Klopapier
Als „Josef, der Österreicher“ ist der 58-Jährige bekannt gewesen. Unheimlich war er, ein Sonderling, erzählen die Bewohner. Nie habe er Lokale besucht, nie an Festen der Gemeinde teilgenommen. Nie mit Nachbarn gesprochen. Oft stand er mit einem Fernglas auf dem abgeschotteten Grundstück und beobachtete die Gegend. Auffällig: Obwohl Josef B. angeblich allein wohnte, kaufte er haufenweise Klopapier. Die Pacht für das einer Politiker-Ehefrau gehörende Anwesen bezahlte er immer pünktlich. Geld verdiente er als Tischler.

25 Sonderermittler sollen Rätsel klären
Die „Weltuntergangs-Familie“ fiel Anrainern hingegen nie auf. Als die Mutter der Kinder starb, zog der in der Nähe wohnende Vater, mit dem Josef B. den Handwerksbetrieb führte, offenbar mit den sechs Kindern am Hof ein. Als er später einen Schlaganfall erlitt, wurde der Österreicher zum Ersatzpapa und „Guru“ für die Halbwaisen. Die Kinder besuchten keine Schule mehr, verließen nur selten den Raum. Bis sie so fest an das „Ende der Zeiten“ glaubten, dass sie ein Leben in Isolation wählten und sich in einer Fantasiesprache miteinander unterhielten.

Entscheidung über U-Haft am Donnerstag
Aber wer ist dieser mysteriöse Josef B.? Schon als Jugendlicher verfiel er Weltuntergangs-Verschwörungstheorien. Den Kontakt zur eigenen Familie brach er ab, war nicht einmal beim Begräbnis seines Vaters. Die niederländische Staatsanwaltschaft geht jedenfalls dem Verdacht der Freiheitsberaubung und Gefährdung der körperlichen Gesundheit nach. Eine Sonderermittlungs-Gruppe mit 25 Beamten soll nun die Rätsel im Gänsehaut-Krimi klären. Die Entscheidung über die U-Haft fällt am Donnerstag.

Vom Drama in den Niederlanden berichten für die „Kronen Zeitung“:
Martina Prewein, Christoph Gantner, Klaus Loibnegger, Ed Ricker, Stefan Steinkogler, Gregor Brandl, Christoph Budin und Alexander Bischofberger-Mahr

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