11.07.2019 13:23 |

Briten orten „Angriff“

Neue Eskalation: Wollte Iran Öltanker kapern?

Ein britisches Kriegsschiff soll am Mittwoch im Persischen Golf einen Überfall auf einen Tanker verhindert haben. Die Fregatte HMS Montrose habe den Angriff der iranischen Marine abwehren können - das Tankschiff British Heritage war britischen Medien zufolge von drei bewaffneten Schiffen dazu gedrängt worden, seinen Kurs zu ändern und iranisches Hoheitsgewässer anzusteuern. Der Iran dementiert.

Als der Öltanker die Straße von Hormuz passieren wollte, sollen sich mehrere Militärschiffe der iranischen Revolutionsgarden genähert haben. Obwohl das Schiff von einer Fregatte eskortiert worden sei, hätten die Angreifer versucht, den Tanker in iranische Gewässer zu zwingen. Sie hätten „entgegen internationalem Recht“ versucht, das Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern, ließ die Regierung in London wissen.

Das Kriegsschiff HMS Montrose habe sich der britischen Regierung zufolge schließlich dazwischendrängen müssen. Man habe seine Deckskanonen in Stellung gebracht, um die Rivalen zum Rückzug zu zwingen. Nachdem man die Waffen auf die iranischen Schiffe gerichtet und eine Warnung über Funk ausgesprochen habe, hätten sich die Angreifer wieder zurückgezogen. „Wir sind über diese Aktion beunruhigt und fordern die iranischen Behörden weiterhin dringend auf, die Situation in der Region zu deeskalieren“, hieß es aus London. Der Tanker ist nun wieder auf seinem ursprünglichen Kurs unterwegs, wie die online einsichtliche Schiffsposition verrät.

Iran streitet Eskalation ab
Der Iran dementierte den Vorfall. „Das Ziel solcher wertlosen Unterstellungen ist lediglich, Spannungen zu provozieren“, sagte Außenminister Mohamed Javad Zarif. Auch die iranischen Revolutionsgarden bestritten den mutmaßlichen Überfall. „In den vergangenen 24 Stunden hatten wir in der Straße von Hormuz keinen Zwischenfall mit ausländischen Schiffen, auch nicht mit einem britischen“, erklärten die Revolutionsgarden auf ihrer Webseite.

Trotz der angespannten Lage schreckte der Iran nicht davor zurück, noch eine Drohung an Großbritannien und die USA zu richten. Die Islamische Republik ärgert sich, dass ein unter ihrer Flagge fahrender Öltanker vor einer Woche vor Gibraltar gestoppt und festgesetzt wurde. London und Washington würden den Schritt „bereuen“, kündigte der Vizekommandant der iranischen Revolutionsgarden an.

Rachefeldzug Irans auf hoher See?
Der iranische Präsident Hassan Rouhani hatte Großbritannien bereits vor wenigen Tagen wegen des Vorfalls vor Gibraltar mit Konsequenzen gedroht. „Der Stopp des Supertankers durch die Briten war ein Fehler und dumm. Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass die internationale Schifffahrt sicher bleibt, und sie nicht mit solchen Aktionen unsicher machen“, sagte Rouhani am Mittwoch. Großbritannien solle dies beherzigen, „um später nicht die Konsequenzen zu tragen“.

Der iranische Supertanker Grace 1 war in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien gestoppt worden. Auch die britische Marine war an der Aktion beteiligt. Der Iran protestierte, bestellte dreimal den britischen Botschafter in Teheran ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof des britischen Überseegebietes hat inzwischen angeordnet, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf.

Im Juni hatte es im Golf von Oman bereits mysteriöse Zwischenfälle mit zwei Tankern gegeben. Die US-Regierung machte dafür den Iran verantwortlich, die Führung in Teheran bestritt die Vorwürfe. Die Vorfälle schürten international Ängste vor einer militärischen Eskalation zwischen beiden Staaten.

Eine Entspannung in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist derzeit nicht in Sicht. US-Präsident Donald Trump hatte der Führung in Teheran am Mittwoch mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen gedroht und ihr vorgeworfen, sie reichere seit Langem heimlich Uran an.

Konflikt seit Ausstieg der USA aus Atomdeal mit Iran
Das internationale Atomabkommen von 2015 sollte den Iran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich dessen politische und wirtschaftliche Isolation beenden. Aus Sicht der Trump-Regierung wurde der Iran aber durch den Deal nicht dauerhaft an der Entwicklung von Nuklearwaffen gehindert. Die USA scherten im Mai 2018 einseitig aus dem in Wien geschlossenen Abkommen aus und setzten scharfe Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft. Der Iran hatte zuletzt höhere Uranvorräte als erlaubt. Auch die zulässige Obergrenze bei der Anreicherung des Urans wurde jüngst überschritten. Der Iran bestreitet allerdings, Atomwaffen bauen zu wollen.

Ein Sprecher des US Central Command betonte nach dem aktuellen Zwischenfall, Bedrohungen für die internationale Schifffahrt bedürften einer internationalen Lösung. Die Weltwirtschaft sei abhängig von freien Handelswegen, und es sei an allen Nationen, diese zu sichern. Aus US-Regierungskreisen hieß es ebenfalls: „Uns sind Berichte bekannt, wonach iranische Boote versucht haben, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen.“ Die USA arbeiteten weiter mit Verbündeten und Partnern zusammen, um gegen die „bösartigen Aktivitäten“ der iranischen Führung anzugehen und den globalen Handel zu schützen.

Das US-Verteidigungsministerium hatte zuvor angekündigt, Pläne für eine internationale Koalition zum Schutz von Handelsschiffen vorantreiben zu wollen. Das Pentagon habe dazu einen konkreten Plan entworfen. In einigen Wochen werde feststehen, welche Länder sich dem Bündnis anschließen wollten.

Die betroffene Meerenge, die Straße von Hormuz, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff.

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