04.10.2019 19:07 |

Wie bei Fieber

So bereitet sich Ketema auf den Hitze-Marathon vor

Für Österreichs Marathon-Mann Lemawork Ketema steht in der Nacht auf Sonntag bei der WM in Doha ein Lauf durch die Hölle bevor. Das Rennen über die 42,195 km wird wegen der brutalen Hitze von rund 33 Grad und einer extremen Luftfeuchtigkeit von circa 75 Prozent zwar erst kurz vor Mitternacht gestartet. „Ich habe großen Respekt davor. Das wird mein härtester Marathon meines Lebens!“ Er sagt aber auch: „Alles ist möglich. Top 10 oder sogar Top 3.“

Er sprüht eben immer vor Optimismus und Selbstbewusstsein. Auch bei der EM in Berlin 2018 war er lange ganz vorne dabei, wurde großartiger Achter. Der gebürtige Äthiopier kommt mit der Hitze halt super zurecht. „Nur die Luftfeuchtigkeit ist zu extrem.“ Wie bei den beiden Testläufen über 10 km hier in Doha. Jeweils zu Mitternacht. Ein Video von Trainer Harald Fritz zeigt, wie Ketema nach dem Testlauf Liter von Wasser aus dem Leiberl wringt. Die Körpertemperatur betrug vor dem Test 36,5 - danach 38 Grad. Leichtes Fieber. Einfach ein blanker Wahnsinn.

Wie Fieber
Alles wird getan, um die Körpertemperatur möglichst niedrig zu halten. Bis zum Rennen trägt Lemawork Ketema Kühlwesten, während des Laufes erhält er alle 3,5 km an der Verpflegestation nicht nur Wasser und Elektrolyte, sondern auch ein Stirnband, in dem Kühl-Pads gelagert sind. Die wechselt er auf dem Rundkurs bei jeder Runde. Österreichs Marathon-Mann will - ähnlich wie bei der EM im Vorjahr - möglichst lange in der Spitze mitlaufen. „Ich laufe in der ersten Gruppe, wenn die zu schnell wird, muss ich mich zurückfallen lassen.“ Seine vier Betreuer an der Strecke werden ihn notfalls bremsen, Ärzte des Weltverbandes werden ohnehin alle Läufer aus dem Rennen nehmen, die gefährdet sind.

Sogar seine Körpertemperatur wird während des WM-Marathons gemessen. Vor dem Start schluckt Ketema einen ein paar Millimeter großen, leicht verdaulichen Sensor, der im Nachhinein alle Daten liefert. Diese werden schon in Hinblick auf die Spiele in Tokio ausgewertet, wo ähnliche Bedingungen herrschen könnten. Damit er schon für Olympia gerüstet ist.

Eine echte Gefahr
Hürdensprinterin Beate Schrott, die am Samstag in ihrem Vorlauf dran ist, sieht als Medizinerin eine echte Gefahr bei dem Marathon: „Das ist ein Wahnsinn. Ich weiß nicht, wie man sich als Läufer darauf vorbereiten kann. Wenn sie zu massiv über ihre Grenzen gehen, können sie auch im Krankenhaus landen. Sie müssen nur vernünftig genug sein, vorher auszusteigen.“ So weit wie die Läufer-Legende Haile Gebrselassie geht sie aber nicht, der von einer Lebensgefahr bei diesem WM-Rennen spricht.

Schrott selbst ist happy, bei der WM in Doha zu sein. Sie hofft, auf der schnellen Bahn, nahe an die 13 Sekunden heranzukommen. Ihre 13,03 von heuer waren ihre beste Zeit seit vier Jahren. Ein Traum wäre es, wie bei den beiden vergangenen Weltmeisterschaften wieder ins Semifinale aufzusteigen. Ihr Verlobter Christian Taylor, der hier in Doha zum vierten Mal Dreisprung-Weltmeister geworden war, wollte keine Prognose abgeben, Beate nicht unter Druck setzen. Dessen erneutes Gold aber hat Österreichs Hürden-Ass natürlich erneut beflügelt. Taylor war es ja auch, der Beate zum Weitermachen motiviert hatte, als sie nach den Spielen in Rio 2016 schon hatte aufhören wollen. Jetzt hat sie das Karriereende bis 2020 hinausgeschoben.

Olaf Brockmann

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