30.03.2020 21:00 |

Lost in Isolation

Die Katze - oder: Die Couch ist eigentlich besetzt

„Katzen sind der Inbegriff des Gleichmuts“, ließ uns Mayim Bialik alias Amy Farrah Fowler in der Serie „The Big Bang Theory“ wissen.

Auf Wienerisch würde man sagen: „Es is ihnen ollas wuascht.“ Nun, diese Beobachtung kann ich teilweise unterschreiben - zumindest solange es nach ihrem Kopf geht und die Besitzer, oder nennen wir sie besser Mitbewohner/Hausangestellte, spuren.

Der Name jenes Stubentigers, der mir und meinem Verlobten ein partielles Wohnrecht zugesteht, lautet „Sammy“. „Sammy“ wurde 2013 von einer Freundin, die damals in Wien Veterinärmedizin studierte, in der Halloween-Nacht als Baby auf der Straße gefunden. Weder Mutter noch Geschwister waren zu sehen - möglicherweise wollte sich jemand des ungewollten Katzennachwuchses entledigen … Natürlich zögerte meine Freundin damals keine Sekunde und packte das gerade einmal handgroße Katzenkind mit den grünen Augen ein.

Wegen privater Veränderungen musste sie aber einige Jahre später einen Platz für die mittlerweile erwachsene Katzendame finden. Und so fand „Sammy“ den Weg zu uns. Mein Verlobter pflegt immer zu sagen, es sei gut, dass wir kein großes Haus oder einen Bauernhof haben - sonst würde ich den wahrscheinlich mit armen Tieren füllen. Stimmt vielleicht.

Aber zurück zu „Sammy“, mit der wir uns seit eineinhalb Jahren die Wohnung teilen, inklusive katzengesichertem Balkon, versteht sich. Normalerweise ist es „Sammy“ gewohnt, „ihre“ Wohnung untertags für sich alleine zu haben. Vergesellschaftungen mit anderen Katzen waren in der Vergangenheit kläglich gescheitert und so bleibt sie Einzelkind - äh, ich meine -katze. Wegen der Corona-Maßnahmen sind allerdings die Zweibeiner jetzt natürlich mehr zu Hause. Und das sorgt für gewisses Konfliktpotential.

Denn wie alle Katzen ist auch „Sammy“ der Meinung, dass unsere 72 Quadratmeter - und ganz besonders die Couch - eigentlich ihr gehören. Unsere verstärkte Präsenz wurde anfangs noch wohlwollend zur Kenntnis genommen. Schließlich müssen die Futterdosen pünktlich geöffnet und die Kuschel- und Spielzeiten eingehalten werden. Aber die Couch … tja, die Couch.

Katzen schlafen zwölf bis 16 Stunden pro Tag, und „Sammy“ bevorzugt dafür leider die Couch gegenüber sämtlichen - teilweise nicht gerade kostengünstig angeschafften - Katzenbettchen, Kuschelhöhlen, Decken und Kissen. Und das führt zu gewissen Kollisionen, wenn der Mann der Meinung ist, er hätte sich nach getaner Hausarbeit ein bisschen Netflix verdient.

„Sammy“ ist aber nicht der „Pfauch-und-Kratz“-Typ - sie beherrscht psychologische Kriegsführung. Eine besetzte Couch wird nämlich dann mit andauerndem, langgezogenen Miauen - zumeist auf menschlicher Kopf- und Ohrhöhe - geahndet, bis der „Besetzer“ entnervt das Handtuch wirft. Auf die wilden Flüche des Mannes (die ich hier jetzt nicht wiedergebe) folgt meistens als Nachsatz nochmal ein „Miau!“. Denn es muss schon klar sein, WER hier das letzte Wort hat.

Beschwichtigungsversuche mit Katzenleckerlis oder Spielzeug helfen manchmal. Aber ich fürchte, dass sich der Konflikt ums Sofa noch weiter verschärfen wird. Der Mann hat nämlich angekündigt, demnächst wieder eine neue Serie anzuschauen. Ich bin gespannt, wie viele Folgen es dauert, bis „Sammy“ die Couch wieder zurückerobert hat …

Lost in isolation: Der Großteil unserer Redaktion befindet sich derzeit zu Hause und muss sich - wie alle im Land - in einem völlig neuen Alltag zurechtfinden. Die Herausforderung, Job, Familie und Privatleben unter einen Hut zu bringen, hat eine neue Dimension erreicht. Unsere Erfahrungen und Gedanken zu dieser neuen Realität wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten: krone.at lost in isolation. Alle Artikel unserer Serie finden Sie hier!

Michaela Braune
Michaela Braune
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Montag, 25. Mai 2020
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