20.09.2020 05:00 |

Nur Leistung zählt

Streben nach Erfolg setzt Männer unter Druck

Das Gefühl, immer noch mehr leisten zu müssen, führt gerade bei Männern recht häufig zu Burnout und Depressionen. Der Weg endet dann nicht selten in der Sucht. Daher rechtzeitig professionelle Hilfe suchen.

Erfolgreich, zielstrebig und der Konkurrenz immer um eine Nasenlänge voraus - ob im Sport, Beruf oder Bett: Für viele Vertreter des „starken Geschlechts“ ist Leistungsbereitschaft Teil ihrer Identität. Dann fühlt ER sich als „echter Mann“. „Etwas ,leisten zu müssen‘ scheint oft so verinnerlicht, dass sich der Mann bei einem Scheitern schnell komplett in Frage stellt, unter Schuldgefühlen und Versagensängsten leidet“, erklärt Dr. Marc Nairz-Federspiel. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin hat sich auf Angst- sowie Depressionserkrankungen mit Fokus auf die Behandlung von Männern spezialisiert. Zwar führt genau diese „männliche“ Grundeinstellung oft zu einer beeindruckenden Karriere, permanenter Erfolgsdruck kann aber auch negative Auswirkungen wie Burn-out oder gar schwere Depressionen zur Folge haben. Das eigene Leistungsverständnis verhindert aber die Einsicht, man könnte unter einer psychischen Erkrankung leiden. Statt Hilfe zu suchen neigen Männer dazu, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und versuchen das Problem mittels Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen zu lösen.

Professionelle Hilfe statt „Selbsttherapie“
„Oft kommen schon junge Männer während des Studiums in Kontakt mit Amphetaminen und Medikamenten wie Ritalin oder Modafinil. Das sind Substanzen, die wach, aktiv, leistungsfähig und konzentriert machen“, führt der Experte weiter aus. Wohl erfüllen diese „Hilfsmittel“ auf Anhieb ein vermeintliches Leistungsversprechen, weil sie für ein kurzfristiges „Hoch“ sorgen. Zum „Runterkommen“ am Abend wird dann oft ein Schluck Hochprozentiges oder die Flasche Wein benötigt. Je häufiger sich dieser Kreis schließt, desto höher gerät die Dosis, denn mit der Gewöhnung lässt der ursprünglich erwünschte Kick nach. „Beruht ein vermeintlicher Leistungseinbruch auf einer depressiven Erkrankung, macht die ,Selbsttherapie‘ alles noch schlimmer. Das zugrunde liegende Problem wird durch den Konsum diverser Substanzen überdeckt und typische Symptome verfremdet. Statt zur Erkenntnis führt der Weg oft in die Abhängigkeit“, warnt Dr. Nairz-Federspiel.

Diese Problematik ist nicht so selten, wie man vielleicht annehmen würde. Auch wirken Betroffene keineswegs wie „Junkies“, sondern arbeiten sogar erfolgreich in leitenden Positionen. Aus eigener Kraft finden sie jedoch kaum mehr aus diesem Teufelskreis heraus. Um es nicht so weit kommen zu lassen, rät daher der Experte:. „Wenn Sie das Gefühl haben, nicht mehr genug zu leisten, sprechen Sie mit einem Arzt und nehmen Sie auch fremde Hilfe an.“

Regina Modl, Kronen Zeitung

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