19.06.2019 10:24

Falsches Frauenbild?

Instagram bombardiert 12-Jährige mit Beautyreklame

Perfektes Make-up, perfektes Outfit, perfekte Kulisse - in der Instagram-Welt regiert eine ganz eigene Ästhetik. Doch was macht die Instagram-Hochglanzwelt mit den jüngsten Nutzern der zu Facebook gehörenden Fotoplattform? Kritiker glauben, sie könnte das Selbstbild und -vertrauen von Jugendlichen nachhaltig beschädigen, und Instagram macht mit Mode- und Beauty-Werbung tatkräftig mit.

Das kritisiert Tamsin Winter, die Tante einer 12-Jährigen, im Gespräch mit der BBC. Sie habe sich die Werbeanzeigen, die ihre Nicht auf Instagram an einem Tag zu sehen bekam, angesehen - und festgestellt, dass sie sich ausschließlich um Mode- oder Beauty-Produkte drehten. Sie sei betrübt, klagt die Tante, weil das eigentlich gar nicht den Interessen ihrer Nichte entspreche, sie aber offenbar von den Instagram-Algorithmen als optimale Zielgruppe für solche Werbung ausgewählt wurde.

Beispiele für die Werbung, die der 12-Jährigen präsentiert wurde:

„Jede Werbung drehte sich um Schönheit“
„Ich hatte mir eine gewisse Spannweite erwartet. Aber es gab gar keine Spannweite, jede Werbung drehte sich um Schönheit oder Mode“, sagt Winter. Selbst Werbungen, die gesunde Aktivitäten wie Sport bewerben sollten, seien letztlich oberflächliche Beauty-Reklame. „Bei Sportkleidung macht das Model überhaupt nichts gesundes, sie spielt bloß mit ihren Haaren rum!“ Was das mit ganz jungen Instagram-Nutzerinnen macht? Winter: „Ich habe ihr gesagt, dass ich hoffe, dass sie weiß, dass sich im Leben nicht alles nur um Schönheit dreht. Sie hat mir dann gesagt, dass viele ihrer Freundinnen schon Diät halten und glauben, sie müssten ein ganz bestimmtes Aussehen haben.“

Was macht Instagram mit dem Frauenbild?
Ein Kritikpunkt, der Instagram mit seiner bisweilen sehr freizügigen Hochglanzwelt schon lange begleitet. Die Plattform verändert mit ihren perfekt in Szene gesetzten Influencer-Girls die Selbstwahrnehmung und das, was in einer Gesellschaft als schön empfunden wird, zeigte erst kürzlich das Experiment eines Fotografen. Er bat Teenager in aller Welt, ein Model per Photoshop so zu verändern, dass es „social-media-gerecht“ wird. Und natürlich ahmten die Teenager ihre Idole nach: große Augen, kleine Nasen, helle Haut - alles für ein paar Likes mehr.

Auf Instagram gab es Probleme mit Selbstverletzung
Wozu das führen kann, zeigt sich jüngst auf tragische Weise in Malaysia, wo eine 16-Jährige die Instagram-Gemeinde darüber abstimmen ließ, ob sie sich das Leben nehmen soll oder nicht. Die User voteten dafür - und die 16-Jährige stürzte sich von einem Dach in den Tod. Überhaupt ist Selbstverletzung ein Phänomen, das auf Instagram präsent ist. Nach dem Suizid einer 14-Jährigen im Jahr 2017 kündigte deshalb das Netzwerk selbst an, mehr gegen Postings unternehmen zu wollen, in denen Selbstverletzung thematisiert wird. Zuvor hatten die Eltern Instagram zum Handeln aufgefordert.

Mode, Kosmetik und Lifestyle-Werbung boomt
Ob Influencer und Beauty-Reklame dazu beigetragen haben, dass die Mädchen nicht mehr leben wollten, ist nicht gesichert. Dass es sich bei Mode-, Kosmetik- und Lifestyle-Produkten um die wohl wichtigste Werbekategorie auf Instagram - teils ungekennzeichnet auf den Fotos von Influencer selbst, aber auch als für sich stehende Annonce auf der Website - handelt, ist aber kaum von der Hand zu weisen.

Am Ende bestimmen Facebooks Algorithmen
Instagram weist darauf hin, dass Algorithmen bestimmen, wer welche Werbung sieht. Und offenbar gehen diese Algorithmen davon aus, dass Mädchen im Hauptschulalter sich ausschließlich für Make-up, Kleidchen und Accessoires interessieren. Auch, weil die Beauty-Industrie genau diese Zielgruppe erreichen will. Es gehe „natürlich auch um den Willen des Werbekunden, für den Kontakt mit einer bestimmten Zielgruppe zu bezahlen“, sagt IHS-Analyst Jack Kent. Was im Trommelfeuer der sexy Hochglanz-Selfies und Beauty-Werbung in den Köpfen der jüngsten User - die Plattform ist offiziell ab 13 - ausgelöst wird, wird im Streben nach Gewinn wohl oft nicht bedacht.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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