29.10.2020 06:00 |

Immer mehr Patienten

Corona-Belastung: In Spitälern wird es schnell eng

Erneut mehr als 3000 neue Corona-Fälle binnen eines Tages, in den Spitälern befinden sich bald mehr Intensivpatienten als im Frühjahr. Ein neuerlicher Lockdown ist von der Auslastung der Krankenhäuser abhängig. Wie sieht die aktuelle Situation in den Bundesländern aus? Ein aktueller „Krone“-Überblick.

Wann ist es so weit, wie lange dürfen die Zahlen noch steigen? Es ist längst zum großen Thema geworden, das neuerliche Herunterfahren des Landes. Noch will keiner aus der Regierungsriege einen konkreten Zeitpunkt nennen. Aber: Die Schlinge zieht sich enger. Noch vor zwei Tagen gab sich Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) im Radiointerview sicher: Man sei noch weit weg von einem zweiten Lockdown. Aber schon da der Nachsatz: „Bei der Dynamik kann sich das schnell ändern.“ Und ja, die Dynamik ist eine rasante: Am Mittwoch gab es 3394 neue Covid-Fälle binnen 24 Stunden - mehr als dreimal so viele wie zum Höchststand Ende März.

224 Intensivbetten belegt
Zwar wird mehr getestet als damals. Allerdings steigt auch die Zahl der stationär behandelten Covid-Patienten. Alleine am Mittwoch gab es zehn Prozent Zuwachs auf den Intensiv- und fast 15 Prozent Plus auf den Normalstationen. Aktuell sind 1345 Menschen mit Corona in Krankenhäusern, über 500 mehr als Anfang April. Zusätzlich sind 224 Intensivbetten belegt - 43 weniger als zum Höchststand im Frühjahr. Binnen eines Monats hat sich die Zahl der Intensivpatienten fast verdreifacht.

Bei 60 bis 70 Prozent Auslastung der Intensivbetten könnte es einen neuerlichen Lockdown geben, erklärte Anschober kürzlich. Gedeckt ist das im Covid-Gesetz: Das ermöglicht Ausgangseinschränkungen oder Betretungsverbote für Geschäfte, öffentliche Verkehrsmittel und Ähnliches, um „einen drohenden Zusammenbruch der medizinischen Versorgung“ zu verhindern.

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Sofern es (...) unerlässlich ist, kann (...) angeordnet werden, dass das Verlassen des privaten Wohnbereichs nur zu bestimmten Zwecken zulässig ist.

Covid-19-Maßnahmengesetz

In den Krankenanstalten der Länder will man genau das trotz exponentiell steigender Zahlen verhindern. Ein erster Schritt ist, nicht notwendige Operationen zu verschieben. In der Steiermark wurde zudem ein Besuchsverbot in Spitälern verhängt, um Ärzte und Pfleger vor einer Ansteckung zu schützen. Im Burgenland muss man ab sofort einen Antigen-Schnelltest machen, ehe man ein Spital betritt.

Neben der Bettenauslastung sorgt die Mediziner vor allem der Mangel an Personal. „Wir haben nicht genügend Internisten, um bei weiterer Eskalation alle Patienten zu betreuen“, warnte zuletzt Richard Greil, Vorstand für Innere Medizin an der Uniklinik Salzburg.

Die Situation in den Bundesländern

  • Oberösterreich: Ärzte schlagen Alarm
    In Oberösterreich könnten schon Anfang November die für Corona reservierten Intensivbetten voll sein. Sorge bereitet die Personalsituation, denn Corona-Intensiv-Patienten brauchen mehr Pflegekräfte aufgrund der hohen Schutzmaßnahmen. „Wir müssen die Personalressourcen gut planen“, so Primar Bernd Lamprecht, Uniklinikum Linz.
  • Salzburg: Covid-Stufenplan
    In Salzburg gibt es einen Stufenplan. Derzeit befinden sich die Landeskliniken auf Stufe 3a: Landesweit sind 84 Normal-Betten von Covid-Patienten belegt. Auf der höchsten Stufe 6 sind landesweit 230 Normalbetten und 45 Intensivbetten für die Covid-Versorgung verfügbar. Auf dieser Stufe würde die Hälfte der nicht notwendigen OPs abgesagt.
  • Kärnten: Betten verdoppelt
    „Noch“ relativ entspannt stellt sich die Lage in Kärnten dar, auch wenn man auch im Süden mit starken Zuwächsen an Infizierten konfrontiert ist. Neun Prozent liegen in Spitälern. Dennoch werden die Betten mehr als verdoppelt: von 120 auf 290. Die Intensivstation hält 40 Einheiten parat; drei davon sind belegt.
  • Wien: Anstieg verzögern
    Die Wiener Intensivbetten für Corona-Kranke sind etwa zur Hälfte, Normalstationen-Betten zu einem Drittel belegt. „Das Ziel muss sein, den Anstieg zu verlangsamen, um die Spitäler nicht zu überlasten“, so der Wiener Gesundheitsverbund. Nicht notwendige Eingriffe sollen nach hinten verschoben werden.
  • Tirol: Weg vom Frühjahr
    „Im Frühjahr hatten wir bis zu 65 Corona-Patienten auf Intensivstationen. Auch damals waren die Krankenanstalten nicht an der Überlastungsgrenze“, so Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Aktuell sind es 19. Dennoch müsse man alles tun, um bei stark steigenden Zahlen eine Überlastung zu verhindern.
  • Vorarlberg: Luft nach oben bei Auslastung
    In den Vorarlberger Spitälern gibt es insgesamt 1900 Betten. 430 davon sind für Covid-Patienten vorgesehen, rund 370 stehen derzeit noch zur Verfügung. „Wir haben noch Möglichkeiten, bevor es eng wird“, sagt Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft. Auch die Situation auf den Intensivstationen sei noch nicht angespannt. Von 51 sind zwölf belegt. „Bei Bedarf könnten wir um weitere 53 Beatmungsplätze aufstocken“, erklärt Fleisch. Der Betrieb laufe derzeit ganz normal.
  • Steiermark: Verbot für Besuche
    In den steirischen Landeskrankenhäusern wurde am Mittwoch ein Besuchsverbot verhängt - ausgenommen sind Geburten und die Begleitung von Kindern und Sterbenden. In den Spitälern liegen derzeit 252 Corona-Patienten (38 von ihnen auf der Intensivstation), insbesondere einige kleinere Standorte gelangen an ihr Limit.
  • Niederösterreich: Grenzen in Sicht
    Noch nicht erreicht, aber in Sicht sind die Kapazitätsgrenzen auch in Niederösterreichs Spitälern. Durch den rasanten Anstieg der Fallzahlen in den vergangenen beiden Wochen ist die Auslastung weit höher als kürzlich noch vermutet. Aktuell werde laut Angaben der Landesgesundheitsagentur noch an regulären Operationsprogrammen festgehalten.
  • Burgenland: OPs verschieben
    Im Burgenland gibt es 52 Intensivbetten, fünf davon sind mit Corona-Patienten belegt. Aber: „Die Lage spitzt sich zu. Daher kann es in nächster Zeit so weit kommen, dass wir planbare Operationen - etwa Hüft-OPs - verschieben müssen, um Kapazitäten für Corona-Patienten zu schaffen“, erklärt KRAGES-Geschäftsführer Hubert Eisl. Ein Betreten der Krankenhäuser für Besucher ist nun nur noch mit einem negativen Antigen-Schnelltest erlaubt.

Teresa Spari, Kronen Zeitung/krone.at

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