30.09.2019 12:39 |

„Haben FPÖ zerstört!“

(Ex-)Wähler rechnen nach Fiasko mit Strache ab

Heinz-Christian Strache ist sich trotz des Debakels der FPÖ bei der Nationalratswahl am Sonntag (siehe auch Video oben), bei der die Freiheitlichen zehn Prozentpunkte verloren haben, weiterhin keiner Schuld bewusst. Trotz Ibiza- und Spesenaffäre bleibt ein Übernehmen einer Verantwortung für das Fiasko aus - Strache sieht weiterhin einen „kriminell jahrelang aufgebauten Angriff gegen meine Person und die FPÖ“ als Grund, warum es für die Partei keinen Grund zum Feiern gegeben habe. (Ex-)FPÖ-Wähler wollen das so nicht mehr hinnehmen und rechnen auf Straches Facebook-Seite und im krone.at-Forum mit dem Ex-Parteichef gnadenlos ab.

Nur 16,1 Prozent laut vorläufigem Ergebnis inklusive Wahlkartenprognose - für die FPÖ-Wähler und die Partei selber war das Wahldebakel am Sonntag ein Schock. Hatte es vor Kurzem noch geheißen, dass die SPÖ im Kampf mit der FPÖ um Platz 2 zittern müsse, so war am Wahlabend klar, dass die jüngsten Skandale rund um den ehemaligen Parteichef mehr noch als die Ibiza-Affäre die FPÖ massiv an Stimmen gekostet hatten. In beides involviert: Heinz-Christian Strache, den seine ehemaligen Anhänger nun nicht mehr so einfach davonkommen lassen wollen.

„Partei innerhalb von vier Monaten komplett in den Sand gesetzt“
Mehr noch: Ausgerechnet auf Straches eigener - privater - Facebook-Seite rechnen sie mit dem tief gefallenen Ex-Vizekanzler ab: Als Strache ein Video von Mario Kunasek teilt, in dem der ehemalige Verteidigungsminister über Gründe und Konsequenzen des mageren Ergebnisses spricht, aber auch motivierende Worte mit auf den Weg gibt, wenden sich viele der User direkt an Strache. „Was haben Sie aus dieser Partei gemacht? 15 Jahre des Aufbaus - und innerhalb von vier Monaten komplett in den Sand gesetzt“, kommentiert ein Leser. „Dieses Ergebnis lastet größtenteils auf Ihren Schultern, Herr Strache.“ Und ein User ist ganz direkt: „Lieber Heinz, Schuld an der Misere haben du und der Gudenus.“

„Sie haben die FPÖ groß gemacht und gleichzeitig zerstört“, lautet ein weiterer Kommentar. „Woran mag das wohl liegen, dass die Freiheitlichen keinen Grund zum Feiern gehabt haben???“, fragte ein Leser Strache indirekt - der fühlt sich nicht wirklich angesprochen, antwortet aber sogar: Es liege „an einem kriminell jahrelang aufgebauten Angriff gegen meine Person und die FPÖ“. Und er stellt in einer weiteren Antwort die Gegenüberlegung an: „Ob nicht die Anbiederung an die ÖVP und die fehlende Verteidigung bei den miesen Angriffen und Verleumdungen gegen meine Person vielen Bürgern missfallen hat!“

„Unglaubwürdig, solange Strache und Frau nicht ausgeschlossen werden“
Davon sind allerdings nicht alle seine Fans überzeugt: „Solange Strache und seine Frau nicht ausgeschlossen werden, ist die FPÖ unglaubwürdig und unwählbar.“ Dass auch der zunächst erhoffte Listenplatz von Philippa Strache zum Unmut in Partei und Wählerschaft beigetragen haben dürfte, ist für so manchen User ebenfalls klar. Straches Gattin wird einem Bericht zufolge freiwillig auf ihr Nationalratsmandat verzichten.

„Strache wollte (zu) hoch hinaus und kam der Sonne zu nahe“
Einen ähnlichen Schritt erhoffen sich auch so manche Leser im krone.at-Forum: „Haben Sie wenigstens einen Funken von Anstand und Moralgefühl, treten Sie freiwillig aus der Partei aus und verzichten Sie auf alle künftig anvisierten politischen Ämter, wenn Ihnen die FP noch irgendetwas wert ist“, schrieb juka. In dieselbe Kerbe schlägt auch Lappen: „Es wird in jeder Partei schwarze Schafe geben, aber was sich HC leistet, darf auch in den Kernreihen der Partei nicht toleriert werden.“ Poetischer beschreibt es celticspirit: „Strache wollte (zu) hoch hinaus und kam der Sonne zu nahe ... und hatte keinen Fallschirm.“

Dass Strache, für den es bereits am Montag beim Parteigremium Konsequenzen aus der Spesenaffäre setzen könnte, „endlich Verantwortung übernehmen“ soll, wünschen sich viele der ehemaligen Fans des Ex-Parteichefs.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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