17.11.2019 18:00 |

Zivilschutzalarm

Wetterchaos: Situation, die wir „noch nie hatten“

Einsätze am laufenden Band für die Helfer im Süden und Südwesten Österreichs - sofern es das Wetter überhaupt zulässt. Nach den schweren Regen- und Schneefällen der letzten Tage gibt es immer noch keine Entwarnung für die von den Niederschlägen gebeutelten Regionen. Immer noch ist die Gefahr von Baumbrüchen, Überschwemmungen und Lawinenabgängen enorm. Am Sonntagnachmittag wurden in mehreren Orten Zivilschutzalarm ausgegeben. Auch rief die Tiroler Bildungsdirektion dazu auf, am Montag wieder sämtliche Schulen und Kindergärten in Osttirol geschlossen zu halten. Auch im Kärntner Bezirk Spittal an der Drau hat man sich zu diesem Schritt entschlossen. Indes verfügten erneut Tausende Haushalte in Osttirol über keinen Strom. Für den Stromversorger Tinetz ist es eine Situation, „wie wir sie noch nie hatten“.

Die Gefahr für Schüler am Weg zu Schule wird nicht zuletzt seitens der Bildungsdirektion als derart hoch eingeschätzt, dass sie sich dafür aussprach, am Montag sämtliche Pflichtschulen sowie die mittleren und höheren Schulen in Osttirol geschlossen zu halten. „Aktuell wäre es für die Kinder zu gefährlich, sich im Freien aufzuhalten. Aus Sicherheitsgründen sollten daher auch die Kindergärten geschlossen bleiben“, ergänzte Bezirkshauptfrau Olga Reisner. Die Empfehlung gilt vorerst lediglich für Montag, dann solle die Wettersituation für die weiteren Tage neu bewertet werden, hieß es.

Lawinenabgänge, Friedhof gesperrt
Wie gefährlich sich die Situation im Freien derzeit gestaltet, zeigt auch ein Zwischenfall Sonntagmittag im Prägratener Ortsteil Bobojach: Es kam zu einem Lawinenabgang. Dieser sei jedoch „glimpflich“ verlaufen, berichtete Reisner weiter. „Es wurde niemand verletzt.“ Experten der Wildbach- und Lawinenverbauung hätten den Vorfall bereits analysiert. „Als vorbeugende Vorsichtsmaßnahme werden die 70 Bewohnerinnen und Bewohner von Bobojach vorübergehend im Gemeindezentrum untergebracht“, so Reisner. Auch nahe der Talstation des Stubaier Gletschers gingen Schneemassen ab und erfassten dabei auch einen Kleinbus aus Deutschland. Die betroffene Straße musste in der Folge gesperrt werden, 250 Menschen sitzen fest. Aufgrund der „prekären Wetterlage“ musste Sonntagmittag auch der Städtische Friedhof in Lienz aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.

Denn von einer Wetterentspannung ist man noch weit entfernt, erst am Mittwoch sollen die heftigen Niederschläge endlich vorbei sein. Am Sonntag begann sich auch die Wetterlage in Nordtirol zu verschlechtern, ebenso im südlichen Salzburg. Den ganzen Tag über soll es weiterhin stark regnen und schneien, so die Wetterprognose, mit einer Abschwächung der Niederschläge wird in den Abendstunden gerechnet. Der Montag soll dann im Süden trocken und sogar mit etwas Sonnenschein verlaufen, ehe es in der Nacht auf Dienstag wieder zu regnen und schneien beginnen soll.

Erneut zahlreiche Haushalte ohne Strom
Doch nicht nur für die Einsatzkräfte ist es eine Ausnahmesituation, sondern auch für die Tinetz-Montagekräfte. Seit Freitag kämpfen diese um die Wiederherstellung der elektrischen Versorgung. Nachdem es in der Nacht auf Samstag zu einem Totalausfall der Versorgung in Osttirol gekommen war und auch am Samstag Tausende Haushalte ohne Strom waren, mussten die 90 Montagekräfte am Sonntag einen neuerlichen Rückschlag einstecken, als es wieder zu einer Vielzahl an Stromausfällen kam. Geschuldet war das einmal mehr umstürzenden Bäumen, die auf Leitungen fielen und Seile zum Reißen brachten. Zudem erschwerte der starke Regen- und Schneefall die Reparaturarbeiten und machte diese nur eingeschränkt möglich - denn auch für die Mitarbeiter war die Gefahr vielerorts einfach zu groß.

Mit der Wetterverschlechterung im Norden Tirols setzte man sämtliche verfügbaren Kräfte in Bereitschaft, hieß es. Tinetz sprach von einer Situation, „wie wir sie noch nie hatten“. Sogar aus den benachbarten Bundesländern wurden für die kommenden Tage zusätzliche Montagekräfte hinzugezogen, um den Problemen Herr zu werden.

