09.07.2010 13:37 |

Jetzt ist es offiziell

Ägidius Zsifkovics folgt Paul Iby als Bischof nach

Jetzt ist es fix – Ägidius Zsifkovics (47) ist neuer Bischof der Diözese Eisenstadt. Der derzeitige Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz und Pfarrer von Wulkaprodersdorf folgt in dieser Funktion Paul Iby nach, der seinen Rücktritt aus Altersgründen eingereicht hatte. Das wurde am Freitag zeitgleich im päpstlichen Bulletin sowie bei einer Pressekonferenz im Burgenland bekannt gegeben.

Zsifkovics galt schon länger als Favorit für den Bischofsposten, die Bestellung erfolgte allerdings für viele überraschend schnell. Iby hatte den Wunsch geäußert, dass er bis zum Diözesanjubiläum am 11. November bleiben wolle. Er galt zudem als weltoffen und reformbereit, im Mai hatte er den Pflichtzölibat infrage gestellt und für die Priesterweihe verheirateter Männer plädiert. "Mittelfristig" wäre für Iby auch die Priesterweihe von Frauen möglich.

Darabos: "Zsifkovics tritt in große Fußstapfen"
Erste Zurufe an Zsifkovics, diesen Kurs fortzusetzen, gibt es bereits - auch von politischer Seite. So lobte Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ), selbst burgenländischer Katholik, den abtretenden Bischof als "großen Kirchenmann", der sich als "beharrlicher Reformer" Anerkennung erarbeitet habe. Zsifkovics trete in "große Fußstapfen". Auch wenn er sich der Trennung von Kirche und Staat bewusst sei, plädiere er als gläubiger Katholik dafür, dass "Ägidius Zsifkovics den von Bischof Iby gestarteten wertvollen Dialog zwischen katholischer Kirche, Zivilgesellschaft, Politik und anderen Kirchen fortsetzt".

Zsifkovics bittet Kritiker um eine Chance
Auch in diesem Sinne räumte der neue Bischof am Freitag gleich einmal ein, dass es bei jeder Ernennung "zufriedene und enttäuschte Menschen" gibt: "Ich weiß um die breite Zustimmung von Klerus und Volk zu meiner Bestellung. Ich weiß aber auch um einige Enttäuschte." Gerade diese bat er, ihm eine Chance zu geben. Zum jetzigen Zeitpunkt wollte er noch kein Regierungsprogramm vorlegen, lud jedoch ein, mit ihm "den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe" gemeinsam zu gehen. So wandte er sich auch an alle anderen Konfessionen und Religionsgemeinschaften: "Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit in bewährter pannonischer Art, wo das Gemeinsame vor das Trennende gestellt wird."

Ernennung auch für Iby nicht überraschend
Wohl um kritische Stimmen der letzten Tage zu beruhigen erklärte Iby, dass Zsifkovics‘ Ernennung für ihn gar nicht so überraschend kam: "Meinem Wunsch, die Diözese bis zum Abschluss des Jubiläumsjahres (11. November, Anm.) zu leiten, wurde mit der Begründung nicht entsprochen, dass es besser wäre, die Änderung mit Beginn des neuen Arbeitsjahres (im September, Anm.) durchzuführen. Das habe ich zur Kenntnis genommen." Die Ernennung des neuen Bischofs sei durch "Indiskretion" in die Medien gelangt, noch bevor die Befragung der Bundesregierung abgeschlossen war. Infolgedessen wurde Iby erst nach den Berichten vom Apostolischen Nuntius informiert: "Das war so nicht vorgesehen und vom Nuntius auch nicht gewollt."

