24.07.2019 10:29 |

„Fast & Furious“-Drama

So gefährlich ist es am Arbeitsplatz Hollywood

Ein schwerer Unfall am Set des aktuellen „Fast & Furious“-Films hat für weltweite Schlagzeilen gesorgt. Auch Action-Star Vin Diesel, der den Sturz seines Body-Doubles aus großer Höhe mit ansehen musste, zeigte sich geschockt, der Mime soll den Tränen nahe gewesen sein. Sein Stuntman liegt im künstlichen Koma, sein weiteres Schicksal bleibt ungewiss. Immer wieder kommt es bei Film- und TV-Produktionen zu spektakulären Stunt-Unfällen, nicht selten mit tödlichem Ausgang.

Vin Diesels Stunt-Double Joe Watts stürzte - wie berichtet - beim Sprung von einem Balkon neun Meter in die Tiefe, nachdem ein Sicherheitskabel gerissen war. Der Stuntman schlug mit voller Wucht mit dem Kopf auf und musste im Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt werden.

Der tragische Fall macht einmal mehr deutlich, dass es an Filmsets mitunter ganz schön gefährlich zugehen kann: Hunderte Personen in unzähligen Zuständigkeitsbereichen, schweres Equipment, Arbeit mit Starkstrom, Waffen, Chemikalien, Feuer oder auffrisierte Fahrzeuge und Flugmaschinen. Die Liste der Gefahrenquellen bei Dreharbeiten ist eine lange. Hinzu kommt oftmals Arbeiten unter enormem finanziellem und zeitlichem Druck - der die Filmemacher dann noch größere Risiken eingehen lässt.

Stuntman stirbt am Set von Vin Diesels „xXx“
Der Stunt-Unfall am Set des aktuellen „Fast & Furious“ ist übrigens nicht der erste Unfall mit schwerwiegenden Folgen am Set eines Vin-Diesel-Films. So kam bei den Dreharbeiten des Actionfilms „xXx“ 2002 Stuntman Harry O‘Connor in Prag ums Leben. Der 44-Jährige sollte sich an einem Fallschirmseil abseilen und auf einem U-Boot landen. Doch stattdessen knallte er gegen den Pfeiler einer Brücke und war sofort tot. Besonders tragisch: O‘Connor hatte den Stunt zuvor schon einmal erfolgreich absolviert, soll aber nicht zufrieden gewesen sein und es daher noch einmal versucht haben. Die Szene blieb - aus Respekt vor der Arbeit des Stuntmans - im Film, der Moment des Aufpralls wurde jedoch herausgeschnitten.

Meist sind es die Frauen und Männer, deren Namen und Gesichter nicht auf den Plakaten der Filme zu sehen sind, die bei den Dreharbeiten zu Schaden kommen. Im August 2016 war etwa bei den Arbeiten an „Blade Runner 2049“ ein Mann ums Leben gekommen. Die großen „Blade Runner“-Schlagzeilen gab es aber wegen eines versehentlichen Faustschlags, den Darsteller Ryan Gosling („Drive“, „La La Land“) von Kollege Harrison Ford kassierte. Hollywood-Haudegen Ford hatte auch im Jahr zuvor wegen eines gebrochenen Beins am Set von „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ für Aufregung gesorgt. Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr weltweit zwischen 20 und 40 Menschen bei Film- und Fernsehproduktionen. Das sind proportional betrachtet mehr als bei der Polizei oder im Straßenbau in den USA. Und da sind die zahlreichen Unfälle noch gar nicht mitgezählt, die gerade noch glimpflich ausgegangen sind.

Brandon Lee musste wegen Requisite sterben
Egal ob Crewmitglied oder Hauptdarsteller: Von den rauen Sitten am Set bleibt im Filmgeschäft niemand verschont: Zu den bekanntesten Todesfällen zählen wohl Brandon Lee, Sohn von Action-Legende Bruce Lee, in „The Crow“ und Vic Morrow im „Twilight Zone“-Film „Unheimliche Schattenlichter“. Brandon Lee wurde eine falsch verwendete Pistole, die am Set als Requisite diente, zum Verhängnis. Der 28 Jahre alte Lee wurde von einem Schuss im Bauch getroffen und konnte trotz Notoperation nicht mehr gerettet werden.

