24.01.2021 17:36 |

„Wahnsinnsleistung“

Heimlicher Sieger Innerhofer bittet Feuz um Gams

Manchmal reicht auch ein vierter Platz, um sich wie ein Sieger zu fühlen. Christof Innerhofer schüttelte am Sonntag den Corona-Kranken ab, fand zurück zum Rennläufer und fuhr sein bestes Ergebnis seit dem achten Rang im Super-G von Val d‘Isere im Dezember ein. „Ich frage Beat, ob er mir für einen Tag die Gams leiht“, sagte der Südtiroler nach seiner „Wahnsinnsleistung“ in der zweiten Streif-Abfahrt, die wie das Rennen am Freitag vom Schweizer Beat Feuz gewonnen wurde.

Drei negative Coronatests müssen die Rennläufer abgeben, um nach einer Infektion wieder zurück in den Skirennsport zu kehren. Innerhofer benötigte noch einen davon, als Dienstagabend das erste Training für den Mittwoch ausgelost wurde. Um aber überhaupt eine Chance auf die Abfahrtsteilnahme in Kitzbühel zu haben, musste er auf der Tafel stehen. In der Mannschaftsführersitzung am Dienstagabend wurde die Sachlage erklärt, der Südtiroler ausgelost.

„Ein, zwei Nationen waren da fast dagegen“
Das dürfte nicht allen gefallen haben. „Ein, zwei Nationen waren da fast dagegen. Ich habe das nicht persönlich genommen, bin dann zu den Leuten hingegangen und habe gesagt, schön dich wieder zu sehen“, berichtete Innerhofer mit einem Augenzwinkern und deutete eine Umarmung an. Seiner Meinung nach zähle er mit den negativen Tests und den Antikörpern zu den Sichersten auf dem Berg.

Zwei Wochen war der 36-jährige Innerhofer in Selbstisolation, ehe er am Montag das ersten negative Testergebnis erzielte. Nach einem Leistungstest am Dienstag sei er am Mittwoch „fix und fertig“ gewesen. Am Donnerstag fuhr er im zweiten und seinem einzigen Streif-Training auf den 39. Rang. In der ersten Abfahrt am Freitag konzentrierte er sich darauf, genug Luft zu bekommen, fuhr eine höhere Hocke, um nicht in eine Notsituation zu kommen (22.).

Da alles gut funktionierte, gewann er die Sicherheit zurück und griff am Sonntag an. „Du musst einfach an dich glauben, auch wenn du weißt, dass es zäh ist. In dem Moment, wo du dich zurückziehst, hast du verloren. Du verlierst die Spannung, die schwierigen Läufe, die dir helfen, die Form zu finden.“ Er habe sich am Tag vor dem Rennen gesagt, dass er kein Corona mehr habe, dass er nicht mehr krank sei, dass er sich wieder als Athlet sehen müsse. „Der vierte Platz ist wie ein Sieg. Und eine große Genugtuung für mich.“

„Hundertmal mehr Angst" vor Corona
Nach der Erkrankung habe er nun „hundertmal mehr Angst“ vor Corona. „Ich habe gesehen, dass es nicht nur eine Grippe ist, es kann einen schon ziemlich erwischen.“ Und die Pandemie werde noch länger andauern. „Als ich daheim war, habe ich eine Doku gesehen. Die Industrieländer haben neunzig Prozent der Impfstoffe blockiert, die armen Länder werden ihn erst 2023 kriegen. Das ist besorgniserregend. Um was geht es? Business oder Gesundheit?“

Als „mental zäh“ beschrieb der Gewinner von sechs Weltcuprennen, drei WM- und zwei Olympiamedaillen die Zeit der Quarantäne: „Mir ist vorgekommen, ich brauche keine Tabletten für den Körper, sondern ich brauche sie für den Kopf. Ich habe die Vorhänge daheim als Gefängnisgitter gesehen.“ Die Tage ohne Ausgang in die Natur („Eine Katastrophe“) vergingen mit Kochen, Essen, Dehnen, in den „Strohhalm reinblasen für die Lunge“, Radfahren, Zusammenräumen und Schlafen.

Die Punkte in der Kitzbühel-Abfahrt seien für ihn extrem wichtig gewesen, in Hinblick auf die Weltmeisterschaften im Februar in Cortina d‘Ampezzo werde er versuchen, noch fitter zu werden. „Für mich ist realistisch, dass die WM stattfinden wird. Aber danach wird es schwierig, dass die uns in den Flieger einsteigen lassen nach Norwegen. Das ist fast undenkbar“, blickt er mit Skepsis auf die weitere Weltcupsaison.

krone Sport
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