02.09.2020 06:00 |

Weißrussland-Proteste

Mutige Frauen in Weiß gegen Lukaschenko

Die Frauen Weißrusslands sind das Rückgrat der Bürgerbewegung gegen den Langzeit-Präsidenten Alexander Lukaschenko. Furchtlos vor dem Diktator und seinem „Freund“, Russlands Machthaber Wladimir Putin, fordern sie immer lauter Veränderung.

Der 12. August markierte einen Wendepunkt bei den Protesten gegen den weißrussischen Langzeit-Präsidenten. Frauen kleideten sich ganz in Weiß, nahmen Blumensträuße und bildeten eine Kette gegen Lukaschenkos prügelnde Polizei. Auch vergangenen Samstag fand ein Frauenmarsch mit mehreren Tausenden Teilnehmerinnen statt. Am Dienstag rief die Opposition zum Generalstreik auf. Schüler und Studenten schlossen sich an. Das Regime ging hart gegen sie vor.

Auch wenn nicht alle großen Industrieunternehmen teilnehmen, ist es den Organisatoren zufolge der größte Massenstreik in der Geschichte des Landes. Gleichzeitig gab die Demokratiebewegung um Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa die Gründung einer neuen Partei bekannt. „Wesme“ - Auf Deutsch übersetzt soll sie „Miteinander“ heißen. Sie solle den Menschen, die Veränderungen wollten, eine Basis geben, sagte Kolesnikowa. Die 38-Jährige ist eine der wichtigsten Figuren in der Bürgerbewegung gegen Lukaschenko, neben Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo. Die vor allem von einer Gruppe getragen wird: den mutigen Frauen Weißrusslands.

Mehr als 50 Prozent der Einwohner Weißrusslands sind Frauen, sie haben häufiger einen Hochschulabschluss und sind nur halb so oft arbeitslos wie Männer. Dennoch regiert in Weißrussland das Patriarchat. Nicht nur Lukaschenko sieht das so, wenn er sagt, Frauen gehören nicht in die Politik. Lidija Jermoschina, die Vorsitzende des Zentralen Wahlkomitees, sagte, dass Frauen nicht an Politik teilnehmen, sondern zu Hause bleiben und Suppe kochen sollen.

„Wir fordern Neuwahlen ohne Lukaschenko“
„Wie wir sehen, folgen die belarussischen Frauen diesem Aufruf nicht“, sagt Maria Rudz zur „Krone“. Die 29-Jährige ist seit sieben Jahren als Umweltschutz- und Frauenrechtsaktivistin in Minsk tätig, machte ihren Uni-Abschluss in Deutschland. Aktiv gegen Lukaschenko wurde sie nach dem 9. August: „Die Präsidentschaftswahlen am 9. August waren weder frei noch fair. Wir fordern neue Wahlen. Ohne Lukaschenko und mit einem neuen Wahlkomitee. Im Laufe der Proteste wurden 7000 Menschen in ganz Belarus festgenommen. In Haftanstalten wurde sie unmenschlich behandelt und sogar gefoltert. Das ist der nächste wichtige Grund, warum die Menschen auf die Straßen gegangen sind. Wir fordern die Untersuchung aller Fälle von Missbrauch. Alle Verantwortlichen müssen vor Gericht gestellt werden.“

Die unvorstellbare Polizeigewalt habe sogar ehemalige Lukaschenko-Unterstützer gegen ihn aufgebracht. Seit Wochen gehen Hunderttausende auf die Straße. Auch Rudz gehört zu den vielen mutigen Frauen von Weißrussland. Sie fürchtet weder Lukaschenkos Militärpolizei noch einen Einmarsch Putins („Den würde die weißrussische Gesellschaft niemals akzeptieren“) und ist überzeugt: „Belarus wird ein freier Staat werden, der Rücksicht auf die Menschenrechte und Gesetze nimmt und den europäischen Werten treu bleibt.“ Ohne Polizeigewalt. Ohne Patriarchat. Und ohne Lukaschenko.

Clemens Zavarsky, Kronen Zeitung

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