Für Vic Morrow sollte es eigentlich die Chance auf ein Comeback werden, als der Schauspieler 1982 in der Filmversion der Kult-Serie „Twilight Zone“, die hierzulande unter dem Titel „Unheimliche Schattenlichter“ bekannt ist, unter der Regie von John Landis („Gremlins“) ums Leben kam. Morrow und zwei Kinderdarsteller wurden bei einem gewagten Stunt von einem herabstürzenden Hubschrauber getötet.

Todesfall bei Proben zu „The Walking Dead“
Für Schlagzeilen rund um einen tödlichen Unfall sorgte 2017 die Erfolgsserie „The Walking Dead“. Stunt-Double John Bernecker, der in mehr als 90 Filmen mitgespielt hatte, stürzte bei einem Stunt aus sechs Metern Höhe und verfehlte dabei eine Sicherheitsmatratze, die am Boden lag, nur um wenige Zentimeter. Der erfahrene Stuntman starb zwei Tage später im Krankenhaus. Johns Mutter Susan damals: „Ich bin mit 50 bis 60 Stuntmännern und -frauen befreundet. Sie sind wie meine adoptierten Kinder. Und ich habe immer wieder von unsicheren Drehbedingungen gehört.“

Besonders brutal ging es wohl auch bei den Dreharbeiten zu „Resident Evil: The Final Chapter“ zu. Stunt-Double Olivia Jackson erlitt dabei 2015 so schwere Verletzungen, dass ihr linker Arm später amputiert werden musste. „Prellungen und verstauchte Gelenke gibt es häufig. Solch schwere Verletzungen sind extrem selten“, erklärte dazu der erfahrene Stunt-Koordinator Ronnie Paul. Doch nur wenige Tage nach Jacksons Unfall am „Resident Evil“-Set kam es zu einem weiteren - und diesmal tödlichen - Zwischenfall: Ein Crewmitglied wurde von einem Hummer-H1-Geländewagen regelrecht zerquetscht, der sich von einer von dem Arbeiter gesteuerten Plattform löste und herunterrollte.

Zerquetscht wurde auch der Fahrer Bill Vitagliano bei den Dreharbeiten zu „Bodyguard“ mit Kevin Costner und Whitney Houston. Der Mann war beim Entladen auf einem Parkplatz in Los Angeles zwischen zwei Kräne für das Lichtzubehör geraten.

Toter bei Dreharbeiten zum Bond-Film „In tödlicher Mssion“ 
Nicht verschont von Tragödien blieb in der Vergangenheit das „James Bond“-Franchise. Neben den unterschiedlichsten Verletzungen der leidgeprüften Bond-Darsteller, zuletzt wieder Daniel Craig, der beim Dreh auf Jamaica für mehrere Wochen außer Gefecht gesetzt wurde, gab es auch bei 007 schon mindestens einen Todesfall zu vermelden. Im Bond-Teil „In tödlicher Mission“ mit Roger Moore gibt es eine Verfolgungsjagd durch die Bobbahn von Cortina d‘Ampezzo. Beim Dreh dieser Szene im Februar 1981 wurde der beteiligte Viererbob an der falschen Stelle aus der Bahn geschleudert und prallte mit voller Wucht gegen einen Baum. Ein junger Stuntman, Paolo Rigon, der ganz vorne im Schlitten saß, kam dabei ums Leben.

Leiche von Pilot seit Dreharbeiten zu „Top Gun“ unauffindbar
Nie gefunden wurde indessen die Leiche von Kunstflieger Art Scholl. Der erfahrene Pilot stürzte im September 1985 bei Dreharbeiten für „Top Gun“ - dem Film, der Tom Cruise endgültig als Hollywood-Star einzementierte - mit seinem Flugzeug vor der südkalifornischen Küste ab, als er ein sogenanntes Flachtrudelmanöver durchführen wollte. Maschine und Leiche des Fliegers wurden bis heute nicht gefunden. Die Dreharbeiten zur für 2020 angekündigten Fortsetzung „Top Gun: Maverick“ scheinen hingegen ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen zu sein.

Tote auch an Sets von Schwarzenegger und Stallone
Tote gab es auch an Sets von Filmen von Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone. Beim Dreh einer Kampfszene von Walter Hills Actionfilm „Red Heat“ erlitt Stuntman Bennie Dobbins bei winterlichen Temperaturen - gefilmt wurde damals in Wien - einen tödlichen Herzanfall. In der Szene ringt Arnold Schwarzenegger fast nackt mit seinem Widersacher im tiefen Schnee. Dobbins hatte sich bei dem Versuch, Heizlüfter zu installieren, mit deren Hilfe die Schauspieler vor Unterkühlung bewahrt werden sollten, völlig verausgabt - er überlebte seinen Einsatz für die Kollegen nicht.

Bei Stallone-Produktionen sollte man indessen besonders auf Sprengstoff achten. So erwischte es 1985 bei den Dreharbeiten zu „Rambo II“ in Mexiko den Effekte-Spezialisten Cliff Wenger. Er wurde laut offizieller Unfallversion von einer von ihm selbst vorbereiteten Sprengstoffladung getötet, die vorzeitig detoniert war. Und auch 2012 war am Set von „The Expendables 2“ Sprengstoff der Auslöser: Das Effekte-Team in Bulgarien löste eine Explosion auf einem Schlauchboot aus, doch zwei Stuntmen waren nicht weit genug davon entfernt. Einer der Männer, Ken Liu, kam ums Leben, sein Kollege Nuo Sun wurde schwer verletzt.

Während der Tod von Schauspieler Heath Ledger, der in Christopher Nolans Batman-Trilogie den Joker spielte, einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist, wissen die wenigsten, dass es auch am Set von „The Dark Knight“ zu einem tödlichen Unfall gekommen war. Kameramann Conway Wickliffe hatte aus eine Pick-up-Truck heraus gefilmt, sich dabei aus dem Wagenfenster gelehnt, als der Fahrer des Nissan 4x4 eine scharfe Kurve verpasste und mit rund 30 Stundenkilometern gegen einen Baum prallte. Wickliffe wurde noch an Ort und Stelle für tot erklärt.

Gierige Produzenten schlachteten Hai-Toten aus
Als besonders düsteres Beispiel aus der Fülle an Unfällen in Hollywood soll hier noch der Film „Shark!“ („Hai“) aus dem Jahr 1969 genannt werden. Am Set des Abenteuerfilms mit Burt Reynolds wurde Stuntman Jose Marco vor laufender Kamera von einem Hai zerfleischt. Für den Mann kam jede Hilfe zu spät. Die Produzenten schlachteten den tragischen Vorfall dann schamlos für Werbezwecke aus. Der ursprüngliche Filmtitel „Caine“ wurde zu „Shark!“ und auf den Filmplakaten war zu lesen: „Ein realistischer Film, der zu real geworden ist“. Regisseur Samuel Fuller („The Big Red One“) wollte mit solch menschenverachtenden Methoden nichts am Hut haben, trotz Protests wurde sein Name damals aber nicht von der Produktion entfernt.

Die Straße nach Hollywood ist jedenfalls gepflastert mit Unfällen, die Verletzte oder gar Tote zur Folge haben. Schon das legendäre Wagenrennen in „Ben Hur“ von Lew Wallace forderte neben dem Leben mehrere Pferde auch das Leben eines Stuntmans. Der Fahrer eines der Pferdewagen wurde zehn Meter in die Luft geschleudert, als eines der Räder an einem Wagen bei vollem Tempo brach. Der Stuntman stürzte auf einen Holzstapel und starb an seinen inneren Verletzungen.

Harald Dragan
Harald Dragan

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