03.02.2021 18:59 |

Volles Sortiment offen

Müller-Angestellte: „Einfach ein Wahnsinn“

Prämien für die Mitarbeiter und ein eingeschränktes Sortiment - viele Supermarkt- und Drogerieketten lassen im Lockdown Fairness und Vernunft walten. Doch nicht alle. Die Drogeriemarkt-Kette Müller hat ihr Sortiment nicht reduziert und verkauft weiterhin alles, vom Bastelbedarf über Parfums bis hin zu Spielzeugautos. Entsprechend groß ist daher der Kundenansturm - das Personal ist dafür verzweifelt. Eine Mitarbeiterin aus einer Wiener Filiale hat anonym mit krone.at gesprochen.

Das Arbeitsklima sei sehr angespannt, erzählt die Frau, alle stehen sehr unter Druck. Die Arbeit sei körperlich anstrengend, die Masken müssen durchgehend getragen werden und die Menschen würden immer aggressiver: „Manche Mitarbeiter trauen sich schon nicht mehr, die Kunden an die Maßnahmen zu erinnern, weil sie schon so oft beleidigt wurden. Es ist psychisch sehr anstrengend.“

Anders als im 1. Lockdown
Im ersten Lockdown sei die Situation noch eine andere gewesen, „jetzt kann nach Lust und Laune geshoppt werden“, so die Mitarbeiterin. Denn alle Abteilungen haben geöffnet, und das Sortiment der Drogeriekette ist groß. „Das lädt Kunden natürlich auch dazu ein, gemütlich zu flanieren“, manche kämen sogar täglich, um sich umzusehen. Das sei auch unfair dem Mitbewerb gegenüber. „Und für uns wird es sehr mühsam. Wenn das Geschäft voller Kunden ist, kommen wir nicht einmal zum Einschlichten der Regale. Es ist auf Dauer wirklich sehr belastend.“

Mindestabstand „unmöglich“
Die offiziellen Maßnahmen würden nicht eingehalten, erzählt die Mitarbeiterin. Zehn Quadratmeter pro Kunde? Fehlanzeige. Zwei Meter Mindestabstand seien völlig unmöglich. Zwar sei die Anzahl der Kunden ein paar Tage lang anhand der Einkaufskörbe abgezählt worden, dann allerdings nicht mehr.

„Nicht schön, so zu arbeiten“
Am Black Friday, am 27. November, mitten im Lockdown also, legte die Kette noch einmal nach: Es galt eine 20-Prozent-Aktion auf das gesamte Sortiment. „Ich finde das einfach eine Frechheit. Man hat als eine von den wenigen überhaupt geöffnet, und das mit dem gesamten Sortiment, und das nutzt man aus und macht eine Rabattaktion, die noch zusätzlich Kunden anlockt. Das ist einfach ein Wahnsinn und lässt sich mit den Corona-Maßnahmen und dem Pandemiegesetz überhaupt nicht mehr vereinbaren. Wir haben die Sorge, dass wir uns anstecken. Es ist einfach nicht schön, so zu arbeiten“, so die Mitarbeiterin.

Der Dank für die Arbeit falle eher spärlich aus. „Bei uns gab es überhaupt keine Prämien. Ich habe mitbekommen, dass bei anderen Unternehmen teilweise schon zum dritten Mal eine ausbezahlt wird. Es ist ja jetzt schon der dritte Lockdown. Wenn man unter so einem Druck arbeitet, und dann keinen Dank hat - wenigstens irgendetwas, irgendein kleines Zeichen der Anerkennung - das ist frustrierend und schlimm.“ Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ein Lokalaugenschein von krone.at in einer Müller-Filiale bestätigt: von Haushaltswaren über Nähzubehör bis hin zu Spielzeugautos und Teetassen ist im Lockdown alles verfügbar. Besonders in der Spielzeugabteilung wird in Ruhe flaniert - von Mindestabstand oder Einkaufskörben keine Spur. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen; eine entsprechende Anfrage wurde zwei Wochen lang nicht erwidert.

Damita Pressl
Damita Pressl
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