19.07.2019 22:52 |

Nächste Eskalation

„Inakzeptabel“: Iran stoppt zwei britische Tanker

Die Lage im Persischen Golf spitzt sich weiter zu. Einen Tag nach dem mutmaßlichen Abschuss einer iranischen Drohne durch die US-Marine haben die iranischen Revolutionsgarden binnen weniger Stunden zwei Öltanker, die unter britischer Flagge in der Straße von Hormuz unterwegs waren, aufgebracht. Bei den beiden Schiffen handelt es sich um die Stena Impero der schwedischen Firma Stena Bulk und die Mesdar, die Medienberichten zufolge der britischen Norbulk Shipping UK gehört. Die Regierung in London ist extrem besorgt. Außenminister Jeremy Hunt stellte unmissverständlich klar: „Die Festsetzungen sind inakzeptabel.“ Während die Mesdar nach einer kurzen Kontrolle ihre Fahrt fortsetzen durfte, herrscht großes Bangen um die Crew des anderen Tankers.

Laut Angaben der Schweden hatten sich mehrere unbekannte kleinere Boote und ein Hubschrauber dem Tanker genähert, als sich das Schiff in internationalen Gewässern befand. Das Unternehmen hat derzeit keinen Kontakt zur Besatzung des Schiffes. An Bord befinden sich nach Unternehmensangaben 23 Crew-Mitglieder. Es gebe keine Nachrichten über Verletzte. Man stehe in engem Kontakt zu den britischen Behörden.

Tanker soll gefährliches Manöver vollzogen haben
Wie Daten der Internetseite Marine Traffic zeigen, verließ die Stena Impero gegen 17.30 Uhr MESZ ihren Kurs, als sie die Straße von Hormuz passiert hatte. Das Schiff war vom Hafen Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus auf dem Weg in Richtung Al-Dschubail in Saudi-Arabien. Zuletzt zeigten die Daten, dass sich das Schiff in Richtung der iranischen Insel Keschm befand. Die Regierung in London zeigte sich alarmiert. „Wir sind dringend auf der Suche nach weiteren Informationen“, teilte ein britischer Regierungssprecher am Freitagabend mit.

Diese Informationen lieferte wenig später der iranische Auslandssender Press TV. Die Stena Impero werde zum Hafen der Provinzhauptstadt Bandar Abbas eskortiert. Dort werden die notwendigen Inspektionen durchgeführt. Der Tanker habe seine GPS ausgeschaltet und sei vom südlichen Teil der Straße von Hormuz, der nur für den Ausgang der Schiffe vorgesehen ist, eingefahren und damit eine Kollision mit anderen Schiffen riskiert. Dies sei gegen die maritimen Vorschriften am Golf. Außerdem soll der Tanker auch umweltschädigende Materialien am Bord haben, die derzeit von der Umweltbehörde in Bandar Abbas untersucht werden.

Es könnte sich um eine Vergeltungsmaßnahme für die Festsetzung eines iranischen Tankers in der Straße von Gibraltar durch die britische Marine Anfang Juli handeln. Der Zugriff damals erfolgte wegen des Vorwurfs illegaler Öllieferungen an Syrien. Die Öllieferung aus dem Iran soll gegen EU-Sanktionen gegen Syrien verstoßen. Der Iran protestierte gegen die Beschlagnahme, bestellte mehrmals den britischen Botschafter ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Wenige Tage später sollen mehrere Militärschiffe der Revolutionsgarden in der Straße von Hormuz einen ersten Angriff auf einen britischen Tanker unternommen haben. Teheran widersprach allerdings den Meldungen.

Angst vor militärischen Eskalation zwischen USA und Iran
Im Juni hatte es im Golf von Oman bereits mysteriöse Zwischenfälle mit zwei Tankern gegeben. Die US-Regierung machte dafür den Iran verantwortlich, die Führung in Teheran bestritt die Vorwürfe. Die Vorfälle schürten international Ängste vor einer militärischen Eskalation zwischen beiden Staaten.

Auch nach der jüngsten Eskalation war Washington rasch zur Stelle und warnte Teheran. „Das ist das zweite Mal in etwas mehr als einer Woche, dass das Vereinigte Königreich Ziel eskalierender Gewalt durch das iranische Regime ist“, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, Garrett Marquis. Die USA würden weiterhin mit ihren Verbündeten zusammenarbeiten, „um unsere Sicherheit und Interessen gegen das bösartige Verhalten des Iran zu verteidigen“, fügte er hinzu.

Streit um abgeschossene iranische Drohne
Unterdessen stellte US-Präsident Donald Trump klar, dass aus Sicht des Weißen Hauses „kein Zweifel“ daran bestehe, dass das US-Kriegsschiff USS Boxer in der Straße von Hormuz eine iranische Drohne zerstört habe. Ein US-Regierungsvertreter sagte am Freitag, es gebe „ganz eindeutige Beweise“ für den Abschuss, nannte jedoch keine Details. Auch Sicherheitsberater John Bolton erklärte: „Es steht außer Frage, dass dies eine iranische Drohne war.“

Die iranische Führung brachte einen „Gegenbeweis“ vor (siehe Video oben). Aufnahmen, die von den Revolutionsgarden im staatlichen Fernsehen veröffentlicht wurden, sollen belegen, dass die „abgeschossene“ Drohne auch nach dem angeblichen Abschuss weiter flog und Kriegsschiffe filmte. Vor allem der Zeitstempel, der zu sehen ist, sei ein eindeutiger Beweis, hieß es in dem Fernsehbericht.

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