01.11.2019 16:01 |

Im Shoppingrausch

„Schlemmerland“ Schanghai: Manhattan des Ostens

Wolkenkratzer und enge Gassen/Schlemmerland für ganz Mutige/Shoppingrausch von Fälschung bis zum Original ...

Schanghai, das ist zuerst einmal Staunen - der Oooooh- oder Offener-Mund-Effekt. Massen an Menschen, Shops, Verkehrschaos. Klar, 25 Millionen Einwohner, zehn Millionen Touristen, die merkt man. Aber es gibt auch noch die versteckten Ecken dort - das alte China, die Kolonialbauten. Das Manhattan des Ostens ist jedenfalls eine Reise wert. Egal, ob Shopping-Kurztrip oder längerer Urlaub. Und ab Österreich sehr gut erreichbar. In zehn Stunden ist man mit Austrian in einer fremden Welt. Und noch dazu recht preisgünstig. Ab 535 Euro. Flughafen Pudong, ein Gewusel, ein Gedränge, und trotzdem geht’s recht schnell mit der Einreise. Zack, zack, zack, wenn man die Visum-Hürden in der Heimat – die sind für Individualreisende wirklich ein wenig mühsam – hinter sich gebracht hat.

Und dann steht man in der fremden, neuen, faszinierenden Welt. Da kann man am Anfang schon ein bissl überfordert sein. Das China-Klischee – Tempel, Lampions an jedem Hauseck, in der Straßen-Garküche aufgehängte Peking-Ente –, das spielt’s gerade in Schanghai nicht. Denn hier ist man modern, zeitgeistig. Und da sind wir schon bei der Hauptattraktion, der atemberaubenden Skyline. Vor allem zur „Blauen Stunde“, wenn die Dunkelheit hereinbricht, muss man zum „Bund“ (Damm), der gut zwei Kilometer langen Flaniermeile. Das wollen gefühlt die 25 Millionen Einwohner auch – also es kann mitunter ein bissl eng werden.

Trotzdem: Es ist schlicht grandios, dieses Farben- und Lichtspiel, das gibt es in dieser Dimension und Intensität nirgendwo sonst. Und wer’s gerne ein wenig traditioneller mag: An der westlichen Uferfront stehen grandiose Bauten, im neoklassischen Stil und im Jugendstil errichtet. Der Kontrast ist speziell – altes, romantisches Europa, modernes, spektakuläres China. Am besten vereint man diese grandiosen Ausblicke mit einer Schiffsfahrt auf dem Fluss Huangpu – aber unbedingt nächtens ...

Wer’s architektonisch mag, dem sei ein Besuch von Pudong empfohlen, dort steht der Shanghai Tower, mit 500 Metern das höchste Gebäude Chinas. Hier sollte auch das höchste Hotel Schanghais entstehen, schon seit fünf Jahren bastelt man mit österreichischer Beteiligung daran, aber es wird noch ein Zeitl dauern. Besonders auch der „Flaschenöffner“, ein ungewöhnliches Hochhaus mit fashionablem Restaurant ganz oben. Natürlich kocht dort ein Österreicher. Und das meistfotografierte Gebäude steht auch dort. Der Oriental-Pearl-Radio- und TV-Turm. Als wär er aus einem der früheren Star-Trek-Filme von der Leinwand gesprungen.

Yu-Garten ein Muss
Der Yu-Garten gilt als elegantester chinesischer Garten überhaupt, gleich daneben liegt der Yuyuan-Tourist-Markt. Der seit 150 Jahren bestehende Markt wird von imposanten, traditionellen chinesischen Gebäuden und Teehäusern geprägt. Mini-Läden gibt’s in den alten Straßen ebenso wie wunderbare „Dumplings“ (Teigtascherln gefüllt mit allem was es so gibt). Am besten dort, wo geschätzt hundert Chinesen warten, anstellen.