Extreme Gewitter und Unmengen an Niederschlägen
Indes bangte man auch in Kärnten vor den angekündigten Niederschlägen in Form extrem starker Gewitter und Unmengen an Regen und Schnee. Der Hydrografische Dienst Kärnten rechnete von Sonntag auf Montag mit Spitzenabflüssen an der Gurk und an der Glan, die zu einem fünf- bis zehnjährlichen Hochwasser (HQ 5 - HQ 10) führen könnten. An der Oberen Gurk könnten aber auch Abflüsse über HQ 10 erreicht werden. An der Oberen Drau, der Gail, der Drau mit Gail, der Lieser, den Karawankenbächen und der Lavant sei durch die erwarteten Abflüsse auch ein bis zu fünfjährliches Hochwasser möglich.

Positive Nachrichten gab es jedoch für Lavamünd, die Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen als ursprünglich vorhergesagt. Dennoch liefen die Vorbereitungen für Schutzmaßnahmen auf Hochtouren.

Da die Nacht auf Sonntag zudem ruhiger als befürchtet verlaufen war, gab das den Einsatzkräften die Möglichkeit, sich für die weiteren Einsätze der nächsten Tage zu rüsten. Es heißt jedoch weiter Bangen vor den Ausmaßen der nächsten Wetterfronten.

Schulen im Bezirk Spittal an der Drau bleiben geschlossen
Angesichts der Lawinengefahr, starker Regenfälle und zahlreicher Straßensperren entschloss man sich am Sonntagnachmittag ebenfalls dazu, sämtliche Schulen im Bezirk Spittal an der Drau am Montag geschlossen zu halten. Es gehe die Sicherheit und das Wohlergehen der Schüler vor, sagte Bildungsreferent und Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ). Auch ein Bildungszentrum im Bezirk Hermagor hält am Montag seine Pforten geschlossen. Für die Gemeinde Flattach wurde Zivilschutzalarm verhängt.

„Die Sicherheit und das Wohlergehen der Kinder haben absolute Priorität“, betonte Kaiser. An die Bevölkerung richtete er den Appell, den Anordnungen und Ratschlägen der Behörden und Einsatzkräfte im Interesse der eigenen und der Sicherheit der Kinder Folge zu leisten. Die entsprechende Anordnung sei Sonntagnachmittag von der Bildungsdirektion versendet worden. Sie enthalte auch die Aufforderung, unbedingt Sorge dafür zu tragen, dass jene Kinder, die dennoch in die Schule kommen, betreut werden. In sämtlichen anderen Schulen sind die Schüler entschuldigt, wenn sie ihren Bildungsort nicht gefahrenlos erreichen können. Auch Betreiber von Kindergärten im Bezirk wurde dazu angehalten, ihre Einrichtungen geschlossen zu halten, jedoch für Betreuung jener Kinder Sorge zu tragen, die dennoch in die Einrichtungen gebracht werden.

Häuser in Salzburg evakuiert
Und auch in Salzburg gab es keine Atempause für die zahlreichen Helfer. Aufgrund drohender Murenabgänge wurden vorsorglich mehrere Häuser evakuiert und deren Bewohner in Sicherheit gebracht. Auch waren über hundert Menschen von der Außenwelt abgeschnitten.

Zivilschutzalarm in mehreren Orten ausgegeben
Am Nachmittag wurde zudem für mehrere Salzburger Gemeinden eine Zivilschutzwarnung ausgegeben - aufgrund der anhaltenden Regenfälle. Betroffen von der Warnung waren mehrere Orte im Pongau und Lungau. In Muhr etwa wurden die Bewohner wegen der Muren- und Hochwassersituation dazu angehalten, zu Hause zu bleiben und ihre Wohnhäuser nicht zu verlassen. Bewohner von Gebäuden mit Hanglagen in der Marktgemeinde Bad Hofgastein wurden dazu angehalten, sich in das erste Obergeschoß begeben und sich dort talseitig aufzuhalten. Auch in Großarl und Hüttschlag wurden die Bewohner mit der Zivilschutzwarnung angehalten, sich in die Häuser zu begeben und diese bis auf Weiteres nicht zu verlassen.

Spektakuläre Videos aus Südtirol
Ebenfalls mit Schneemassen zu kämpfen hat man derzeit in Südtirol, von dort erreichen uns spektakuläre Videos. Hohe Schneelasten haben hier Stromleitungen zum Einknicken gebracht, schwere Nassschneelawinen haben sich bis in Ortsstraßen geschoben. 

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