07.09.2019 05:55 |

Primär Feintuning

Football-Simulator „Madden NFL 20“ am Prüfstand

Schon die unglaubliche Geschichte von Sheehy-Giuseppe gehört? Ein Mann mit einem Traum und unerschütterlichen Glauben an sich selbst. Doch kein NFL-Team wollte ihn. Aufgeben? Unmöglich! Da er kein Geld mehr hatte, wohnte er in einem Fitnessstudio. Eine Lüge bringt ihn zum Training der Cleveland Browns. Dort überzeugt er derart, dass er in den Kader aufgenommen wird. Eine Geschichte wie sie Amerikaner lieben. Es geht jedoch viel einfacher sich den Traum von der NFL-Karriere zu erfüllen. Auch, wenn es nur auf der Playstation ist.

„Madden NFL 20“ bietet alle Möglichkeiten für eine glanzvolle NFL-Zukunft. Einsteiger sind ebenso willkommen wie routinierte alte Hasen. Ersteren stehen vielfältige Tutorials und Trainingsoptionen zur Verfügung. Zudem erfahren sie KI-Unterstützung bei der Spielzugauswahl. Letztere erfreuen sich an den neuen Trickspielzügen oder den Run-Pass-Options. Dabei kann spontan zwischen Lauf oder Passspiel gewählt werden. Sofern man in der Lage ist, die Formation der gegnerischen Defense richtig zu interpretieren.

Fordernd für Einsteiger, Tiefe für Profis
Während Einsteiger alle Hände voll zu tun haben werden mit ihrem Quarterback den offenen Receiver zu finden und den Pass zu spielen, greifen Profis auf erweiterten Optionen zurück, die noch präzisere Zuspiele ermöglichen. Damit kommen Pässe auch eher an, wenn die Receiver bereits eng gedeckt werden. Pump Fakes lassen sich in der aktuellen Fassung einfacher auslösen, womit sich automatisch mehr Flexibilität in der Offensive ergibt. Glücklicherweise sind die Quarterbacks nicht zu unfehlbaren Maschinen geworden. Von der Defense unter Druck gesetzt, unterlaufen ihnen der eine oder andere Fehler.

Den Stars wie Tom Brady, von seinen Fans als GOAT („greatest of all time“) geadelt, hat EA Sports Spezialfähigkeiten namens X-Factors spendiert. Klingt übernatürlich. Ist es in gewisser Weise auch. In der NBA hätte der Kommentator vielleicht euphorisch „He is on fire!“ ausgerufen. Nachdem ein Ziel im Spiel erreicht wurde, etwa eine besondere Passleistung, wird beispielsweise ein Wurf garantiert nicht von der Defense abgefangen.

Beim Laufspiel wiederum wird dem Running Back seine Arbeit durch die besseren arbeitende Offensive Line erleichtert. Sie blockt öfters eine Gasse frei, durch die man „nur“ mehr durch spazieren muss. Im Gegensatz dazu haben sie den Ball nicht mehr so fest im Griff. Einiges mehr an Fumbles ist die unweigerliche Folge. Auch den Star Running Backs passiert dies unverhältnismäßig häufig. In diesem Bereich wäre in puncto Game Balance noch etwas Feinabstimmung gefragt.

Verteidigung ist schwieriger als Offensive
Seit jeher gestaltet sich das Verteidigen in Madden um einiges härter als die Offensivbemühungen. Daran hat sich, trotz Verbesserungen im Gameplay, im Wesentlichen nichts geändert. Der Pass Rush wurde verbessert und die Tackles scheinen noch härter zu sein. Allerdings bleibt es noch immer eine Timing-Frage, ob der Verteidiger am Gegner vorbei hechtet, ein Foul begeht oder entscheidend an den Ball kommt. Es mag eine unglückliche Häufung bei den gespielten Partien gewesen sein, doch so viele Face-Mask-Vergehen sind in realen NFL-Spielen bestimmt nicht zu sehen.

Die Neuerungen bei den Spielmodi halten sich in engen Grenzen. Fakt ist, dass es derer bereits viele gab und gibt. Die Gefahr aufkommender Langeweile scheint damit definitiv gebannt. Beliebtheitswettbewerb gewinnt EA Sports hingegen keinen mit der fast schon penetranten Werbung, bitte schön eines der tollen Angebote zu kaufen, um im Ultimate Team Modus besser abzuschneiden.

Ingame-Grafik und Präsentation: Gibt es auch. Sieht gewohnt toll aus, ohne sich allerdings gravierend vom Vorgänger zu unterscheiden.

Fazit: Feintuning ist angesagt. „Madden NFL 20“ präsentiert sich in Details weiter verbessert. Bahnbrechend Neues gibt es nicht, auch wenn etwa die X-Factors-Option eine nette Idee ist.Allerdings braucht es auch keinen grundlegenden Umbruch, da das Spiel bereits alles bietet, was das NFL-Herz begehrt. Das unabhängig davon, ob sich ein Anfänger oder ein Profi vor den Bildschirm setzt. Abzüge gibt es hingegen für die zunehmend nervenden Versuche, den Spielern ein paar Extra-Euros mit Ingame-Käufen abzuknöpfen.

Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, PC
Publisher: EA Sports
krone.at-Wertung: 8/10

Harald Kaplan
Harald Kaplan
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen