16.08.2019 11:33 |

Mitgründer im Talk

Nuki: Steirer Start-up sagt Schlüssel den Kampf an

Das steirische Start-up Nuki mit Sitz in Graz hat es mit seinen smarten Türschlössern zum Nachrüsten, die sich mit dem Handy auf- und zusperren lassen, zu europaweitem Erfolg gebracht und bereits Zehntausende Haus- und Wohnungstüren online gebracht. Wir haben uns mit Nuki-Mitgründer Martin Pansy, der gemeinsam mit Bruder Jürgen zuvor schon bei sms.at in der IT-Branche durchgestartet ist, über sein aktuelles Projekt unterhalten.

Was ist eigentlich ein Nuki, wollen wir von CEO Pansy wissen. „Ein smartes Türschloss, das den physischen Schlüssel durch das Smartphone ersetzt“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Und was macht man damit? „Das ermöglicht die Integration ins Smart Home: Ich komme heim, die Tür geht auf und das Licht geht an. Außerdem sind Benachrichtigungen möglich - zum Beispiel, wenn die Kinder heimkommen“, erklärt Pansy.

Ein weiterer Vorteil sei, dass man keine Schlüssel mehr nachmachen lassen müsse, weil man ganz einfach das Smartphone als solchen freischalten - oder, bei Verlust: wieder deaktivieren - könne. Auch für den Seelenfrieden sei Nuki gut, immerhin kann man mit dem smarten Schloss jederzeit am Handy nachschauen, ob die Haus- oder Wohnungstür auch wirklich versperrt ist.

Nuki entstand durch ein Männerproblem
Die Idee für Nuki, erzählt uns Pansy in der „Krone“-Zentrale, sei Ende 2013 aus einem Männerproblem heraus entstanden. Er und Bruder Jürgen hätten sich darüber geärgert, dass man als Mann stets Schlüssel und Handy in der Hosentasche herumtrage - und ersteres letzteres dabei zerkratzt. „Wir haben uns gedacht: Das ist doch unpraktisch, warum machen wir das Smartphone nicht zum Schlüssel?“ Und dann sei man auf die Frage gekommen, wie so eine Lösung einfach nachgerüstet werden könnte. Denn der Markt für Neubaulösungen ist eher kompakt.

Nachrüster sind dagegen mit laut Pansy rund 150 bis 170 Millionen noch unvernetzten Haus- und Wohnungstüren in Europa eine lohnenswerte Zielgruppe. „Dann haben wir herumprobiert, auch mit komplett digitalen Schlössern. Das war aber für den Kunden seltsam. Jetzt haben wir eine Lösung, bei der man immer noch seinen Schlüssel verwenden kann.“

Und das funktioniert so: Nuki - aktuell gibt es bereits die zweite Auflage - ist ein Nachrüst-Kit, das an der Türinnenseite über das Schloss montiert wird. Das Nuki dreht den Schlüssel so, dass die Tür auf- oder zugesperrt wird. Mit einem Knopf am Gerät kann man von innen sperren, von außen ist die Smart-Home-Lösung nicht sichtbar und bei Bedarf weiterhin der Schlüssel nutzbar. Auf- und zugesperrt wird nicht nur mittels Smartphone, sondern auf Wunsch auch mit einer kleinen Fernbedienung.

Am Anfang stand die Kickstarter-Kampagne
Rund anderthalb Jahre tüftelte das Team um die Gebrüder Pansy an Nuki, bevor man mit der Idee für das smarte Schloss an die Öffentlichkeit ging - und zwar mit einer Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter. „Das war ganz schön spannend. Bis dahin kannten etwa 200 Leute aus unserem Umfeld die Idee, und die fanden das natürlich alle toll. Aber auf Kickstarter kriegt man ehrliches Feedback: Würde der Kunde dafür zahlen oder nicht? Wenn Kickstarter nicht klappt, gibt es nicht genug Interesse“, sagt Pansy.

Am Interesse der Internetnutzer scheiterte es nicht. Nuki wurde zu einer der erfolgreichsten Kickstarter-Kampagnen im deutschsprachigen Raum, die Gründer konnten statt der ursprünglich geplanten 125.000 Euro fast 400.000 Euro einsammeln. Ein Dreivierteljahr später wurden die ersten, bei einem Partner in der Schweiz gefertigten, Nuki-Exemplare fertig und wurden ausgeliefert. Und Pansy war um eine Erfahrung reicher.

Heute hat er Ratschläge für andere Gründer parat: „Auf Kickstarter muss man etwas versprechen, was man noch nicht liefern kann. Dabei sollte man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und ein gutes Gleichgewicht zwischen den Versprechungen und dem finalen Produkt finden.“ Denn wer zu viel verspricht oder sich beim Funktionsumfang seines Produkts verzettelt, hat schnell ein Problem. „Tausende Leute haben für das Produkt bezahlt und machen Druck. Da muss man es gut managen, dass die Emotionen der Community nicht überkochen und sie auf dem Laufenden halten.“

Idee für smarte Schlösser lockte schnell Partner an
Ende 2016 - rund drei Jahre nach der ersten Idee - hatte man die ersten Chargen an die Kickstarter-Unterstützer verschickt und mit Media Markt und Saturn gleich einen großen Vertriebspartner gefunden. 2017 folgte eine Phase der Expansion, in der man ins Amazon-Sortiment aufgenommen wurde und in weiteren europäischen Ländern - Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und einige andere - an den Start ging. Auch das Team wurde bedeutend vergrößert - von anfangs sieben auf heute 60.

2018 vergrößerte sich Nuki mit zwei Kooperationen. Im Februar stieg der Sicherheitstechnik-Konzern Allegion bei dem Start-up ein, im April wurde eine Technologiepartnerschaft mit dem Ferienwohnungsvermittler Airbnb an Land gezogen. „Weil man mit Nuki Fernzugriff auf das Schloss hat, ist das ideal für Airbnb. Der Gast kriegt den Schlüssel aufs Smartphone, der Host hat keine aktive Arbeit mehr“, sagt Pansy. Bei einer Million Airbnb-Objekten in Europa „ist das spannend und macht uns stolz“, so der Mitgründer.

Für die Zukunft von Nuki hat Pansy auch schon einige Pläne: Beim Privathaus ist aus seiner Sicht nämlich noch lange nicht Schluss. „Wir wollen im Zugriffsmanagement bleiben, immerhin gibt es in Europa 170 Millionen Türschlösser und nur rund 100.000 installierte Nukis“, sagt Pansy. Denkbar sei auch, künftig nicht nur Wohnungs- und Haustüren, sondern auch Garagen- oder Gartentore zu vernetzen. Und dann gäbe es da noch einige andere Anwendungsfälle. „Im Tourismus und der Kurzvermietung, in der Pflege - etwa bei Haus- oder Altenpflege, aber auch in der Logistik bei Paketlieferungen“ könne man sich mit dem smarten Schloss noch positionieren, glaubt Pansy.

Start-up-Standort noch ausbaufähig
Ob der Standort Österreich fruchtbares Start-up-Land sei, wollen wir zum Abschluss wissen. Pansy antwortet: „Grundsätzlich herrschen gute Rahmenbedingungen, man könnte aber immer etwas besser machen.“ Als Start-up-Unternehmen müsse man hierzulande wissen, was der Standort hergibt und was nicht - vor allem personaltechnisch. Für einen Software-Giganten wie Facebook beispielsweise fehle es hierzulande an Entwicklern, im Hardware-Bereich sei es leichter. Dabei dürfe man aber nicht zu klein denken: „Wir wollten vom Start weg im europäischen Markt führend werden - das war ein guter Weg“, erinnert sich Pansy.

Überhaupt ermuntert er angehende Unternehmer, sich nicht entmutigen zu lassen und Ambition zu zeigen. Pansy: „Graz zum Beispiel ist voller Unis und Fachhochschulen, trotzdem entstehen daraus jährlich nur fünf bis zehn Start-ups. Die Unternehmerquote ist zu gering, da wird Potenzial nicht genutzt.“ Es bedürfe eines anderen Blicks auf Firmengründer und den etwa in Nordamerika deutlich verbreiteteren Mut zum Scheitern. Gerade zu Beginn solle man sich nicht entmutigen lassen. „Die Reise eines Start-ups ist die Reise von einem Problem zum nächsten“, sagt Pansy.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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