07.09.2020 15:10 |

Morbus Bechterew

„Endlich weiß ich, was mir fehlt“

Rheuma betrifft auch junge Menschen. Oft werden sie aber nicht ernst genommen, und es dauert mitunter sehr lange bis zur Diagnose.

Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis, AS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Achsenskeletts und zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Die genaue Ursache ist nicht bekannt. „Typisch sind Schmerzen in der Wirbelsäule, im Rücken- oder Halsbereich, die vor allem in der 2. Nachthälfte auftreten und bei Bewegung besser werden“, erklärt Prim. Dr. Renata Čop, Fachärztin für Physikalische Medizin, Ärztliche Direktorin am Klinikum Bad Gastein (Sbg.). Wichtige Säulen des Behandlungskonzeptes sind Physio- bzw. manuelle Therapie, regelmäßige Atem- sowie Bewegungsübungen, zur Verhinderung von Wirbelversteifung und Förderung der Mobilität. Auch medikamentöse Therapie spielt eine zentrale Rolle, um gelenkzerstörende Prozesse zu stoppen. „Vielen Patienten helfen entzündungshemmende Antirheumatika oder Glukokortikoide. Bei schwerem Verlauf kommen Biologika (therapeutischer Antiköper) zum Einsatz“, so die Expertin. In der Regel dauert es jedoch sehr lange, bis die Betroffenen wissen, was ihnen fehlt.

Wie bei Christiane P. Seit ihrem 16. Lebensjahr litt sie vor allem unter starken Nackenschmerzen, die Diagnose für ihre Erkrankung erhielt sie allerdings erst drei Jahrzehnte später. „Ich hatte in regelmäßigen Abständen so heftige Schübe, dass ich mich kaum auf den Beinen hielt. Manchmal musste ich den Kopf in beide Händen nehmen, um ihn zu drehen“, berichtet die 53-Jährige. Die Symptome wurden auf Stress durch ihre drei Kinder oder die Psyche geschoben. Aber die dreifache Mutter blieb hartnäckig, suchte schließlich die Rheumaambulanz auf. „Die Diagnose Morbus Bechterew war ein Schock, dann ist mein Kampfgeist erwacht“, so die Tirolerin. Physiotherapie, viel Bewegung, Turnen, Radfahren, Fitnesscenter und gesunde Ernährung stehen seitdem auf dem Programm. Vor allem die jährliche Reha in Bad Gastein und besonders der Heilstollen sind für Frau P. ein wichtiger Teil der Therapie, wie sie betont. Dadurch halten sich die Schmerzen etwa 6-9 Monate in Grenzen.

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Frühzeitige Diagnose und Therapie können die Beschwerden deutlich verbessern und die Krankheit sogar zum Stillstand bringen.

Prim. Dr. Renata Čop, Fachärztin für Physikalische Medizin, Ärztliche Direktorin am Klinikum Bad Gastein (Sbg.)

Auch Alexander W. musste erfahren, dass gerade bei jungen Menschen die Beschwerden, wie starke Kreuzschmerzen, die sich vor allem morgens bemerkbar machen, nicht ernst genommen werden. „Es hat geheißen, das kommt von der Arbeit, vom schweren Heben, es wäre ein Bandscheibenvorfall usw. Meine Hausärztin meinte, ich solle mich nicht so anstellen und hat mir nur Spritzen verabreicht. Aber die Schmerzen kamen immer wieder“, erzählt der 38-jährige Montagetischler. „Schließlich konnte ich nur mit Schmerztabletten aufstehen, und Schwellungen sowie Entzündungen in den Gelenken traten auf.“ 2010 wurde er zum Rheumatologen überwiesen. „Nach Blut- und MR-Untersuchung bekam ich endlich die richtige Diagnose. Meine Wirbel waren aber schon sehr stark entzündet, kurz vorm Verknorpeln“, berichtet der Steirer.

Seit Anfang 2011 erhält der junge Mann eine Injektionsherapie mit Biologika. Dabei wird alle 6 Wochen ein sogenannter Alpha-Blocker gespritzt, der die Entzündungen hemmt. „Nach 1,5 Wochen war ich schmerzfrei. Gelegentlich kommt ein Schub, dann nehme ich eine Schmerztablette, aber das ist selten der Fall.“ Wichtig zur Linderung der Beschwerden ist Bewegung - für Alexander W. kein Problem. „Ich mache gerne Sport, z. B. Tennis, Eishockey, Radfahren. Auch regelmäßige Reha ist geplant.“

Regina Modl, Kronen Zeitung

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