Neuer Bischof grüßt Kirchenvolk viersprachig
Die Begrüßung und kurze Statements sprach Zsifkovics, ein Burgenland-Kroate, nicht nur in Deutsch, sondern auch in der Sprache der drei Volksgruppen: Kroatisch, Ungarisch und Romanes. "Ich freue mich sehr, dass mich Papst Benedikt XVI. nach dem im Kirchenrecht vorgesehenen Auswahlverfahren und einer breiten Befragung im Jubiläumsjahr unserer Diözese mit dem heutigen Tag zum dritten Hirten der Diözese Eisenstadt ernannt hat", erklärte Zsifkovics. Bei Iby bedankte er sich für seine "unkomplizierte, offene und sympathische Art". Iby wird noch bis zur Amtseinführung Zsifkovics als Apostolischer Administrator die Diözese leiten.

Der Termin der Bischofsweihe sei für September vorgesehen, bis dahin möchte Zsifkovics, um sich auf die Amtsübernahme vorzubereiten, keine Interviews geben, betonte er. Auch im Anschluss an die Pressekonferenz vor Journalisten wollte er sich nicht etwa zum Thema Zölibat äußern. Wie es dazu kommt, dass er etwa als "konservativ" gilt, könne er sich nicht erklären und bekräftigte: "Ich bin an der Basis, nicht abgehoben." Nach dem Pressegespräch lud Zsifkovics zu einem Gebet in den Martinsdom.

Schönborn begrüßt Ernennung und übt Kritik an Kritikern
Kardinal Christoph Schönborn begrüßte die Ernennung von Zsifkovics zum neuen Bischof der Diözese Eisenstadt und wies gleichzeitig die aufgekommene Kritik an dem bisherigen Wulkaprodersdorfer Pfarrer zurück. Er habe Zsifkovics' Begabung, "Brücken zu bauen", kennen und schätzen gelernt und ihn in all den Jahren als "Mann der Mitte" erlebt, so Schönborn. Mit Zsifkovics habe Österreich wieder einen "slawischen Bischof", dies sei "ein schöner Bezug auf die österreichische Tradition und auf die Zukunft im größeren Europa." Er sei sicher, dass Zsifkovics "nicht nur Brücken über die Grenzen zwischen Nationen, Kulturen, Sprachen schlagen kann, sondern auch zwischen Mentalitäten [...] im kirchlichen Bereich".

Außerdem freue es ihn, dass mit Zsifkovics ein "gestandener Pfarrer" zum Bischof ernannt worden sei. In den vergangenen Tagen habe es "kritische Stimmen" gegeben, räumte Schönborn ein, "harte Worte sind gefallen, die meisten davon haben keinerlei Fundament in der Realität." Mit Entschiedenheit weise er "völlig unqualifizierte Angriffe" zurück, wie sie auch von dem Theologen Paul Zulehner und Helmut Schüller von der Pfarrerinitiative formuliert worden seien - diese hatten im Vorfeld Unmut über den Bestellvorgang um Zsifkovics geäußert. "Solche 'Ferndiagnosen' können das kirchliche Leben nur vergiften", kritisierte Schönborn nun. Er beglückwünsche Zsifkovics und seine künftige Diözese und verbinde diesen Wunsch mit einem herzlichen "Vergelt's Gott" an den scheidenden Diözesanbischof Paul Iby, betonte Schönborn. Beiden wünsche er "Gottes Segen".

Persönliches zum neuen Diözesan-Bischof
Zsifkovics wurde am 16. April 1963 in Güssing geboren, seine Priesterweihe erfolgte durch Bischof Stefan Laszlo am 29. Juni 1987 in Eisenstadt. Das Theologiestudium an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien schloss er ebenfalls in diesem Jahr ab. Die Leitung der Pfarre Wulkaprodersdorf (Bezirk Eisenstadt Umgebung) wurde ihm 1994 als Pfarrmoderator übergeben, 1997 wurde er zum dortigen Pfarrer ernannt. Seit 1. Februar 1999 war der Südburgenländer Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, 2000 wurde er zum päpstlichen Ehrenkaplan (Monsignore) ernannt. Das Land Burgenland würdigte Zsifkovics‘ Wirken im Vorjahr mit dem Großen Ehrenzeichen des Landes.

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