03.09.2019 06:00 |

Mit blauen Flecken

Österreich: Ein Land in rot-schwarzer Hand

Es ist die brisanteste Frage vor dieser Wahl: Wer regiert uns künftig? Ein Blick zurück zeigt: Bisher gab es fast nur große Koalitionen. Regierungen mit der FPÖ sind stets geplatzt.

Am 4. Februar 2000 hat Wolfgang Schüssel Neuland beschritten - und zwar unterirdisch. Weil nämlich am Wiener Ballhausplatz derart massiv gegen die gerade gebastelte schwarz-blaue Regierung protestiert wurde, musste der damalige ÖVP-Chef seine Ministermannschaft unter der Erde zur Angelobung in die Hofburg führen.

Schüssel-Koalition war ein echter Bruch
Die Koalition Schüssels war ein echter Bruch - denn zuvor wurde das Land 13 Jahre von der einst noch dem Wortsinn entsprechenden „großen Koalition“ unter sozialdemokratischer Führung regiert. SPÖ-Urgestein Franz Vranitzky hatte mit Alois Mock, Josef Riegler, Erhard Busek und Schüssel gleich vier verschiedene schwarze Vizekanzler hintereinander.

Wenn Blau dabei war, hat es immer gekracht
Doch Schüssel war nicht der Erste, der das Experiment mit den Blauen gewagt hatte: SPÖ-Politiker Fred Sinowatz regierte nach Bruno Kreiskys Rücktritt ab 1983 mit der FPÖ. Diese Regierung platzte allerdings, nachdem Jörg Haider bei den Freiheitlichen das Zepter übernommen hatte.

Dieses Schicksal ereilte fürderhin jede Regierung mit FPÖ-Beteiligung. Die erste schwarz-blaue Regierung überdauerte rund zwei Jahre, 2002 platzte sie nach dem legendären „Knittelfelder Putsch“, bei dem die FPÖ an einem internen Konflikt zerbrach. Nach der Neuwahl kam es trotz allem zur schwarz-blauen Neuauflage, doch auch diese Koalition platzte dann, weil sich die FPÖ spaltete - das Ergebnis war das jäh wieder von der Bildfläche verschwundene BZÖ.

SPÖ stellte 40 Jahre lang den Kanzler
Hernach folgte jedenfalls wieder eine lange Periode in Rot-Schwarz: Von 2006 bis 2017 regierte elf Jahre lang die SPÖ mit der ÖVP in der Rolle des Juniorpartners. Insgesamt haben die Roten beim Regieren übrigens die Nase vorne: Seit 1945 stellte sie 40 Jahre lang den Kanzler, die Volkspartei hingegen brachte es „nur“ auf rund 32 Jahre im Kanzleramt. Außer SPÖ, ÖVP und FPÖ (bzw. BZÖ) hat hierzulande bis zum aktuellen Beamtenkabinett noch niemand regiert - SPÖ oder ÖVP seit Kriegsende immer dabei.

ÖVP: 32 Jahre en suite in einer Regierung
Exakt 32 Jahre war die ÖVP bis zuletzt auch durchgehend in einer Regierung vertreten. Diese schier unfassbare Serie wurde erst durch das Auftauchen des Ibiza-Videos beendet - als wieder einmal eine Koalition mit FPÖ-Beteiligung zerplatzt ist.

Klaus Knittelfelder, Kronen Zeitung

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