Wenn schon Sightseeing, dann sollte man auch die „French Consession“, ein kleines Stückerl Frankreich, nicht verpassen. Alleen wie in Paris, Cafés. Was hatten die Franzosen in China verloren? Sie gewannen im Opiumkrieg und haben sich diesen Stadtteil quasi unter den Nagel gerissen. Ein Stück weiter, Xintiandi, wunderschön romantisch und stilvoll. Mit kleinen Restaurants und Bars, die sich in diesem engen Gassen-Bezirk angesiedelt haben.

Nächte in den Dachbars
Das Schanghaier Nachtleben spielt sich hauptsächlich in zahllosen Dachterrassen-Bars ab. Doch Obacht, die Preise sind teils geschmalzen. Ein kleines Bier kann schon einmal bis zu 15 Euro kosten. Dafür gibt’s – weil eben Rooftop – atemraubende Aussichten. Die VUE-Bar im Hotel Hyatt on the Bund etwa, da gibt’s sogar einen Whirlpool. Oder die „Cloud 9“-Bar im 87. Stock des Jin-Mao-Towers, die (angeblich) höchstgelegene Bar der Welt. Musik – vor allem Jazz – gibt’s auch. Im traditionsreichen Peace-Hotel etwa spielen ältere Herren Standards. Allerdings, knapp 40 Euro Eintritt sind auch nicht ohne.

Abenteuer Essen
Die wichtigste Sache für Chinesen, noch vor dem Shopping, ist Essen. Gefühlt alle drei Meter gibt’s ein Standl, eine Garküche, ein Klein- oder Großrestaurant. Essen ist ein Abenteuer für Mutige, vom Frosch über den China Hot-Pot (Chinesisches Fondue), bis zu Hühnerfüßen. Seien Sie mutig, lassen Sie sich treiben. Manchmal schmeckt, was so abenteuerlich ausschaut, wirklich gut. Und: Essen ist spottbillig, um zwei Euro kann man gut satt werden.

Achtung, Kaufrausch
Ja, natürlich fährt man nach Schanghai auch um zu shoppen. Um jugendliches Idiom zu gebrauchen: Supercool dort. Es gibt nichts, was es nicht gibt und noch viel mehr. Die Nanjing Road ist – knapp fünf Kilometer lang – die längste Einkaufsstraße der Welt. Was es an Marken gibt auf der Welt, hat auch dort einen Shop. Allerdings, man zahlt dort für Luxuswaren mehr als in Europa. Nur ist’s halt die unglaubliche Fülle, die sprachlos macht. Die Nanjing Road beginnt am „Bund“ und endet am Volkspalast. Dort beginnt dann die West Nanjing Road, in der sich die meisten Luxus-Läden befinden. Der Westteil ist die Schlemmermeile.

Dazu ist Schanghai eine Schneiderstadt. In der Lujiabang Lu399/Ecke Nancang Lu gibt es auf drei Stockwerken einen Stoff- und Schneidermarkt. Spezialität: Kaschmir und Seide. Binnen zwei Tagen werden dort Mäntel aus feinstem Kaschmir (ca. 130 Euro) oder Seidenhemden (20/30 Euro je nach Qualität) angefertigt.

Weltgrösster Fakeshop
Dass in China Markenware kopiert wird, das ist kein Geheimnis. Von Louis Vuitton bis Gucci, von Hermes bis Chanel oder Rolex, RayBan-Brillen, hier gibt’s alles. Zu Spottpreisen. Allerdings ist Handeln angesagt. Die Faustregel: Zuerst etwa zehn Prozent des Erstpreises – also wenn der Händler 100 sagt, dann 10 – dann kann man sich bis 30 Prozent hinaufhangeln. Allerdings: Gute Nerven braucht man auch, alle drei Meter will einen jemand in ein Hinterzimmer zerren.

Der größte dieser Märkte liegt in der U-Bahn-Station „Science and Technology Park“ (Linie 2). Und er hat die Dimensionen eines riesigen Einkaufszentrums. Dort stehen vor dem Eingang sogar „Personal Shopper“. Denen zeigt man am Handy, was man will, und die besorgen – gegen eine kleine Provision – die Ware.

Allerdings, darauf sei mit aller Dringlichkeit hingewiesen, legal ist das nicht. Kleiner Hinweis: Waren bis zu einem Gegenwert von 430 Euro dürfen nach Österreich eingeführt werden. Wer allerdings, sagen wir, mit mehreren Taschen im Gepäck vom Zoll erwischt wird, der wird empfindlich abgestraft.

Wo es was in Schanghai gibt, finden Sie in den englischsprachigen „Yellow Pages“, die gibt’s in jedem Hotel. Einkaufen kann man jeden Tag von 8 bis 21 Uhr. Staatliche Läden schließen meist schon um 18 Uhr.

Dongtai Lu Antikmarkt:
Alte oder künstlich gealterte Keramik, Stickereien, Holzschnitzereien, Jade und Mao-Andenken. Dongtai Lu/Ecke Liuhekou Lu South Xintiandi:

In dem Trendviertel gibt es exklusive Geschäfte mit modernen asiatischen Designerwaren. Vieles ist abgekupfert, manches originär kreativ wie bei Simply Life (Madang Lu 159, Unit 101) oder in der Shanghai Trio Boutique (Taicang Lu 181, Unit 5, Bldg. 1).

Yuyuan-Basar:
In der Chenxiangge Lu und im Kaufhaus Fuyou Lu/Ecke Anren Jie findet man Kitsch und Kram. In der Fangbang Lu geht der Trend hin zu traditionellem Handwerk.

Kaufhäuser:
Große Kaufhäuser gibt es in der Nanjing Lu – etwa Department Store No. 1 (Nr. 830) oder das luxuriöse Plaza 66 (Nanjing Road West), an der Huaihai Lu und am Xujiahui sowie in Pudong (Super Brand Mall, Lujiazui Xilu 168). M 50 – Moganshan Lu

In alten Fabriken und Lagerhäusern am Suzhou Creek haben Künstler Platz und Freiheit zum Experimentieren gefunden. Etwa ShanghART Gallery, die Sie in Bldg. 16. Moganshan Lu 50, Nähe Changhua Lu finden (montags zu).

Taikang Lu:
In der einst heruntergekommenenS traße im Stadtviertel Tianzifang (unbedingt besuchen!) haben Künstler, Galeristen, Modemacher und Designer Quartier bezogen, hier finden sich tolle Läden, Kneipen und Cafés.

Kleider, Schuhe, Stoffe, Trendige Mode gibt es in den Boutiquen rund um die Huaihai Lu: in der Xinle Lu, Shaanxi Nanlu, Maoming Lu und Changle Lu. Junges Fashiondesign sieht man in der Jinxian Lu, z. B. bei Qin Hao (Nr. 158) oder Heyan (Nr. 191, Raum 101).

Kleidermarkt:
Gefälschte Designerkleidung, Lederwaren und Uhren werden unterm Tisch verkauft. Viel los am Wochenende. Kaufhaus Nanjing Xilu 580, Kaufhaus Jinhui Lu 461, Nähe Wuzhong Lu sowie der unterirdische Markt an der Metrostation Science and Technology Museum.

Shanghai Tang:
Edle, wunderschöne Kleidung und Wohndesign, teuer! Maoming Nanlu 59, Taicang Lu Lane 181 Nr. 15, Xintiandi

Perlen & Jade: Jade und Perlen werden im Yuyuan-Basar angeboten, etwa im riesigen Schmuckkaufhaus in der Fuyou Lu 288.

Letzter Tipp: Meiden Sie, wenn Sie eine Reise nach Schanghai planen, die erste Oktoberwoche – da sind Herbstferien, und da geht dann gar nix mehr. Straßen von Polizei und Militär gesperrt, die Metro brechend voll.

Gerhard Felbinger, Kronen Zeitung

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