24.08.2019 21:06 |

Auf „Roter Liste“

Koch servierte G7-Führern bedrohte Thunfischart

Baskische Spezialitäten mit dem gefährdeten roten Thunfisch sind am Samstag auf der Speisekarte für das Abendessen der Staats- und Regierungschefs bei dem G7-Gipfel im südwestfranzösischen Biarritz gestanden. Sternekoch Cedric Bechade wollte demnach erst ein baskisches Omelett und dann den „Marmitako“ genannten traditionellen Fischeintopf mit frischem roten Thunfisch zubereiten. Vor Beginn des Gipfels kam es zu mehreren gewaltsamen Ausschreitungen (siehe Video oben) zwischen Demonstranten und der Polizei.

Das ist der Fisch, den Fischer des südlich von Biarritz gelegenen Ortes Saint-Jean-de-Luz gefangen haben. Der auch Blauflossen-Thunfisch oder Atlantischer Thunfisch genannte Fisch ist wegen Überfischung eine zunehmend bedrohte Tierart und steht auf der „Roten Liste“ der Weltnaturschutzunion IUCN. Er ist der größte Thunfisch und wird nach Angaben von Tierschützern in der Regel drei Meter lang und kann bis zu 40 Jahre leben.

Zum Abschluss des Banketts der Staats- und Regierungschefs der großen Industrienationen stand eine Auswahl von Käse aus der Gegend und ein Pfirsichkuchen auf der Speisekarte.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte zuvor den Gipfel eröffnet. „#G7Biarritz hat begonnen“, teilte der Gastgeber des Toptreffens auf Twitter mit. Zuvor hatte der 41-Jährige die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zu einer Unterredung getroffen. Es gab zudem eine Runde der europäischen Teilnehmerländer - auch Großbritanniens Premierminister Boris Johnson nahm an den Beratungen teil. 

Macron hat sich vorgenommen, bei dem dreitägigen Spitzentreffen die gefährlichen Krisen in Iran, Nordkorea, Libyen oder in der Ukraine anzusprechen. Im Kampf gegen das Flammeninferno im südamerikanischen Amazonasgebiet strebt Macron konkrete Hilfszusagen der mächtigen Staatenrunde an.

Johnson: „Bin sehr besorgt“
Neben Macron und Merkel will auch der britische Premierminister Boris Johnson US-Präsident Donald Trump zur Deeskalation im Handelskonflikt mit China und der EU bewegen. Sein wichtigster Punkte bei dem G7-Gipfel sei die Lage des internationalen Handels, sagte Johnson. „Ich bin sehr besorgt über die Entwicklung, die Zunahme des Protektionismus, der Zölle“, sagte er.

Zuvor hatte Trump erklärt, er erwarte, dass der G-7-Gipfel am Wochenende „viel erreichen“ werde. Vor seinem Abflug aus den USA hatte er allerdings angeordnet, ab 1. Oktober Waren Chinas im Wert von 250 Milliarden Dollar mit 30 Prozent Zoll zu belegen. Bisher sind es 25 Prozent. Die Zuspitzung im Handelsstreit ist eines der zentralen Themen des G-7-Gipfels.

Tusk: „Schwieriger Test“
Skeptisch äußerte sich EU-Ratspräsident Donald Tusk: „Dies ist ein weiterer G7-Gipfel, der ein schwieriger Test der Einheit und Solidarität der freien Welt und ihrer Anführern sein wird. (...) Es ist vielleicht der letzte Moment, um unsere politische Einheit wieder aufzubauen.“ Bis Montag beraten in Biarritz die Regierungschefs aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und den USA. Macron hat auch zahlreiche Nicht-G7-Staaten zu Debatten etwa über Klimaschutz und den Abbau von Ungleichheiten in der Welt eingeladen. Dazu zählt etwa der indische Ministerpräsident Narendra Modi, so dass auch der Kaschmir-Konflikt mit Pakistan Thema werden dürfte.

Kampf gegen Amazonas-Brände großes Thema
Ein großes Thema werde aber auch der Kampf gegen die Waldbrände im Amazonas-Gebiet sein, kündigte Macron an. Merkel erklärte, man werde sich mit der Frage beschäftigen, wie man dort helfen könne: Auch werde es einen klaren Aufruf geben, alles zu tun, damit der Regenwald nicht weiter brenne. „Macron hat Recht: Unser Haus brennt - und da können wir nicht schweigen“, sagte die Kanzlerin. Mehrere EU-Staaten hatten Brasilien mit Handelssanktionen gedroht, weil dessen Präsident Jair Bolsonaro vorgeworfen wird, zu Brandrodungen im Regenwald aufgefordert zu haben. Dies wird von Deutschland aber nicht als zielführend angesehen.

Trump traf Macron: „Gute Beziehungen“
Am Nachmittag hatte sich Trump zunächst mit Macron getroffen und dann von „sehr guten Beziehungen“ gesprochen. Merkel und Macron trafen sich ebenfalls, um das Vorgehen auf dem G7-Treffen abzusprechen. Danach sprachen die europäischen Vertreter ihre Positionen ab - mit dem britischen Premierminister, der das erste Mal an einem G7-Gipfel teilnimmt. Zuvor hatte es in Europa Sorgen gegeben, Johnson könnte Positionen von Trump teilen.

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