Schlagfertig

Grubinger: Wer den Laden am Laufen hält

Salzburg
22.03.2020 08:00

In diesen Tagen hatte ich etwas mehr Zeit, über die sonntägliche Kolumne nachzudenken. Sollte ich über die überforderte Tiroler Landesregierung schreiben, die wohl aufgrund mächtiger Lobbyinteressen im Kreise der Tiroler Touristiker längst notwendige Maßnahmen unterlassen hatte? Wir bekamen vermutlich vorgeführt, was passiert, wenn Abhängigkeiten zu fatalen Entscheidungen führen.

Oder über manch verantwortungslose Ärzte, die trotz heraufdräuender Krise ausgelassen am Arlberg feierten und somit das derzeit äußerst sensible Gesundheitssystem von innen schwächen?

Über sorglose Studenten, die sogenannte „Corona Partys“ feierten, sich und ihre Mitmenschen in Gefahr brachten, während der Großteil der Bevölkerung bereits diszipliniert zuhause hockte?

Nein, dazu ist bereits soviel gesagt. Diese Kolumne möchte ich jenen widmen, die viel zu oft übersehen werden und jetzt die Heldinnen und Helden in dieser Krise sind. Jene Frauen und Männer, deren Arbeit wir immer als selbstverständlich wahrgenommen haben. Ja, wir wussten, das sind wichtige Jobs - aber die Orden bekamen andere.

Amerikas Präsident Franklin Roosevelt sprach in den 40er Jahren von der „Great Generation“, als er jene jungen Männer, die ihr Leben auf den Schlachtfeldern in Europa und Asien aufs Spiel setzten, besonders hervorheben wollte. Wir entdecken in diesen Tagen auch eine großartige Generation. Jene Frauen und Männer, die ihre eigene Gesundheit in den Spitälern, Pflegeeinrichtungen, Altersheimen, Supermärkten, bei Polizei und Rettung, bei Bundesheer und Müllabfuhr und in vielen anderen wichtigen Berufen einsetzen, um unser Land in Balance zu halten. Jene Pflegerinnen aus Rumänien, Ungarn, der Slowakei und Tschechien, denen wir aus populistischen Gründen die Familienbeihilfe gekürzt haben und um deren zuverlässiges Erscheinen wir in den nächsten Monaten bangen.

Ja, so schnell ändern sich die Zeiten und wir können spüren, wie es ist, von Herzenswärme und Empathie anderer abhängig zu sein. Daran sollten wir denken - auch nach dieser Krise.

Aber natürlich darf es in Zukunft nicht bei warmen Worten des Dankes bleiben. Erinnern wir uns an den ungelösten Arbeitskampf der Pflegerinnen und Pfleger für etwas mehr Freizeit zur eigenen Erholung in ihrem anstrengenden Beruf? Dies wurde noch vor Wochen als haltlose Forderung abgetan.

Wir brauchen in unserem Land einen anderen, einen angemesseneren Leistungsbegriff. Jene, die den Laden Österreich wirklich am Laufen halten, müssen endlich unser aller Wertschätzung erfahren. Nicht nur mit warmen Worten. Schon bei den nächsten Lohnverhandlungen dieser Berufsgruppen sollte „Team Österreich“ geschlossen hinter ihnen stehen.

Es sind andere Fragen zu stellen. Schluss mit theoretischem Geschwafel darüber, was zu tun wäre und welcher Ideologie die neue „Zeitrechnung“ nahestehen könnte. Wir bekommen ohnehin vor Augen geführt, was zählt. Ein ordentliches Sozialsystem, gut ausgerüstete Schulen und anständig bezahlte Lehrkräfte. Menschen, die in den Gesundheitsberufen nicht ausbrennen. Polizistinnen und Polizisten, die wir respektieren und deren Einsatz wir honorieren. Soldatinnen und Soldaten, denen wir als Steuerzahler eine Infrastruktur bereitstellen, die es ihnen möglich macht, ihren Dienst zu tun

Ach, ich könnte noch so viele aufzählen. Aber wenn wir in diesen Tagen genau hinsehen, können wir sie selbst gut erkennen: Die „Corona Veteranen“!

Lassen sie uns bitte niemals vergessen, wer in dieser schwierigen Zeit wirklich für uns da war.

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