In FPÖ brodelt es

Philippa Strache verzichtet auf Nationalratsmandat

Österreich
30.09.2019 10:17

Erster Paukenschlag innerhalb der FPÖ nach dem desaströsen Abschneiden bei der Nationalratswahl: Philippa Strache verzichtet freiwillig auf ihr Nationalratsmandat. Grund dafür soll die immer lauter werdende innerparteiliche Kritik an ihrem Mann, Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache, sein. 

Angesichts der jüngsten Turbulenzen rund um ihren Mann soll der blauen Tierschutzbeauftragten die Lust am Parlament vergangen sein. Oder umgekehrt: Immer mehr FPÖ-Funktionäre scheinen den Namen Strache nicht mehr hören zu wollen.

Heinz-Christian und Philippa Strache (Bild: AFP)
Heinz-Christian und Philippa Strache

Denn wie auf oe24.at am Montag zu lesen war, wolle Philippa Strache (32) aufgrund der „immer stärkeren innerparteilichen Anfeindungen gegen ihren Mann“ auf ihr Mandat verzichten. Sie wolle damit offenbar ein Zeichen gegen alle in die systematische „Vernichtung“ des Rufes ihres Mannes involvierten „Intriganten“ setzen. Eine offizielle Bestätigung der Partei für Straches freiwilligen Verzicht steht noch aus.

Philippa und Heinz-Christian Strache (Bild: APA/HANS PUNZ)
Philippa und Heinz-Christian Strache

Tschank käme zum Zug - gegen ihn wird in Ibiza-Affäre ermittelt
Ihr Einzug in den Nationalrat wäre aber ohnehin nicht sicher gewesen. Mit Platz vier und nur noch 14,2 Prozent der Stimmen in Wien (2017: 21,3 Prozent) fuhren die Freiheitlichen ein katastrophales Ergebnis ein. Wie viele Mandate die Freiheitlichen in Wien bekommen, steht erst nach Auszählung der Wahlkarten fest. Philippa Strache hatte auf Platz drei in der Bundeshauptstadt kandidiert. Trotzdem sollten die Stadtblauen auf vier Mandate kommen, wie Polit-Insider am Sonntag vorrechneten. Übrigens: Bei einem Mandatsverzicht Straches käme Markus Tschank zum Zug, gegen den im Zuge der Ibiza-Affäre ermittelt wird.

Markus Tschank (Bild: APA/HANS PUNZ)
Markus Tschank

FPÖ lud Strache nicht in Wahlzentrale ein
Wie sehr das Verhältnis zwischen Strache und der Parteibasis zerrütet ist, zeigte sich auch am Wahlabend. Philippa Strache erhielt laut der Tageszeitung „Heute“ von der FPÖ keine Akkreditierung für die Wahlzentrale in der Hofburg. Stattdessen soll sie daheim geblieben sein.

Philippa und ihre „dunkelsten Stunden“
Heinz-Christian Strache unterstützte seine Ehefrau bis zuletzt tatkräftig, etwa mit Social-Media-Postings für seine zahlreichen Follower. Philippa selbst hatte sich noch am Tag vor der Wahl mit einem Posting auf Facebook an die Österreicherinnen und Österreicher gewandt und über „ihre dunkelsten Stunden“ geschrieben. Heinz-Christian Strache selbst ging am Wahlabend hart mit dem FPÖ-Kurs ins Gericht: „Wer sich so an die ÖVP anbiedert, darf sich nicht wundern.“

Spesenaffäre brachte Strache zusätzlich unter Druck
In der Politkrise durch das Ibiza-Video verteidigte Philippa Strache ihren Mann vehement. Sie folgte seiner Erzählung, dass das Ganze eine „bsoffene Gschicht‘“ gewesen sei, die unzulässig auf wenige Minuten zusammengeschnitten worden sei. Als Paar seien sie aus „dieser Belastungsprobe gestärkt hervorgegangen“, sagte sie jüngst gegenüber oe24.at. Vorwürfe, sie und ihr Mann hätten durchaus luxuriös auf Kosten der Partei gelebt, weist sie entschieden zurück. Sie habe weder ein Spesenkonto, noch einen Chauffeur oder eine Kreditkarte der Partei gehabt: „Ich zahle alles selbst.“

(Bild: EXPA/picturedesk.com/Michael Gruber)

Ihre ehemalige Rolle an der Seite des Vizekanzlers hatte Philippa Strache stets genossen. Ihr Mann, gegen den die Staatsanwaltschaft inzwischen wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, hat bisher noch nicht alle Hoffnungen auf ein politisches Comeback begraben. Laut einem Bericht des „Kurier“ wollte Heinz-Christian Strache übrigens am Sonntagabend in der Hofburg auftreten. Er sagte aber in letzter Sekunde ein Interview mit „Servus TV“ ab, wie auf der eher bedrückenden Wahlfeier der FPÖ in der Wiener Prater Alm zu erfahren war.

(Ex-)Wähler rechnen nach Fiasko mit Strache ab
Unterdessen rechnen (Ex-)FPÖ-Wähler auf der Facebook-Seite des Ex-Vizekanzlers mit diesem gnadenlos ab. „Was haben Sie aus dieser Partei gemacht? 15 Jahre des Aufbaus - und innerhalb von vier Monaten komplett in den Sand gesetzt“, kommentiert etwa ein Leser. „Dieses Ergebnis lastet größtenteils auf Ihren Schultern, Herr Strache.“ Und ein User ist ganz direkt: „Lieber Heinz, Schuld an der Misere haben du und der Gudenus.“

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